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SZenario: Nockherberg:Lästern, sticheln, dementieren

Unter den Honoratioren, Wirten und Politikern herrscht fröhlich sarkastische Stimmung - nicht einmal Monika Hohlmeier ist beleidigt.

Von Christian Mayer

Eigentlich hätten die Herren Wildmoser bei der Salvatorprobe am Sportlertisch sitzen sollen. In trauter Runde mit Weißbier-Waldemar Hartmann, Ex-Abfahrtskönig Markus Wasmeier (rustikal in Trachtenjoppe) oder der omnipräsenten Moderatorin Uschi Dämmrich von Luttitz, eine der wenigen Damen im Saal.

Nun, da alles wegen der Verhaftung der Löwen-Bosse in heller Aufregung ist und sogar am heiligen Nockherberg neueste Nachrichten aus Stadelheim diskutiert werden, müssen die beiden Plätze noch in letzter Minute neu besetzt werden. Die Ersatzkandidaten ahnen gar nicht, warum sie plötzlich mitten im Geschehen sitzen: Herbert Bauderer, Ex-Mercedes-Niederlassungsleiter von München, und Klaus Wilhelm Gerard, Chef der Feinschmeckergilde Chaine des Rotisseurs, müssen als Lückenfüller herhalten.

Viel zu mauscheln

Grundsätzlich gibt es enorm viel zu mauscheln, zu lästern und zu dementieren beim Starkbieranstich 2004, der im neuen Paulaner-Festsaal endlich eine dauerhafte Heimat gefunden hat. Theo Waigel, zum Beispiel, muss erst mal einiges klar stellen. "Als Löwen-Boss stehe ich nicht zu Verfügung.

Ich war zehn Jahre CSU-Chef, neuneinhalb Jahre Bundesfinanzminister und bin Löwenfan seit meinen siebten Lebensjahr. Ich hab' so viel gelitten, dass mir der Herrgott das Fegefeuer ersparen wird - und den Vereinsvorsitz bei den Sechz'gern."

Ein paar Tische weiter sitzt Schauspieler Ottfried Fischer, nicht ein ganz so enger Freund der Schwarzen, die bei einer Abstimmung im Saal locker eine Vier-Fünftel-Mehrheit bekommen würden. Fischer glaubt gaaanz aufrichtig an die Unschuld des Großgastronomen und Oberlöwen K.H.W. "Der kann doch nicht so blöd sein, der weiß doch, dass man Schwarzgeld nicht übers Konto laufen lässt."

Gesundes "Unvertrauen"

Ein gesundes "Unvertrauen" hat der Bulle von Tölz übrigens in die bayerische Staatsanwaltschaft. "Die sind sehr sorgfältig und lassen gerne mal eine Festplatte von Max Strauß verschwinden." Nicht alle Anwesenden sind wie Fischer erfüllt vom Wunsch nach vorösterlicher Vergebung, insonderheit für den K.H.W. Junior.

"Das ist doch ein Strizzi, ich hab' eine Sauwut", entfährt es Helmut Röschinger von der Unternehmensgruppe Argenta. Auch Pater Anselm Bilgri, Prior von Kloster Andechs und im Nebenberuf Brauereimanager von Gottes Gnaden, hat es gerne deftig am Nockherberg. "Ich bin zwar sonst für Milde, aber nicht unter solchen Umständen - deshalb freue ich mich, wenn Barnabas kräftig zulangt."

Das tut er dann auch, der Bruder Barnabas alias Bruno Jonas. Und insgesamt herrscht, trotz der Gemeinheiten auf der Bühne, eine fröhlich-sarkastische Stimmung. Ob an den Tischen der Münchner Wirte, bei den Honoratioren und Firmenchefs, sogar am Kabinettstisch hinter dem Ehepaar Stoiber - dort wo die Staatsminister begehrlich darauf warten, oben auf der Bühne ein paar deftige Watschn abzubekommen.

Seltsamerweise klatscht das Publikum besonders an den Stellen der Rede fast euphorisch, an denen der Zwei-Drittel-Großregent Edmund Stoiber zurückgeschraubt wird.

Huber strahlt

Einer strahlt besonders: Superstaatsminister Erwin Huber, der im Singspiel als Sherpa seines Herrn Edmund agiert und von Norbert Heckner als treuer Trottel dargestellt wird. "Ich bin leidensfähig, ich bin Niederbayer, so wie die besten Sherpas", sagt Huber, als er nach dem Singspiel gemeinsam mit Heckner auf der Bühne steht.

Direkt neben Monika Hohlmeier, die gekonnt in die Kameras lächelt und betont, wie harmlos sie die Seitenhiebe auf den Strauß-Clan findet. Und die vielen Boshaftigkeiten? Die nimmt einer wie Erwin Huber glatt als Vertrauensvotum. "Nur wer hier derbleckt wird, hat's geschafft, und lernen kann man auch etwas. Der Nockherberg ist die beste pädagogische Anstalt!"

© SZ v. 12.3.2004
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