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Bob Dylans:Der verschollene Verwandte aus Amerika

Familie Kirgiz aus dem türkischen Trabzon würde sehr gerne zur Familie von Bob Dylan gehören. Und vielleicht tut sie das tatsächlich. Denn Familie Kirgiz findet, dass die Beschreibung, die der Weltstar in seiner Biographie "Chronicles" von seinen Ahnen macht, auch auf ihre Vorfahren zutrifft.

Es hat eine Weile gedauert, bis diese Ballade aus dem fernen Amerika im hintersten Winkel der Türkei angekommen ist, und wer weiß, welche Umwege die Geschichte dafür nehmen musste. Aber eigentlich hätten es alle längst wissen können, denn Bob Dylan hat sie in seiner Autobiografie "Chronicles", erschienen Mitte des vergangenen Jahres, doch selbst erzählt.

Bob Dylan, AP

Bob Dylan könnte Familienzuwachs bekommen.

(Foto: Foto: AP)

Die Familie seiner Großmutter wie die seines Großvaters, so Dylan, stammten aus der Provinz Kars, an der türkisch-armenischen Grenze. "Kirgiz" hieß diese Großmutter mit Nachnamen. Diese Information gelangte nun mit beträchtlicher Verzögerung ins türkische Fernsehen, worauf die Ballade eine neue Strophe bekommen hat: Eine Familie "Kirgiz" aus der Schwarzmeerstadt Trabzon wäre sehr gerne mit Dylan verwandt.

Ähnlichkeit nicht zu leugnen

Emine Kirgiz, heute selbst Großmutter, kann ein Bild ihres vor 25 Jahren verstorbenen Mannes Mehmet Salih Kirgiz präsentieren, in dessen Gesichtszügen man eine gewisse Ähnlichkeit mit dem jungen Dylan nicht leugnen kann, zumal, wenn man sich seinen dunklen Schnauzbart wegdenkt. "Sogar seine Falten sind ähnlich", sagt Kirgiz.

In Trabzon, erzählt sie, gebe es keine zweite Familie namens Kirgiz. Von Trabzon spricht auch Dylan. Ursprünglich komme die Familie seiner Oma aus Kagizman, einer Kleinstadt in der Provinz Kars, heißt es in "Chronicles". Auch die Großvaterfamilie stamme aus dieser Gegend. Mit Lederarbeiten hätten sie sich beschäftigt.

Über den Hafen Trabzon, etwa 400 Kilometer von Kars entfernt, seien sie ins damals russische Odessa gelangt, das heute zur Ukraine gehört, und von dort aus nach Amerika. "Ich bin eine alte Frau", zitiert die türkische Zeitung Radikal Emine Kirgiz, die meint, sie könne selbst nicht mehr in die USA reisen. Aber wenn Dylan ins türkische Trabzon käme, "würde ich mich freuen, ihn als Gast bei uns zu haben".

"Die Nase des Vaters"

Fünf Kinder hat Emine Kirgiz. Sohn Engin hat schon die eigene Verwandtschaft nach Spuren durchforscht, die zu Amerikas berühmten Sohn Dylan führen könnten. "Mein Vater hat leider mit neun Jahren seinen eigenen Vater verloren", sagt Engin Kirgiz. Deshalb gebe es wenig Hinweise auf Vorfahren.

Aber die stammten aus einem Ort nicht allzu weit von Trabzon entfernt, jedenfalls aus der Gegend. Engin Kirgiz Schwester Nezahat ist von der Verwandtschaft überzeugt: "Die Nase von Dylan sieht aus wie die meines verstorbenen Vaters", zitierte sie Hürriyet.

Die Chancen, die sich aus einer fernen Verwandtschaft mit dem prominenten Amerikaner ergeben könnten, haben auch die Bürgermeister der Region rasch erkannt. Nihat Yüce, Rathauschef von Kagizman, dem Kleinstädtchen, aus dem die Familie der Dylan-Oma stammt, "würde alles tun, um die Ahnen des Sängers zu finden".

Dylan bald Ehrenbürger von Kagizman?

Es wäre eine "große Ehre" für Kagizman, das gegen die Armut kämpfe, wenn Dylan den Ort besuchen und ein Konzert geben könnte, sagt Yüce. Auch zum Ehrenbürger von Kagizman möchte er Dylan machen.

Naif Alibeyoglu, Bürgermeister der Provinzhauptstadt Kars, sieht ebenfalls eine Chance für seine Stadt, "wenn der weltberühmte Sänger über Kars spricht". Natürlich soll Dylan auch ein Konzert in Kars geben. Dazu wolle man Kontakt mit dem Star aufnehmen.

Über die mögliche Verwandtschaft war Familie Kirgiz, wie sie sagt, "überrascht". Dylan, der bürgerlich Robert Zimmermann heißt, könnte es nicht minder sein. Vielleicht tauchen ja auch weitere alte Geschichten auf, schließlich gibt "Chronicles" noch den Hinweis, dass die Ahnen der ausgewanderten Oma einst aus Istanbul nach Kars gezogen waren. So finden sich womöglich auch in der großen Stadt am Bosporus noch ein paar Vorfahren - Dylan-Fans gibt es hier allemal reichlich.