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Airbus der Air-France:24 Fehlermeldungen vor dem Verschwinden

Vor dem Absturz hatte die Maschine wohl technische Probleme. Welche - ist noch immer nicht klar. Eine Ursache wird unwahrscheinlicher: Gewitter.

Kein Autopilot, falsche Geschwindigkeitsdaten - vor seinem Absturz in den Atlantik hatte der Airbus der Air France an Pfingstmontag offenbar erhebliche technische Probleme. In den knapp fünf Minuten vor Ende des Kontakts habe die A 330 automatisch 24 Fehlermeldungen an das Wartungszentrum von Air France geschickt, erklärte das Pariser Amt zur Ermittlung von Unfallursachen BEA. "Mehrere Systeme waren ausgefallen, darunter der Autopilot", sagte BEA-Chef Paul-Louis Arslanian. Bei dem Absturz waren 228 Menschen umgekommen.

Ein Techniker untersucht am Flughafen in der brasilianischen Stadt Recife Radarbilder.

(Foto: Foto: AFP)

Unterdessen wurde die Absturzthese von der extremen Wetterlage immer unwahrscheinlicher. Das Unwetter auf der Flugstrecke sei für die Jahreszeit überhaupt nicht extrem gewesen, erklärte der Wetterdienst Météo France.

Laut Arslanian hat der Bordcomputer der A330-200 den Autopiloten ausgeschaltet, weil die Daten von drei Sonden zur Geschwindigkeitsmessung um 50 Stundenkilometer voneinander abgewichen hätten. Ob der Autopilot danach wieder angeschaltet wurde, sei unbekannt, sagte Arslanian. "Wir wissen nichts."

Jetzt überprüft das BEA frühere Probleme von Maschinen des Typs Airbus A330 bei der Geschwindigkeitsmessung. Airbus ersetze und verbessere die Sonden, sagte Arslanian. Das heiße nicht, dass diese Flugzeuge ohne eine Verbesserung gefährlich seien. Bei allen Flugzeugmodellen gebe es ständig Veränderungen. Einen Bombenanschlag schloss der BEA-Chef nicht völlig aus.

Die These sei angesichts der Datenlage aber "nicht sehr kohärent", sagte er. Aufklärung könnten nur eine Untersuchung der Trümmerteile und vor allem die Auswertung der beiden Flugschreiber bringen. Ein französisches Forschungsschiff mit Tauchgeräten, die noch aus 6000 Metern Tiefe Teile bergen können, hält Kurs auf die vermutete Absturzstelle. Außerdem hat Frankreich das Atom-U-Boot "Emeraude" mit seinen empfindlichen Horch- und Sonargeräten in Marsch gesetzt.

"Wir suchen nicht auf gut Glück"

Die US-Regierung stellte Frankreich zudem hochempfindliches Suchgerät zur Verfügung, das auf zwei Schiffen unterwegs ist. US-Präsident Barack Obama sagte Präsident Nicolas Sarkozy bei einem Treffen in der Normandie "alle Unterstützung bei der Aufklärung des Unglücks" zu. "Wir sind entschlossen herauszufinden, was passiert ist, und Frankreich zu unterstützen", sagte Obama. Es müssten so viel Informationen wie möglich gesammelt werden.

Das Wrack wird etwa 100 Seemeilen östlich des Mittelatlantischen Rückens vermutet. Dort ist die See mehrere Kilometer tief. "Wir suchen nicht auf gut Glück", betonte Arslanian. Dennoch schloss er nicht aus, dass die Flugschreiber vielleicht nie gefunden werden. Die Peilsender könnten sich von den Flugschreibern gelöst haben, sagte er. Ohne diese kleinen Metallzylinder wären die Flugschreiber für immer verloren.

Dasselbe gilt, wenn die Flugschreiber in eine der vielen schmalen unterseeischen Felsspalten gerutscht sind. Die Sender können rund einen Monat Signale geben; dann geht ihnen der Strom aus. Die brasilianische Luftwaffe ist sicher, Wrackteile gesichtet zu haben. Einige sind aber möglicherweise inzwischen im Meer versunken; andere wurden von Strömungen fortgetrieben.

Die Orte, wo die Teile gesichtet wurden, seien notiert, versicherte Luftwaffensprecher Ramon Cardoso am Freitagabend in Recife. In Paris kursiert aber die Vermutung, der Flugzeugsitz, den Piloten im Meer gesichtet haben, stamme von einem abgestürzten Drogenkurier-Flugzeug, wie sie zwischen Brasilien und Afrika pendelten.