Boris Becker beim Online-Pokern Ins Netz gepokert

"Online-Pokern ist kein Glückspiel", behaupten die Betreiber von Pokerstars.de, die mit Boris Becker Werbung machen. Dass man beim Pokern in der Tat nicht immer nur Glück hat, bestätigte der ehemalige Tennisprofi heute in Berlin.

Von Daniel Steinmaier, Berlin

Philip Luhmann wird gleich gegen Boris Becker spielen. Luhmann steht da, verlegen wie ein Konfirmant, im 17. Stock eines Berliner Hochhauses mit Blick auf den Potsdamer Platz. Er hat gewonnen. Im Online-Poker. Darum ist er heute hier im "Solar Club", einer angesagten Lounge für das hippe Berlin.

Luhmann vermeidet Augenkontakt, schaut lieber auf seine Schuhe. "Ich hatte bisher einfach Glück", sagt der 20-jährige Student des Verkehrsingeneurwesens aus Dresden. Auf dem Pressefoto trägt Luhmann ein sandfarbenes T-Shirt. Ein Sportwagen ist darauf zu sehen, darüber die Aufschrift: "Tuning de Luxe". Für das Finale der Turnierserie "Boris is back" hat er sich feingemacht: schwarzes Hemd mit dünnen weißen Längstreifen, schwarze Jeans.

Glück, das bedeutet für Luhmann: Er hat mehrere Poker-Turniere der Serie im Internet gewonnen, die von Pokerstars.de angeboten wird. Luhmann ist einer von acht Spielern, die es bis hierher ins Finale geschafft haben. Aus dem virtuellen Kartenspiel am heimischen Computer wird heute realer Ernst. Mit echten Gegenspielern. Mit einem echten Boris Becker am Tisch.

Pokerstars.de ist nach eigenen Angaben die größte Pokerplattform im Internet. Ganz unzutreffend wird das nicht sein, wenn sie Werbeeinnahmen-Millionär Boris Becker verpflichten konnte.

Luhmann und seine sieben Mitstreiter sitzen am Pokertisch. Sie warten auf Boris Becker. Vorher aber erklärt ein Mitarbeiter die Spielregeln. Poker spielen können sie ja alle. Nur echte Karten haben sie selten in der Hand. "Ihr müsst eure Aktionen ansagen, hier ist das nicht nur ein Mausklick", sagt der Mann.

Boris Becker kommt aus dem unteren Teil der Lounge die Treppe hoch. Weißviolettgestreiftes Hemd, darüber ein schwarzes Sakko. Wortlos setzt sich Becker an den Poker-Tisch. Keine warmen Worte zur Begrüßung, kein Händeschütteln. Boris "Pokerface" Becker. Der Blick erinnert an jene konzentrierten Momente auf dem Tenniscourt, bevor er mit seinem Bumm-Bumm-Aufschlag den Gegner zermürbte.

Der "Dealer", wie man den Spielleiter beim Pokern nennt, verteilt die Karten. Die neun Männer am Pokertisch biegen sie vorsichtig ein Stück nach oben, um zu sehen, was ihr Blatt bietet, und versuchen, sich nichts anmerken zu lassen. Boris Becker hat den coolsten Blick von allen.

Philip und Boris nuscheln ein leises "Check" ins Rund und tippen auf den Spieltisch. Der Dealer deckt die Karten auf, bunte Chips werden hin- und hergeschoben. Als er drei Asse aufdeckt, lachen die meisten in der Runde. Boris Becker lacht nicht.

Manche leben vom Online-Pokern. Tausend Euro und mehr kommen im Monat zusammen, wenn man gut ist und Glück hat.

Auf Sharkscope.com können die Gewinnsummen von Spielern nachgelesen werden, die sich auf den einschlägigen Poker-Seiten herumtreiben. Hier taucht auch ein Spieler namens Boris Becker auf. Der ehemalige Tennisprofi steht bei Pokerstars.de mit knapp eineinhalbtausend Dollar in der Kreide.

Der Dealer verteilt ein neues Blatt, die Spieler machen ihre Einsätze. Philip nimmt mit zitternden Händen zwei Chips und schnippt sie in die Mitte des Spieltischs. Boris Becker stützt sich mit den Unterarmen an der Tischkante auf und knetet seine Hände. "Ist er schon All-in?", fragt ein Beobachter, was so viel heißt: Hat er schon alle Chips im Spiel? Er bekommt keine Antwort. Denn jetzt geht alles sehr schnell.

Der Dealer deckt die Karten auf, Boris ist draußen. Als Erster in der Runde. Genaugenommen hat ihn Philip Luhmann rausgeworfen. Becker hatte nur zwei Buben, Luhmanns Blatt war besser. Becker steht auf und geht. Kein Wort, kein Glückwunsch. Er geht einfach. Philip Luhmann lacht. Vorher hat er sich kaum Chancen ausgerechnet. "Hauptsache, ich scheide nicht als Erster aus", sagte er. Dann hat er Boris Becker rausgeschmissen.