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Bevölkerungswachstum mal anders:Der Samenspender

Deutsche Behörden halten ihn für einen hochbegabten Berufsquerulanten, "irgendwo zwischen Genie und Schizophrenie". Nun sitzt Jürgen Hass in einem paraguayischen Gefängnis - und will von dort aus 2000 Frauen Kinder schenken.

Der Absender des dicken Briefes lautet: Nationales Zuchthaus Tacumbú, Paraguay. Dort sitzt der Deutsche Jürgen Hass in Untersuchungshaft, und es scheint ihm nicht gut zu gehen.

Ein Vater, 2000 Babys? Das ist jedenfalls der Plan des Rheinländers Jürgen Hass

(Foto: Foto: dpa)

Er sei innerhalb von sechs Wochen dreimal ausgeraubt worden, schreibt er uns, was misslich sei, da er das Geld brauche, um die Wärter zu bestechen, damit er nicht in den hinteren Teil des Gefängnisses verlegt werde, wo 800 Schwerverbrecher zusammengepfercht seien.

Bärtiger Endfünfziger

Medizinische Hilfe werde ihm vorenthalten, der Blutdruck sei außer Kontrolle, er leide an Sehstörungen und Ohrengeräuschen. Hass erhebt schwerste Vorwürfe gegen die deutsche Botschaft: Man enthalte ihm konsularische Hilfe vor.

Trotz seiner Leiden findet der bärtige Endfünfziger Zeit für ein Angebot: er will 2000 Paraguayerinnen Samen spenden, damit sie ein Kind von ihm bekommen. In der lateinamerikanischen Presse wird er deshalb "Super-Papa" genannt. Auch bei deutschen Behörden ist Jürgen Hass berüchtigt.

Ob beim Berliner Justizministerium, im Auswärtigen Amt oder im Bürgermeisteramt seiner früheren Heimatgemeinde Rees am Niederrhein, die Nennung des Namens löst Stöhnen aus. Er sei ein hochbegabter Berufsquerulant, "irgendwo zwischen Genie und Schizophrenie", heißt es.

Einst Stadtrat bei der FDP

Alles begann Anfang der 70er Jahre, da war Hass Stadtrat der FDP in Rees. "Er hat schon immer Gesetze nach Lücken durchforstet, die er anprangern konnte", erzählt ein Kommunalpolitiker, der nicht genannt werden will, weil er den Rummel um Hass satt hat. 1972 erreichte Hass durch seine Wühlerei, dass in Rees die Kommunalwahl wiederholt werden musste.

"Das hat ihn irgendwie größenwahnsinnig gemacht." Er legte sich an, mit wem er konnte, ging zu weit und wurde später wegen Betrugs verurteilt. Seitdem führt er einen Kampf gegen den deutschen Staat, von dem er sich "behandelt fühlt wie ein Hund", wie er der britischen Zeitung Guardian sagte.

2005 wanderte Hass nach Paraguay aus und hatte eine seiner Meinung nach brillante Idee, wie er den deutschen Staat schädigen könnte. Er bot alleinerziehenden Müttern in Armenvierteln an, ihre Kinder zu adoptieren, so könnten sie zu einem deutschen Pass und Sozialleistungen gelangen. Er betrachtete das als "Entwicklungshilfe" und berief sich auf das seit 1998 geltende Kindschaftsrecht, wonach Vater ist, wer sich dazu bekennt.

Ein deutscher Pass?

Um Nachahmer abzuschrecken, sah sich die deutsche Justizministerkonferenz nun genötigt, den Behörden wieder ein stärkeres Anfechtungsrecht an die Hand zu geben. Ein entsprechender Gesetzesentwurf wird in den Fachausschüssen des Bundestags verhandelt. Das Auswärtige Amt betont, dass Hass' "Kinder" keineswegs ein Recht auf den deutschen Pass hätten. Hass habe den Fehler gemacht, zuzugeben, dass er die Vaterschaft nur zum Schein anerkenne.

Nicht sein einziger: er übersah auch, dass sein Vorgehen nach paraguayischem Recht strafbar ist, weshalb er wegen Verstoßes gegen das Adoptionsrecht und Urkundenfälschung nun einsitzt. Wird er verurteilt, drohen ihm drei Jahre Gefängnis.

Derweil nehme Hass Pastillen, um sich für seine neue Idee mit der Samenspende fit zu machen, berichtet die Zeitung Crónica, die ihn in der Zelle besucht hat. Tatsächlich erlaubt das paraguayische Strafvollzugsrecht den Gefangenen, ab und zu Damenbesuch zu empfangen. Doch auch hier gibt es eine Einschränkung, die Hass wohl übersehen hat: es muss immer dieselbe Dame sein.