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Tiere in München:Wo Rotfuchs, Drossel und Bergmolch leben

Arten, die einst ausschließlich auf dem Land zu Hause waren, finden seit einiger Zeit die Grünflächen in München attraktiv. Sogar Tiere, die bisher nur den Mittelmeerraum bevorzugten.

Von Christian Sebald

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Rotfuchs (Vulpes vulpes)

Frühjahrsmüdigkeit

Quelle: dpa

Im Kinderlied, da ist der Fuchs der Gans hinterher. Dabei reichen dem Räuber schon drei Komposthaufen, um satt zu werden - und zwar tagein, tagaus. Um so einen Komposthaufen herum findet der Fuchs nicht nur ausreichend Mäuse, Schnecken, Würmer und anderes Kleingetier, das ihm schmeckt. Deshalb ist der Fuchs längst in die Stadt gezogen - zumindest in die Außenbezirke und die Landkreisgemeinden, wo es viele Gärten und deshalb Komposthaufen gibt.

In Grünwald hat man bei einem Monitoring erstaunt festgestellt, dass dort 30 Fuchspaare leben. Mit den jungen Einzeltieren kamen sie sogar auf 90 Füchse. Und das bei 11 000 Einwohnern. Wer einwendet, Grünwald, da haben sie auf der einen Seite gleich die weitläufigen Forste und auf der anderen das Isartal, da wechseln die Füchse halt hin und her, der täuscht sich. Die Grünwalder Füchse sind Gartenfüchse mit allenfalls 300 Meter Aktionsradius.

Das Isartal und den Grünwalder Forst meiden sie regelrecht. Denn Füchse sind von Natur aus eher bequem. Sie leben nach dem Motto: Warum draußen in der Wildnis ein anstrengendes Leben fristen, wenn in der Nähe der Menschen alles viel einfacher ist. In München leben etwa 3000 Füchse.

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Wacholderdrossel (Turdus pilaris)

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Quelle: Arnstein Rønning/Wikipedia

Im Englischen Garten, gleich am Kiosk am Ende der Veterinärstraße kann man die wehrhaften Wacholderdrosseln schimpfen hören. Mit ihren lauten Schack-, Schack-Rufen gehen die amselgroßen rötlich-braun und hellgrau gefiederten Vögel mit den markanten gelb-orangefarbenen Schnäbeln dort auf Rabenkrähen los und attackieren sie mit sogenannten Kotbomben.

Die Angriffe, bei denen die Wacholderdrosseln ihre Opfer im Flug mit ihrem Kot zu treffen versuchen, sind für die Rabenkrähen nicht ungefährlich. Denn der Kot verklebt ihr Gefieder - im Extremfall können sie daran zugrunde gehen. Eigentlich bewohnt die Wacholderdrossel halboffene Landschaften, Feuchtwiesen und Streuobstwiesen.

In der Region München traf man sie früher im Dachauer und im Erdinger Moos zuhauf an, sagt Manfred Siering von der Ornithologischen Gesellschaft. Die Intensivierung der Landwirtschaft hat sie von dort vertrieben, es gibt dort immer weniger kleine Schnecken, Würmer und andere Bodenlebewesen, von denen sich die Wacholderdrosseln ernähren. In München trifft man die Vögel nicht nur im Englischen Garten an. Sondern auch im Nymphenburger Schlosspark und im Botanischen Garten.

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Mittelmeermöwe (Larus michahellis)

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Quelle: Michael Elleray/Wikipedia

Der Klimawandel hat die Mittelmeermöwe (Larus michahellis) über die Alpen ziehen lassen. Denn wie es schon der Name sagt, ist der Seevogel, der mit seinen 120 bis 140 Zentimetern Spannweite zu den Großvögeln zählt, im gesamten Mittelmeerraum daheim. Dort sind die Lebensumstände für die Allesfresser jedoch so gut, dass die Bestände seit Jahren rasant anwachsen - und sich die Art neue Lebensräume suchen musste.

Bereits 1987 wurden die ersten Brutpaare in Bayern nachgewiesen. Natürlich fühlen sich die Mittelmeermöwen an großen Seen am wohlsten. Am Chiemsee etwa lebt eine Kolonie von 300 Brutpaaren. Aber auch am Ismaninger Speichersee haben sich welche niedergelassen. Dort kann man beobachten, wie sie mit ihren Scheinangriffen die Blesshühner in Angst und Schrecken versetzen.

Aber auch mitten in München trifft man immer wieder auf Mittelmeermöwen an der Isar genauso wie am großen See an der Badenburg im Nymphenburger Schlosspark. Auf der Insel in seiner Mitte brütet sogar jedes Jahr ein Paar. Die hiesigen, zunehmend schneearmen Winter machen den Mittelmeermöwen überhaupt nichts aus, mit der Nässe und anderen Unbilden in der kalten Jahreszeit kommen sie sehr gut zurecht.

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Bergmolch (Ichthyosaura alpestris)

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Quelle: imago stock&people

Im Frühjahr, zur Paarungszeit, da sind die Bergmolch-Männchen besonders auffällig. Denn dann leuchtet ihr Rücken in einem intensiven Blau, die Flanken sind schwarz-weiß getupft und zu dem leuchtend orangefarbenen Bauch durch einen blauen Streifen abgetrennt.

Die Weibchen sind dunkelgrau-braun-grünlich marmoriert und zeigen eine etwas schwächere Zeichnung an den Flanken. Nach dem Ende der Laichzeit entwickelt der Ichthyosaura alpestris eine unscheinbarere Landtracht. Nur der Bauch ist noch orangefarben, freilich weniger intensiv als während der Paarungszeit. Der Bergmolch ist ein recht anspruchsloses Tier. Er kommt praktisch in allen Gewässern im Alpenvorland aus, egal ob es blitzsaubere Seen sind, trübe Tümpel oder Entwässerungsbecken an Autobahnen.

Von hier aus hat er sich auf Wanderschaft begeben - er schafft pro Nacht eine Distanz zwischen 30 und 50 Metern - und ist inzwischen in der Stadt angelangt. Auch dort trifft man ihn in praktisch allen Gewässern an - in Gartenteichen ebenso wie in den Seen in Parks und an der Isar. Manchmal reichen dem Bergmolch auch schon eine größere Pfütze oder tief eingegrabene, mit Wasser gefüllte Reifenspuren aus.

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Seefrosch (Pelophylax ridibundus)

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Quelle: Wikipedia

Manfred Siering erinnert sich noch sehr gut an die Zeit, in der der Seefrosch im Ballungsraum München nicht anzutreffen war. Die Art ist ursprünglich im Schwarzmeer-Raum beheimatet und vor nicht allzu langer Zeit die Donau entlang in Richtung Nordwesten gewandert. Von der Donau aus hat sie sich über die Isar nach Oberbayern und in Richtung München ausgebreitet.

Sehr geholfen haben ihr dabei die vielen Baggerseen entlang der Deggendorfer Autobahn. Inzwischen ist der Seefrosch in praktisch allen Seen rund um München zu Hause - gleich ob im Ismaninger Speichersee, in den Moosschwaiger Weihern im Münchner Westen oder anderswo. Die zumeist olivgrünen Seefrösche mit ihren markanten und an ein krächzendes Lachen erinnernden "Reck-keck-keck-keck-keck"-Rufen sind die größte heimische Wasserfrosch-Art.

Die Weibchen werden etwa sechs bis 14 Zentimeter groß, die Männchen fünf bis zehn Zentimeter. Seefrösche sind auch extrem gefräßig. Mit ihrem riesigen Maul, das sie außerdem sehr weit aufreißen können, greifen sie sogar frisch geschlüpfte Zwergtaucher an. Auch kleinere Artgenossen und sogar der eigene Froschlaich sind nicht sicher vor ihnen.

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Waldmaus (Apodemus sylvaticus)

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Quelle: Hans Hillewaert/Wikipedia

Man sieht sie überall in München: spätabends auf den S-Bahn-Gleisen unter dem Marienplatz, wo sie aufgeregt hin und her wuseln und wie der Blitz in irgendwelchen Fugen verschwinden, wenn ein Surren ankündigt, dass ein Zug einfährt. In Hausdurchgängen, wo es nachts warm bleibt. Und auf Balkonen, sogar im dritten oder vierten Stock, wenn sich der Efeu oder der wilde Wein, an dem sie emporklettern können, so weit nach oben rankt.

Bisweilen arbeitet sich die Waldmaus sogar bis unters Hausdach vor. In jedem Fall zählt sie zu den am weitesten verbreiteten Mausarten, zumindest in städtischen Gefilden. Mit ihren vergleichsweise großen Ohren und dunklen Knopfaugen sind die nachtaktiven Tierchen sehr possierlich anzusehen. Und sie sind das Paradebeispiel für eine Art, die ihren Lebensraum extrem ausgeweitet hat.

Ursprünglich tatsächlich im Wald zu Hause, wie der Name besagt, findet man sie längst auch in Feldrainen, auf Brachen, an Grabenrändern und an Ufern aller möglichen Gewässer. Und eben mitten in München. Ein Grund dafür, warum sie sich ausgerechnet die Stadt als Lebensraum erkoren hat, dürfte sein, dass sie hier viel weniger Konkurrenten hat als draußen auf dem Land.

© Sz.de/mmo
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