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Urthaler Hof / Huber am See:Nachschlag, bitte!

Die Kostproben-Redaktion hat zwei bayerische Gaststätten getestet - allerdings bereits zum zweiten Mal.

Wirte reagieren auf Kritik wie alle Menschen zornig oder irritiert oder verschämt - von löblichen Ausnahmen abgesehen. Im Jahr 2000 hatte die Kostproben-Redaktion den URTHALER HOF bei Sindelsdorf besucht und kräftig am Essen herumgemeckert, zum Beispiel an einer Schweinshaxe, die sich jedem Messer widersetzt hatte, eine Säge hätte man gebraucht. Wirt Luggi Käser druckte die SZ-Kritik damals auf seinen Plakaten ab und gelobte öffentlich Besserung, was doch sehr beeindruckt hat.

Lauschiges Plätzchen unter alten Bäumen: Das Landhotel Huber in Ambach ist nur durch eine Uferpromenade vom Starnberger See getrennt.

(Foto: Foto: Fuchs)

Im Urthaler Hof, zwischen Sindelsdorf und Bichl gelegen, gibt man sich umtriebig. Märkte, Feste, Kutschfahrten, Hofladen und Weideochsen aus eigener Zucht werden aufgeboten. Die routinierten, freundlichen Bedienungen haben gut zu tun. Drinnen und draußen hat das Wirtshaus viel Platz für viele Gäste, die bei schönem Wetter im Garten beim Bier sitzen (Hofbräu, die Maß 5,80), mit weitem Blick auf die Bilderbuch-Landschaft um die Benediktenwand.

Fast eine halbe Sau

Der Wirt setzt auf Beständiges. Selbst die Speisenkarte wurde in den vergangenen acht Jahren nicht runderneuert, die Küche bleibt beim Vertrauten. Ihr Versprechen aber haben die Wirtsleute Käser gehalten: Im Urthaler Hof wird sehr viel besser gekocht. Die Schweinshaxe war dieses Mal saftig und hatte eine schön krachende Kruste. Monumentale Ausmaße hatte sie, "fast eine halbe Sau", steht auf der Karte, was kaum übertrieben war.

Das Urthaler Schnitzel vom Schwein mit leichter Panade hatte der Koch mit Wammerl, Sauerkraut, Zwiebeln und Senf deftig gefüllt, dazu gab es fast brutzelnde Speckbratkartoffeln. Zart und würzig kam das altbayerische Tellerfleisch auf den Tisch, ein gebratener Tafelspitz in intensiver Senfhülle (14,50 bis 16,50). Diätkost war das alles nicht, aber zum Aufessen gut. Für die Nachspeisen allerdings lässt der Koch keinen Platz, was ein Fehler ist: Die zierlichen Blaubeer-Pfannkuchen waren ein Gedicht (7,20).

Nichts zu mäkeln? Doch. Die Grillwürste hatten den Grill offenbar nur flüchtig gesehen. Die Gemüse zum guten, gesottenen Ochsenfleisch schienen direkt vom Wasser auf den Teller gewandert zu sein. Der Ochsenbraten mit trockenem Semmelknödel war fad (9,50 bis 13,95). An all dem aber, kein Zweifel, wird der Wirt auch noch mit Erfolg arbeiten.

Ausfluggasthöfe haben es schwer, und je näher der See, desto größer das Gedränge. Das LANDHOTEL HUBER AM SEE in Ambach ist nur durch eine Hangwiese und die Uferpromenade vom Starnberger See getrennt, und an schönen Tagen sollte man einen Tisch im Garten unter den alten Bäumen reservieren. Am Telefon mahnte eine strenge Stimme, ja pünktlich zu kommen, sonst sei der Tisch weg. Die Bedienungen aber brachte selbst ein Gewitter nicht aus dem Konzept. Freundlich und gelassen quartierten sie die Gäste ins holzgetäfelte Restaurant um.

Renkenfilets in Salatsauce abgetaucht und aufgelöst gestrandet

Auf die Küchencrew hat diese gleichbleibende Form nicht abgefärbt. 2002 hatte die Kostprobe das Landhotel stark gelobt, und der kochende Wirt Michael Wendl versteht auch viel von Speisen und ihrer Zubereitung. Die Renkenfilets unter einer knusprigen Kartoffelkruste wurden mit leichter Schnittlauchsauce serviert, das Wiener Schnitzel, schön dünn geklopft, kam butterweich aus der Pfanne. Und im Hubertus-Topf steckte sehr zartes Wild mit feiner Sauce unter einem Berg von Pfifferlingen und wunderbaren Spätzle (13,20 bis 14,50). Die offenen Weine wie der trockene Riesling (das Glas 4,90) waren angenehm.

Doch bisweilen leiden die Köche unter einem Formtief. Den Schweinsbraten, zwei saftige Scheiben in guter Sauce, garnierten sie mit beinharter Kruste, und das nicht nur einmal. Die große Fischsuppe enttäuschte auch nach mehreren Versuchen: Viel Fisch, auch aus dem See, schwamm in einer klaren Brühe, die nach wenig, jedenfalls nicht nach den Fischen schmeckte. Die gebratenen Renkenfilets auf Salat waren in die Salatsauce abgetaucht und leicht aufgelöst gestrandet.

Der Tafelspitz wurde lange nach den anderen Gerichten aufgetragen, die zusätzliche Zeit im Kochtopf aber hatte ihm nicht geholfen: Hart war er und fasrig, bedeckt mit einer dünnen Meerrettichsauce und umgeben von Kartoffeln und Brokkoli, die nach Gewürz und Butter hungerten, sie schmeckten nach nichts (9,00 bis 17,90). Bei einem Formtief hilft Training. Im Landhotel Huber genügt vermutlich nur ein wenig innere Einkehr.

URTHALER HOF, Sindelsdorf, Urthal 4, Telefon 08856/2003, www.Urthalerhof.de, täglich geöffnet, warme Küche von 11.30 bis 22 Uhr.

LANDHOTEL HUBER, Ambach, Holzbergstraße 7, Telefon 08177/9320, www.landhotel-huber.de, täglich geöffnet, warme Küche von 12 bis 23 Uhr.