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Äthiopienhilfe "Menschen für Menschen":Almaz Böhm zieht sich zurück

KARLHEINZ BÖHM ZIEHT BILANZ

Almaz Böhm, hier mit ihrem Mann auf einem Archivfoto von 2001, gilt seit den gegen sie erhobenen Vorwürfen als gesundheitlich angeschlagen.

(Foto: DPA/DPAWEB)

Die Stiftung "Menschen für Menschen" verändert ihre Führungsriege: Almaz Böhm gibt den hauptamtlichen Vorstandsvorsitz ab, um sich um ihren schwerkranken Mann zu kümmern. Gegen die Frau des Schauspielers Karlheinz Böhm wurden zuletzt schwere Vorwürfe erhoben.

Almaz Böhm gibt den hauptamtlichen Vorstandsvorsitz der Stiftung "Menschen für Menschen" ab. Die Frau des früheren Schauspielers Karlheinz Böhm, dem Gründer der Äthiopienhilfe, will sich in Zukunft ganz auf die Pflege ihres schwerkranken Mannes konzentrieren.

Wie es heißt, lasse sich dies mit der Vollzeittätigkeit an der Spitze einer großen Hilfsorganisation nicht mehr verbinden. Die Stiftungsvorsitzende Böhm war in diesem Jahr Zielscheibe einer Reihe von schweren Vorwürfen gewesen, die der ehemalige Großspender Jürgen Wagentrotz erhoben hatte. Dabei spielte auch das Jahresgehalt von 105 800 Euro eine Rolle, mit dem Frau Böhms Tätigkeit honoriert wurde. Von Januar an wird Almaz Böhm nur mehr ehrenamtliche Vorsitzende sein und kein Gehalt mehr beziehen.

Zu dem Rückzug könnte auch geführt haben, dass Böhm als gesundheitlich angeschlagen gilt. Der Streit mit Wagentrotz soll sie "brutal getroffen" haben, heißt es. Sie war monatelang krankgeschrieben und konnte ihre Tätigkeit als Vorstandsvorsitzende nicht ausüben.

Dissens wegen Wagentrotz

Eine weitere Veränderung in der Führung der Stiftung betrifft den Medienunternehmer Hermann Orgeldinger, der soeben seinen Rücktritt zum Ende des Jahres bekannt gegeben hat. Orgeldinger sagt, er habe im Vorstand für seine Vorstellungen von einer modernen und zukunftsorientierten Stiftung keine Mehrheit gehabt und sei von seinen Vorstandskollegen, dem Rechtsanwalt Martin Hintermayer und dem Musikverleger Peter Hanser-Strecker, regelmäßig überstimmt worden.

Dissens gab es auch wegen Wagentrotz. Strecker möchte mit dem ehemaligen Großspender Kontakt aufnehmen und versuchen, den monatelangen Streit auf gütlichem Wege beizulegen. Er hat dabei die Unterstützung von Hintermayer. Orgeldinger, der gerade erst eine einstweilige Verfügung gegen Wagentrotz erwirkt hat, war strikt gegen eine solche Kontaktaufnahme, konnte sich aber nicht durchsetzen.

In Zukunft wird der Vorstand aus den ehrenamtlichen Mitgliedern Strecker, Hintermayer und Almaz Böhm sowie zwei neu berufenen hauptamtlichen und bezahlten Vorständen bestehen. Der promovierte Landwirt Peter Schaumberger, der bislang im Vertrieb von Bioprodukten tätig war, soll das Büro der Organisation in München leiten und sich um die Akquirierung von Spenden kümmern. Der Politikwissenschaftler Peter Renner, der Erfahrung mit Hilfsprojekten in Osteuropa und Nordafrika hat, soll die Arbeit der Stiftung in Äthiopien kritisch begleiten.

© SZ vom 21.12.2013/dato
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