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Berliner Zoo:Knuts Papa

Inzucht, Genickbruch, Tierhandel: Der Direktor des Berliner Zoologischen Gartens sieht sich immer wieder mit harschen Vorwürfen konfrontiert.

Im Rückblick lässt sich nicht mehr genau feststellen, wann es begann. Vielleicht mit der Absage der "Gay Night" im Zoologischen Garten. Oder mit dem Rauswurf des kaufmännischen Direktors. Möglicherweise auch mit dem Streit darüber, ob man die Knut-Einnahmen mit dem Zoo Neumünster teilen muss.

Bernhard Blaszkiewitz; dpa

Berliner Zoo-Direktor Bernhard Blaszkiewitz: Kein Chef zum Kuscheln

(Foto: Foto: dpa)

Oder mit den Vorwürfen, er habe Tiere getötet, verkauft oder Inzest unter ihnen zugelassen. Sicher ist dagegen, dass der Direktor des Berliner Zoologischen Gartens, Bernhard Blaszkiewitz, seit einigen Wochen unter schwerem Beschuss steht und dass der artenreichste Zoo der Welt in eine veritablen Krise geraten ist.

Erst am vergangen Montag trompetete Bild anklagend: "Ließ er auch 9 Löwen totspritzen?" Angestellte melden sich und erzählen schauerliche Geschichten über den Umgangston im Berliner Tierpark, dem anderen Berliner Zoo, den Blaszkiewitz schon seit 1991 leitet. Und es mehren sich die Stimmen, die die Einrichtung einer Ethikkommission für Zoo und Tierpark fordern.

Nun kann man nicht gerade sagen, dass Bernhard Blaszkiewitz zu den Menschen gehört, die es einem leicht machen. Selbst Wohlwollende sagen über ihn, dass er kein "Chef zum Kuscheln" sei, sondern bodenständig, direkt, manchmal gar ruppig. Andererseits ist es wahrscheinlich vor allem ihm zu verdanken, dass Berlin überhaupt noch zwei Zoos hat. Denn der Tierpark im Osten der Stadt, einst von der DDR gegründet, stand nach der Wende vor der Abwicklung. Blaszkiewitz hat saniert und gespart. Und er hat Mitarbeiter entlassen. Dass ihm manch einer vor allem letzteres immer noch übel nimmt, kann er jetzt ab und an in der Zeitung nachlesen.

Inzucht, Genickbruch, Tierhandel?

Manch eine der Anschuldigungen, die gegen Blaszkiewitz erhoben werden, wiegen allerdings schwer, und man kann nicht sagen, dass er besonders geschickt darauf reagiert hat. Da ist die Rede von Tieren, die an dubiose Händler verkauft worden sein sollen, darunter angeblich auch an chinesische Potenzmittelhersteller.

Die Grünen-Abgeordnete Claudia Hämmerling wirft dem Zoodirektor außerdem vor, Inzucht im Tiergehege zuzulassen. Die Tiere aus diesen Paarungen seien jedoch wertlos. Und dann ist da noch diese Sache mit den vier kleinen Katzen. Denen hat Blaszkiewitz 1992 eigenhändig das Genick gebrochen und zwar, wie er selber betont, auf artgerechte Weise. Sonst, so erklärte er zur Begründung, hätten möglicherweise Krankheiten wie Staupe oder Tollwut in den Zoo eingeschleppt werden können. Das hat ihm dann eine anonyme Morddrohung eingebracht.

Drei Stunden lang musste der Zoochef in der vergangenen Woche dem Umweltausschuss des Abgeordnetenhauses Rede und Antwort stehen. Auf das angebliche Verschwinden von Tieren angesprochen, sagte er: "Kein einziges Tier, außer vielleicht einer Ameise und einer Honigbiene, ist verschwunden." Manch ein Abgeordneter fand das gar nicht komisch. Immerhin räumte Blaszkiewitz ein, dass er Katzen heute nicht mehr töten würde. Und dass die Parlamentarier jederzeit Einsicht in die Bücher nehmen könnten. Dort sei alles genau protokolliert. Man hatte nicht den Eindruck, dass Blaskiewitz sonderlich interessiert ist an dem Bild, dass die Öffentlichkeit von ihm hat.

Vielleicht ist das seine größte Schwäche: dass er von dem ganzen Rummel um den Zoo nicht viel hält.

Der Eisbär Knut zum Beispiel ist für Blaszkiewitz nur ein Tier von 140.000 in seinem Zoo. Ihm geht es um die Haltung von Tieren und nicht um die Unterhaltung von Menschen. Er wolle keine Spaßparks, hat er einmal gesagt, "sonst können uns die Leute nicht von einem Rummelplatz unterscheiden". Nicht alle in der Zooverwaltung haben diese Ansicht über die größte Touristenattraktion, die der Zoo je hatte, geteilt. Aber Blaskiewitz hat sich durchgesetzt. Der kaufmännische Direktor Gerald Uhlig, der Knut weltweit und mit Millionengewinnen vermarktet hatte, musste den Zoo vor einigen Monaten verlassen.

Längst nicht alle Vorwürfe gegen Blaszkiewitz sind fundiert. "Es ist schon erstaunlich, was da als Enthüllung aus dem Hut gezaubert wird", sagt Zoo-Sprecher Detlev Untermann. Die neun getöteten Löwen und Tiger wurden beispielsweise alle in den jeweiligen Jahresberichten erwähnt, zusammen mit dem Grund für ihre Tötung: Einige hatten sich mit FIV, dem sogenannten Katzen-Aids, infiziert, andere waren unterernährt oder altersschwach. Ob an den anderen Vorwürfen etwas dran ist, prüft derzeit die Staatsanwalt.

In der Berliner Umweltverwaltung, die für den Zoo zuständig ist, sieht man die schwelende Krise mit Sorge. "Wir sind an einer schnellen Aufklärung interessiert, damit der Zoo nicht weiter beschädigt wird", sagt Sprecherin Marie-Luise Dittmar. Auch Blaszkiewitz möchte das. Allerdings hat noch kein Abgeordneter bei ihm gemeldet, der die Zoo-Unterlagen prüfen will.

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