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Timo Haußecker:In der Pool-Position

Er gibt seinen Fischen Vornamen wie Otto und Clyde und erklärt Besuchern geduldig die Unterwasserwelt: Timo Haußecker arbeitet im Sea Life München als Biologe.

Nanu, wer sitzt denn da in Anglerhosen in einem Becken von Sea Life München und warum? Ein smarter, junger Mann ist es, der versucht, den umstehenden Erwachsenen und Kindern die Unterwasserwelt eines Schwarzmeer-Hafenbeckens näher zu bringen. So nah übrigens, dass man die Einsiedlerkrebse, Strandkrabben, Seespinnen, Anemonen und Muscheln sogar anfassen darf.

Timo Haußecker ist Biologe im Sea Life München.

(Foto: Foto: Annette Wild)

Ein Exponat sieht ein bisschen seltsam aus, naja, wie eine geschrumpelte Gummihaut. "Was ist denn das?", wollen wir von dem Experten wissen. "Leere Rocheneiner", klärt uns der Mann mit leichtem schwäbischen Akzent auf. Auf die Frage "Sitzen sie denn den ganzen Tag hier drin?" muss der Sea-Life-Mitarbeiter lachen: "Nein, das ginge gar nicht. Die Temperatur im Wasser beträgt nur 17 Grad. Trotz Schutzhose hält man es hier drinnen nicht länger als eine Stunde aus."

Der junge Mann und das künstliche Meer

Timo Haußecker heißt der charmante Besucherbetreuer. Fast scheint er ein bisschen stolz zu sein auf das Schwarzmeerbecken: "Dies ist das einzige Sea Life mit so einem Fühlbecken", sagt der 33-Jährige. 25 Sea Lifes gebe es übrigens in ganz Europa, neun davon in Deutschland.

Wie kommt man bitte dazu, in einem Wasserbecken mit Fisch-Einlage zu sitzen und Fragen zu beantworten? "Ich war schon immer von der Welt unter Wasser fasziniert", erzählt Haußecker und fährt fort "Als ich als Jugendlicher in einem Sea Life in Schottland war, wusste ich, wo ich später mal arbeiten wollte. Aber erst mal hab ich studiert. Biologie."

Nicht Meeresbiologie? "Nein, denn Meeresbiologie oder biologische Meereskunde ist nur ein Teilgebiet der Biologie. Sie stellt zugleich auch ein spezielles Gebiet der Ökologie dar", erklärt Haußecker. Er habe während seines Studiums an der LMU aber Kurse in Meeresbiologie besucht.

Einen "Meeresbiologen" stellt man sich eigentlich anders vor, eher als einen Abenteurer, der auf den sieben Weltmeeren unterwegs ist und um das Überleben von Meerestieren kämpft. So wie den Meeresforscher Jacques Cousteau, wie er mit roter Wollmütze auf seinem Expeditionsboot "Calypso" im Wind steht oder unter Wasser taucht - mehr Fisch als Mensch.

Haußecker dagegen steht mit beiden Beinen fest auf dem Boden des künstlichen Schwarzmeer-Hafenbeckens im Olympiapark. Trotzdem verfolgt er ähnliche Ziele wie Cousteau: Tiere schützen, Menschen über das Meer und seine Bewohner aufklären. "Es gibt viele Missverständnisse und Ängste in Bezug auf Meerestiere", sagt der Besucherbetreuer. "So versuchen wir zum Beispiel die Leute davon zu überzeugen, dass Haie faszinierende und schöne Wesen sind, die statt Verfolgung vielmehr unsere Bewunderung verdienen", mahnt Haußecker.

Viele Fischarten seien durch Überfischung gefährdet. "Es besteht die Gefahr, dass sie für immer aussterben. Was man kennt, das schützt man auch", ist sich der gebürtige Eppinger sicher. Doch auch die heimische Unterwasserwelt müsse zunehmend behütet werden. So gelte in Deutschland der Stör seit Anfang der 1970er Jahre als ausgestorben. "Störe sind faszinierende Fische, die drei bis vier Meter lang werden können", schwärmt Haußecker.

Unser Süßgewässer sei sehr artenreich. Neben den bekannten Forellen gebe es viele andere Fische, wie zum Beispiel Karanschen oder Stichlinge. "Stichlinge sind bekannt dafür, dass sie Nester bauen. Hier in Sea Life mit seinen 30 Becken und knapp 10.000 Tieren aus über 150 Arten habe ich selbst einiges dazugelernt", gibt der junge Mann zu, dem der Umgang mit Fischen einfach Spaß macht.

Beziehung zu Fischen aufbauen

Kann man denn überhaupt eine Beziehung zu Fischen aufbauen? "Ja natürlich. Man darf sie zwar nicht streicheln, weil ansonsten ihre schützende Schleimschicht kaputt ginge. Aber die Tiere wachsen einem ans Herz", gibt Haußecker zu. Wie etwa der Kugelfisch, der von Hand gefüttert wird. "Der lauert permanent auf Essen. Wenn man dann mit Futter kommt, macht er ganz große Augen und spritzt Wasser aus seinem Maul", erzählt der Sea-Life-Mitarbeiter.

Einzelne Rochen könne er anhand ihrer Körperzeichnungen auseinander halten. "Manche Tiere haben auch Namen wie etwa der Ammenhai 'Clyde', die Schildkröte 'Speedy Gonzales' oder der Oktopus 'Otto'.

Neben all der Liebe mache die Aquaristik aber auch richtig Arbeit: Becken putzen, Wasserwerte kontrollieren, Futter in der Fütterküche zubereiten. Alles Dinge, die Haußecker gerne macht. Sogar außerhalb seines Berufs träumt Timo Haußecker von einem Salzwasseraquarium. "Leider eine recht kostspielige Angelegenheit", meint der nette, junge Tierfreund. Auch wenn es nicht so groß sein müsse, um sich hineinzusetzen.

Sea Life München, Willi-Daume-Platz 1 (Olympiapark), Tickets: 0180 - 5 66 69 01 01, Täglich geöffnet ab 10:00 Uhr