Arm und reich 60 Schritte zum Privatjet

Kim Kardashian, umringt von Fotografen, am Airport von Los Angeles.

(Foto: AP)

Am Flughafen von Los Angeles soll in nur acht Monaten ein neues Terminal entstehen - reserviert für Prominente und die, die sich den Einsteige-Luxus leisten können.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Wer sich ein Mal in seinem Leben wie eine Berühmtheit fühlen möchte, der muss bei einem Besuch in Los Angeles gar nicht nach Hollywood oder Malibu fahren. Er kann einfach am Flughafen LAX bleiben, wo einen immer wieder Mitarbeiter der Klatsch-Homepage TMZ, Fotografen oder Autogrammjäger verfolgen. Natürlich interessieren sich die keineswegs für das gemeine Volk, doch wenn da Kim Kardashian, Naomi Campbell oder Lady Gaga zufällig neben einem zum Sicherheitscheck spazieren, dann entsteht für ein paar Sekunden dieses kribbelige Promi-Gefühl. Jeden Tag, das zeigen die Instagram-Einträge der Stars, die Fotos in Magazinen und die neuesten Gerüchte-Videos bei TMZ, kommen Hunderte Promis an diesen Flughafen und damit Tausende Menschen, die diese Promis sehen wollen.

Wer diese Aufregung erleben möchte, der sollte sich allerdings beeilen - die Flughafengesellschaft hat den Bau einer Privatlounge für Promis genehmigt. In spätestens acht Monaten soll es einen Parkplatz und ein 4000 Quadratmeter großes Gebäude nur für Berühmtheiten geben. Für bis zu 1800 Dollar pro Flug kann der Ruhe liebende Prominente auf seinen Flug warten. Und muss insgesamt, das versprechen zumindest die nun veröffentlichten Pläne, nicht mehr als 60 Schritte machen, um vom eigenen Auto zum Flugzeug zu gelangen. Ein Chauffeur bringt ihn von der Lounge zum Rollfeld, ein Butler übernimmt die Einkäufe im Duty-Free-Shop. Das gemeine Volk benötigt bis zu unerhörten 2200 Schritten für diesen Weg.

Flughafen-Chefin Deborah Ale Flint sagt, dass sich die Los Angeles Suite an der Windsor Suite am Flughafen in London orientieren würde. Die war einst für Mitglieder der britischen Königsfamilie errichtet worden, später durften dort auch Präsidenten und Diplomaten hinein, seit 2011 kann sie jeder besuchen, der bereit ist, mindestens 2000 Pfund dafür zu bezahlen. Flint betont jedoch, dass es sich bei der Lounge in Los Angeles nicht um eine Feier der Dekadenz handeln würde: "Es geht um den Verkehr auf den Zufahrtsstraßen, den Platz auf den Gehsteigen und die Atmosphäre in den Terminals."

In der Tat wirkt der Flughafen derzeit bisweilen wie ein Ameisenhaufen: Auch ohne all die Prominenten ist die Wuselei schon wild genug, doch wenn Paparazzi und Fans von einer Berühmtheit zur nächsten jagen, dann entstehen hin und wieder Chaos und Staus. Wenn dann jemand wie George Clooney oder Brad Pitt auftaucht, dann wirkt es, als würde ein Tapir den Ameisenhaufen aufsuchen.

Der Flughafengesellschaft entstehen durch die Lounge keine Kosten, im Gegenteil: Eine Sicherheitsfirma übernimmt die Kosten für die Renovierung der Gebäude, sie soll angeblich in den kommenden zehn Jahren 34 Millionen Dollar an Miete bezahlen. Und Flughafen-Chefin Flint hofft, dass durch die Erweiterung noch mehr Berühmtheiten kommen. Es heißt nämlich auch, dass der Flughafen nur von jenen Prominenten genutzt wird, die sich gerne fotografieren lassen. All jene, die tatsächlich ihre Ruhe haben wollen, fliegen dagegen derzeit in Privatjets von den kleinen Flughäfen in Santa Ana, Burbank oder Long Beach. Diese Passagiere hätte LAX nun gerne zurück.