Speichersee am Brauneck Attraktion oder Bock des Jahres

Für den Speicherteich vergibt die Umweltorganisation Mountain Wilderness den neu geschaffenen Negativpreis an die Bergbahn. Doch deren Chef sieht den künstlichen See als notwendige Investition, die das Gebiet sogar aufwertet.

Von Suse Bucher-Pinell

Wenn der Speicherteich erst gründlich eingewachsen sei, werde er eine Attraktion für die Gäste, glaubt Peter Lorenz von der Brauneck-Bergbahn. Michael Pröttel von Mountain Wilderness dagegen sieht den Berg durch die Anlage dauerhaft verschandelt.

(Foto: Manfred Neubauer)

Keiner wollte ihn so recht haben, auch wenn er noch so golden glänzt. Peter Lorenz, der Chef der Brauneck-Bergbahn, war gleich gar nicht da, als ihm am Sonntagnachmittag der Verein Mountain Wilderness den "Bock des Jahres" als Anti-Umweltpreis überreichen wollte. Nach einigem Hin und Her landete die kleine Steinbock-Figur aus Plastik schließlich ungeliebt im Kassenhäuschen an der Talstation. Sie prangert die nach Ansicht von Mountain Wilderness größte Umweltsünde in den deutschen Alpen 2012 an: Das künstlich angelegte Speicherbecken am Garland-Hang, mit dessen Wasser die Schneekanonen im Skigebiet gespeist werden. Für Vereinsvorstand Michael Pröttel ist dieser See mit 100 000 Kubikmeter Fassungsvermögen eindeutig eine Nummer zu groß und damit ein zu gravierender Eingriff in die Alpen.

Mountain Wilderness ist nach eigenen Angaben eine internationale Organisation von Alpinisten, die sich seit 1987 für den Schutz der unversehrten Gebirgsräume auf der ganze Erde einsetzt. Dass am Brauneck, dem Münchner Hausberg für Skifahrer, Wanderer und andere Freizeitaktivisten, längst keine Wildnis mehr vorherrscht, stört Michael Pröttl dabei nicht. "Wildnis ist nur ein Aspekt in unserer Arbeit", sagt er. Im konkreten Fall gehe es um die Art der Nutzung und darum, wie sie sich mit der Natur vertrage. Nämlich gar nicht. Deshalb war der erste Preisträger der als Umweltsünden-Oscar bezeichneten Auszeichnung offenbar schnell ausgemacht. "Die Brauneckbahn hat so zielsicher angelegt, dass die Wahl, wer den Bock des Jahres 2012 geschossen hat, nicht schwergefallen ist", schreibt er in der Begründung.

Bergbahn-Geschäftsführer Peter Lorenz sieht das natürlich ganz anders. Er war am Sonntagnachmittag trotz des angekündigten Besuchs des Umweltvereins nicht mehr vor Ort. "Ich brauche den Preis nicht", sagt er am Montag. Das kleine Skigebiet müsse nun mal so ausgebaut werden, dass man auch in 20 oder 30 Jahren noch Skifahren könne. Die Beschneiung stelle im Winter den Skibetrieb auch bei Schneemangel sicher und halte die Region konkurrenzfähig mit höheren Gebieten in Österreich.

Die meisten Skifahrer sähen das auch so. "Die sagen, das war genau richtig, was ihr gemacht habt", sieht sich Lorenz bestätigt. Einen Imageschaden durch die Kritik befürchtet er nicht. Im Übrigen legt er Wert auf die Feststellung, dass das Speicherbecken ohne öffentliche Fördermittel gebaut worden sei und vorher die üblichen langen Genehmigungsverfahren durchlaufen habe. "Es ist unser eigenes unternehmerisches Risiko."

Michael Pröttl indes denkt nicht nur an Winter und Kunstschnee, sondern mehr noch an den Sommer. Bayern solle sich lieber auf Sommertourismus konzentrieren. Nun aber verschandele der Speicherteich die Landschaft am Brauneck. "Ich habe so viele Leute getroffen, die mir sagten, dass sie nicht mehr kommen werden."

Von Verschandelung und Vergraulen der Sommertouristen dagegen will Bergbahn-Chef Lorenz nichts wissen. "Der Teich ist eine Attraktion", sagt er. Wenn alles eingewachsen sei, sehe man ihn kaum. Mountain Wilderness hat schon das nächste Ärgernis im Auge: der Speicherteich am Sudelfeld, der noch größer wird als der am Brauneck.

Ob es dafür den nächsten Bock des Jahres gibt, ist noch völlig offen. Verständnis hat Michael Pröttel dafür so wenig wie für den Teich am Brauneck. "Was da passiert, ist, wie wenn man in Bayern dem Tiroler Pistenballermann hinterher rennt", schimpft er. "Das darf nicht sein."