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Starnberg:Im Zeichen des Kreuzes

.Die Orden haben im Fünfseenland ihre Spuren hinterlassen. Einige Klöster spielen heute noch eine wichtige Rolle

Armin Greune

Andechs Kloster

Ihre Strahlkraft haben einige Klöster in ihrer langen Geschichte nicht verloren. Andechs zum beispiel ist weltweit bekannt. Foto: Georgine Treybal

(Foto: Georgine Treybal)

Streng geografisch gesehen liegt der Pfaffenwinkel zwar ein Stück weiter südlich, doch auch die Geschichte des Fünfseenlands ist entscheidend von Klöstern geprägt. Mit ihnen beginnt im Frühmittelalter die schriftlich dokumentierte Historie der Region. Zehn Jahrhundertelang dominierten sie Forst- und Landwirtschaft, die Orden waren fast allein zuständig für Bildung und Sozialwesen, stellten die Apotheken und Sparkassen. Noch immer sind in sieben Orten des Fünfseenlands Klöster zu finden, die ganz unterschiedliche Aufgaben erfüllen: Von heute an stellt sie die Starnberger SZ jeweils freitags in einer kleinen Serie vor.

Den Auftakt macht Bernried, das seinen Titel als eines der schönsten Dörfer Deutschlands vor allem dem Erbe der Augustiner Chorherren verdankt: Die 1000 alten Eichen, die das Dorf umgeben, gehen auf die Schweinemast der klösterlichen Ökonomie zurück. Viele Landschaften und Ortsbilder rund um den Starnberger See und den Ammersee tragen noch heute die Handschrift der früheren geistlichen Herrschaft: Schließlich waren die Klöster bis zur Säkularisation im Jahr 1803 auch die größten Grundeigentümer.

Doch überraschenderweise sind die Mehrheit der Klöster im Landkreis Starnberg und der näheren Umgebung Neugründungen des frühen 20. Jahrhunderts. Von den drei aus dem Mittelalter stammenden Ordensgemeinschaften haben nur die Benediktiner in Andechs - mit einer 50-jährigenr Unterbrechung - überlebt. Im ältesten Klosterstandort Dießen hingegen haben sich anstelle der fast 1000 Jahre residierenden Augustiner Chorherren gleich drei Schwesternorden neu angesiedelt.

Heute sind die neun christlichen Glaubens- und Lebensgemeinschaften im Fünfseenland meist aus dem Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten. Aber hinter den Mauern der Klöster offenbart sich eine erstaunliche Vielfalt geistlichen Lebens und gesellschaftlicher Funktionen: Das Spektrum reicht von der weltabgewandten Isolation der Berger Karmelitinnen über Fortbildungsstätten und Altersheime für Ordensangehörige bis zur weithin bekannten Handelsmarke: Kloster Andechs ist ein Gastronomie- und Wirtschaftsbetrieb mit Produktionsschwerpunkt auf Genussmitteln wie Bier, Schnaps und Schnupftabak - aber auch noch immer ein religiöses Zentrum, das jährlich tausende gläubige Pilger anzieht.

Die Klöster Andechs und Dießen waren auch die einflussreichsten Faktoren, die bis 1803 die Entwicklung des Fünfseenlandes bestimmten. Beide gehen auf die Grafen von Dießen und Andechs zurück, die den Grundstock für den ausgedehnten Grundbesitz der zwei Klöster legten. Die Adeligen aus Dießen gründete dort 811 in St. Georgen ein Augustiner-Chorherrenstift, dass 1132 in den Wohnsitz der Adeligen am Ort verlegt wurde, als das Geschlecht nach Andechs zog. Dort entstand 1128 die älteste Wallfahrtsstätte Bayerns, auch nachdem die Burg der Andechs-Meranier 1246 von den Wittelsbachern zerstört wurde, riss der Pilgerstrom zu den Reliquien nicht ab. Um sie zu betreuen, wurde 1454 das Kloster formell gegründet. Im Hochmittelalter herrschten Dießener Mönche über weite Teile des Fünfseenlands: Sie besaßen unter anderem drei Mühlen in Maising und waren selbst in Inning, Krailling und Traubing Grundherren. Im Übrigen reichten auch Besitz und Einfluss der Benediktiner aus Benediktbeuern und Polling weit ins Gebiet des heutigen Landkreises Starnberg. Anders als sie und die geistlichen Herren von Dießen und Andechs erlangten die Bernrieder Augustiner nie überörtliche ökonomische Bedeutung, obwohl ihr Kloster schon 1120 gegründet wurde. Am Starnberger See gerieten die Mönche zur Reformationszeit und im 30-Jährigen Krieg in große wirtschaftliche Not.

1803 aber kam für alle Ordensgemeinschaften die Enteignung und in der Folge unterlagen die Klosterbauten rasch wechselnden Veränderungen. Private Eigentümer kamen und gingen, doch im Laufe der Zeit zogen oft wieder Mönche oder Nonnen in die Gebäude ein: 1850 etwa übergab Ludwig I. das Kloster Andechs der von ihm gegründeten Abtei St. Bonifaz. 1896 bezogen die Unbeschuhten Karmelitinnen das leere Kloster Aufkirchen, das Augustinereremiten 300 Jahre zuvor gegründet hatten. In Dießen etablierte sich 1895 ein Kloster der Dominikanerinnen in ehemaligen Wirtschaftsgebäuden der Augustiner. 1917 kamen die Vinzentinerinnen hinzu, die in die früheren Konventhäuser einzogen.

Gleich ein kleines Imperium schufen die Missionsbenediktinerinnen: Nach der Trennung von den Brüdern in St. Ottilien ließen sie sich in Tutzing nieder, wo sie 1904 ein neues Kloster bauten. 1908 erwarben sie das Landgut Kerschlach und 1949 das ehemalige Bernrieder Kloster. Bis vor acht Jahren leiteten die Ordensschwestern die Tutzinger Realschule, 2007 gaben sie auch das Krankenhaus im Ort ab. Aus privater Initiative ging 1923 das Benediktinerinnen-Kloster St. Alban hervor, 1929 übernahm die Joseph-Schwesterncongregation das Landerziehungsheim Breitbrunn. Das jüngste Kloster im Fünfseenland aber ist nicht einmal katholisch: Seit 2005 haben russisch-orthodoxe Schwestern den ehemaligen Pfarrhof Buchendorf bezogen, der schon von 1910 bis 1999 den Englischen Fräulein als Kloster diente.

© SZ vom 08.03.2013
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