Starnberg Taucher unter Beobachtung

Weil es oft tödliche Unfälle an der Steilwand vor der Seeburg gibt, verschärfen Behöden und Polizei die Kontrollen.

Von Christian Deussing

StarnbergFast jedes Jahr gibt es an der Steilwand vor Allmannshausen im Starnberger See Tote. Jetzt will man die Taucher schärfer kontrollieren. Darauf einigten sich am Mittwochabend in einer internen Sicherheitskonferenz im Starnberger Landratsamt Vertreter von Tauchsportverbänden, Polizei, Rettungsdiensten und Wasserrechtsbehörde. An dem Runden Tisch nahmen auch ein Staatsanwalt, Berufsfischer und die Schlösser- und Seenverwaltung teil.

Hier ziehen Taucher einen Kameraden nach einem simulierten Tauchunfall aus dem Starnberger See. Bei der "Rettungsaktion" wurden die Beatmung im Wasser und die medizinische Versorgung am Ufer geübt. Foto: Treybal

(Foto: STA)

Das Revier im Starnberger See zählt bundesweit zu den beliebtesten, aber auch gefährlichsten Tauchgebieten. In dem Dorado tummeln sich an manchen Tagen bis zu 80 Sporttaucher gleichzeitig im Wasser. Immer wieder werden Sportler erwischt, die gegen die seit 2008 geltenden neuen Vorschriften für den Starnberger See verstoßen - vor allem an der "Allmannshauser Kante". Unter anderem darf nicht mehr nachts und allein getaucht werden. Überdies hat bei Anfängern ein Tauchlehrer nur für einen Schüler zuständig zu sein. Derzeit laufen laut Kreisbehörde zehn Bußgeldverfahren; es drohen Strafen zwischen fünf und 50 000 Euro.

Die Debatte am Runden Tisch sei "durchaus konstruktiv" verlaufen, sagte Starnbergs Polizeichef Norbert Reller am Donnerstag auf Anfrage der SZ. Er plädiert dafür, Tauchlehrgänge an der Steilwand generell zu verbieten. Rellers Idee, für die Wassersportler auch Tauchbojen einzuführen, um in Notfällen schneller und gezielter eingreifen zu können, fand aber erneut wenig Anklang. Das Gegenargument von Experten: Bei den vielen Leinen im Wasser könnten sich die Taucher verfangen.

Zu den Experten gehört Dieter Popel, Präsident des Bayerischen Landestauchsportverbandes (BLTV). Der Rechtsanwalt nahm ebenfalls an der Starnberger Konferenz teil; er lehnt das komplette Verbot von Taucherausbildungen an der Steilwand zwar ab - Anfänger und "Schnupperkurse" sollte es dort allerdings nicht geben. "Ein generelles Lehrgangsverbot halte ich für nicht durchsetzbar", sagt Popel zur SZ. Die Taucher seines Verbandes würden sich ohnehin diszipliniert verhalten und die Vorschriften beachten, davon sei er überzeugt.

Ein weiteres Problem sind Taucher, die im Bereich von öffentlichen Slipanlagen die Unterwasserwelt erkunden. Da kommt es zu Konflikten mit Seglern und Motorboot-Sportlern, erläutert Landratsamtssprecher Stefan Diebl. Darum überlegt die Behörde jetzt, um die Anlagen Verbotszonen zu ziehen. Öffentliche Slipanlagen an denen Bootseigener ihre Schiffe zu Wasser lassen können, befinden sich in Tutzing am Dampfersteg, an der Berger Seestraße, in Ammerland bei der Wasserwacht und in Ambach beim Buchscharner Seewirt.

Genau analysiert wurden am Mittwoch zudem die drei tödlichen Tauchunfälle an der Steilwand vom vergangenen Jahr. Hierbei war auch ein erfahrener Tauchlehrer aus Weilheim ums Leben gekommen. Ursachen waren technisches und menschliches Versagen - und in einem Fall wohl die körperliche Fitness. Seit 1994 sind in dem Revier vor der Seeburg 15 Taucher tödlich verunglückt, 35 weitere wurden schwer verletzt.