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Transrapid:Im Tunnel der Furcht

Die Münchner Kommunalwahl könnte den Transrapid erneut aufs Abstellgleis führen: Den Wählern zuliebe will die CSU die Strecke in einen - kostspieligen - Tunnel verlegen.

Die vom Münchner OB-Kandidaten der CSU, Josef Schmid, geforderte Untertunnelung des Transrapids im gesamten Stadtgebiet hätte jahrelange Verzögerungen und Mehrkosten von mehr als 100 Millionen Euro zur Folge - genug, um das gesamte Projekt zu gefährden. ,,Das ist offenbar Schmids Weg, den Transrapid zu beerdigen'', frohlockt bereits SPD-Fraktionsvizin Constanze Lindner-Schädlich. Schmid hingegen betont, am Transrapid festzuhalten.

3,7 Kilometer ist der Abschnitt lang, den Schmid nun zusätzlich unter die Erde legen will - er reicht von der Borstei bis nach Feldmoching. In der ursprünglichen Planung, die das Genehmigungsverfahren schon fast durchlaufen hat, soll die Magnetbahn diesen Bereich oberirdisch auf alter Bahntrasse queren. Was bedeutend billiger wäre, aber eben, wie der OB-Kandidat betont, nicht gerade den bestmöglichen Lärmschutz für die ohnehin schon rebellierenden Anwohner bedeutet. Also: ab in die Tiefe mit dem roten Flitzer - auf dass sich die Wogen im Münchner Norden wieder glätten.

Tunnel bringt enorme Mehrkosten

Schmid will das nicht so verstanden wissen, als sei er jetzt gegen das Projekt: ,,Ich stehe zum Transrapid.'' Doch seine Tunnelpläne würden den Magnetzug gewaltig ins Schleudern bringen. Denn in der bisherigen Kostenschätzung von 1,85 Milliarden Euro, die ohnehin von vielen Transrapid-Gegnern angezweifelt wird, sind zwar zwei innerstädtische Tunnelabschnitte (4,9 und 2,5Kilometer), aber keineswegs eine mehr als elf Kilometer lange Megaröhre enthalten.

104 Millionen Euro würde die Tieferlegung zusätzlich kosten, berichtet Ulrich Krenn von der DB Magnetbahn. Dieses Geld taucht bisher in keinem Finanzierungskonzept auf, Verkehrsminister Erwin Huber (CSU) müsste es also zusätzlich beschaffen. Falls die Summe überhaupt ausreicht. Klaus-Michael Dengler, der städtische Transrapid-Koordinator, hält die 104-Millionen-Schätzung der Magnetbahn für ,,wenig belastbar''.

Noch gravierender dürften die Auswirkungen auf den Zeitplan ausfallen. Denn das Planungsverfahren, das bereits kurz vor seinem Abschluss steht, müsste in Teilen noch einmal völlig neu aufgerollt werden. Und das dauert - Monate, wenn nicht gar Jahre. Schmid geht bislang davon aus, dass der Lärmschutz im Genehmigungsverfahren ergebnisoffen geprüft wird - dass die Behörden also ohnehin auch eine Tunnellösung in Erwägung ziehen.

Tatsächlich aber läuft ein Planfeststellungsverfahren anders ab, betont Bettina Baader vom Eisenbahn-Bundesamt: ,,Wir führen keine Variantendiskussion.'' Überprüft werde lediglich, ob die von der DB Magnetbahn eingereichte Trasse den Anforderungen des Lärmschutzes genügt. Und in diesen Plänen, betont Krenn, schwebt der Transrapid zwischen Borstei und Feldmoching oberirdisch.

Neues Planverfahren?

Sollten Bund und Freistaat also dem Vorschlag Schmids folgen, müsste die DB Magnetbahn für den 3,7-Kilometer-Abschnitt völlig neue Planunterlagen erarbeiten und anschließend noch einmal ein Verfahren beim Eisenbahn-Bundesamt beantragen - möglicherweise samt vierwöchiger Auslegungsphase plus Öffentlichkeitsbeteiligung. ,,Dieser Tunnel berührt die Grundzüge der Planung'', betont auch Dengler.

Denn selbst bei einer unterirdischen Strecke wären viele Anwohner, Unternehmen oder die Stadt betroffen und damit einspruchsberechtigt: als Grundstückseigner oder als Verantwortliche für Kanäle, U-Bahn-Tunnel oder den Grundwasserhaushalt. Lindner-Schädlich schätzt die zu erwartende Verzögerung auf ,,mindestens ein Jahr'' - bei Kosten von gut 200 Millionen Euro.

Derweil schmiedet die Anti-Transrapid-Front Pläne: OB Christian Ude trifft sich am heutigen Dienstag mit Gleichgesinnten zur Strategiebesprechung.