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Bandenbetrugsprozess:Überfall auf Franz Gsell bleibt rätselhaft

Beim Prozess gegen drei Mitglieder einer Autoschieberbande, der im Zusammenhang mit dem tödlichen Überfall auf den Schönheitschirurgen Franz Gsell steht, haben die Angeklagten bislang zum Ablauf der Tat geschwiegen.

Der Hintergrund und die genauen Umstände des Überfalls auf den Nürnberger Schönheitschirurgen Franz Gsell bleiben weiter im Dunkeln.

Franz Gsell in seiner Nürnberger Klinik im Jahre 2001.

(Foto: Foto: ddp)

Beim Prozess gegen drei Mitglieder einer Autoschieberbande, die sich am Donnerstag wegen Bandenbetrugs im Zusammenhang mit dem tödlichen Überfall auf den 76-Jährigen vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth verantworten, machten die Angeklagten keine Angaben zu Hintergrund oder Ablauf der Tat.

Dubioser Auftrag

Den Männern wird vorgeworfen, von Gsells Ehefrau Tatjana beauftragt worden sein, deren Sportwagen aus der Garage ihrer Villa im Nürnberger Nobelviertel Erlenstegen zu beseitigen und gegen eine Prämie ins Ausland zu bringen. Anschließend sollte der Wagen laut Anklage der Versicherung als gestohlen gemeldet werden.

Bei der geplanten Übergabe der Fahrzeugpapiere und des Autoschlüssels im Januar 2003 wurde der 76-jährige Ehemann von Tatjana Gsell unter noch immer ungeklärten Umständen so stark verletzt, dass er in ein Krankenhaus musste. Dort starb er im März 2003 an einer Blutvergiftung.

Keine Angaben zu Identität der Komplizen

Einer der Angeklagten, ein 35 Jahre alter Deutscher, hatte eingeräumt, an dem Überfall auf den 76-Jährigen beteiligt gewesen sein. Er hatte jedoch immer beteuert, den Schönheitschirurgen nicht geschlagen zu haben. Zur Identität seines Komplizen machte der Mann keine Angaben. Wegen formaler Fragen wurde am Donnerstag das Verfahren gegen einen der Angeklagten abgetrennt.

Die beiden anderen Mitglieder der Autoschieberbande wurden zu Haftstrafen von fünfeinhalb und zweieinhalb Jahren verurteilt.

Andere Autoschiebereien

In das Urteil flossen rechtskräftige Entscheidungen des Amtsgerichts Ellwangen wegen anderer Autoschiebereien ein. Das Gericht sprach die beiden Angeklagten außerdem der Anstiftung zum versuchten Versicherungsmissbrauch schuldig.

Gsells Witwe Tatjana war im Juli 2004 vom Nürnberger Amtsgericht wegen Vortäuschens einer Straftat und versuchten Versicherungsbetrugs zu einer Bewährungsstrafe von 16 Monaten sowie 30.000 Euro Geldbuße verurteilt worden.

Tatjana Gesell mehrere Monate in U-Haft

Die heute 34-Jährige saß nach dem Tod ihres Mannes wegen des Verdachts der Anstiftung zum Raub mit Todesfolge zunächst mehrere Monate in Untersuchungshaft. Eine Mitverantwortung am Tod des 76-Jährigen konnte ihr aber nicht nachgewiesen werden. Sie war zum Zeitpunkt des Überfalls im spanischen Marbella.

© sueddeutsche.de/AP/dpa
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