Doppelmord in Krailling:Tatverdächtiger mit neuem Anwalt

Der Anwalt Adam Ahmed hat schon den Mörder von Rudolph Moshammer verteidigt. Jetzt hat er einen neuen Mandanten: den mutmaßlichen Doppelmörder Thomas S., der in Krailling seine beiden Nichten aus Habgier umgebracht haben soll. Während der Mann die Tat bestreitet, laufen die Ermittlungen weiter.

Christian Deussing

Thomas S., der mutmaßliche Doppelmörder von Krailling, und sein Pflichtverteidiger Karl Peter Lachniet haben sich getrennt. Er habe sich "nicht mit den Interessen seines Mandanten solidarisieren können", sagte der 64-jährige Anwalt am Montag auf Anfrage der SZ. Denn eine "anwaltliche Distanz" sei für eine erfolgreiche Verteidigung "sinnvoll und notwendig". Ihm sei auch "nicht klar geworden", so Lachniet, was Thomas S. eigentlich wollte. Dieser sehe die Sache womöglich ganz anders, erklärte der Jurist, der seit 30 Jahren Häftlinge in Stadelheim betreut. Lachniet ergänzte, dass das psychiatrische Gutachten über den tatverdächtigen Mann sicher interessant wäre und "wohl einiges beantworten" würde. Die Trennung von seinem Mandanten - der seit dem 1. April inhaftiert ist und die Tat bestreitet - soll aber einvernehmlich gewesen sein.

Mutmaßliche Mörder von Krailling bestreitet Tatvorwurf

Wochenlang haben trauernde Menschen in Krailling Blumen vor dem Wohnhaus der beiden getöteten Mädchen niedergelegt. Der mutmaßliche Mörder von Krailling hat jetzt einen neuen Anwalt, die Tat bestreitet er weiterhin.

(Foto: dpa)

Neuer Pflichtverteidiger des 50-jährigen Familienvaters aus Peißenberg, der am 24. März seine elf- und achtjährigen Nichten in Krailling umgebracht haben soll, ist der Münchner Anwalt Adam Ahmed. Der 40-Jährige hatte unter anderem den Mörder von Modemacher Rudolph Moshammer verteidigt. Rechtsanwalt Ahmed war am Montag aber für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Die Ermittlungen in dem Kraillinger Fall dauern unterdessen noch immer an. Dabei geht die Staatsanwaltschaft weiter davon aus, dass Thomas S. den Doppelmord allein begangen hat. Darauf deuten die "tatrelevanten Spuren" an der Hantel und dem Messer. Die Rechtsmedizin habe jetzt auch die DNA-Spuren an dem von Thomas S. mitgebrachten Seil bestätigt, sagte auf Anfrage die Oberstaatsanwältin Andrea Titz.

Geprüft werde überdies weiterhin die "Hypothese", dass der Täter geplant habe, auch die Mutter der Geschwister aus Habgier in der Kraillinger Wohnung umzubringen - und diese Tat als Mitnahmesuizid zu tarnen. Denn neben der gefüllten Badewanne habe sich ein Elektrogerät befunden, so Titz. Wie berichtet, hatte der Doppelmörder in der Nacht zum 24. März die Mutter der Mädchen nicht angetroffen.

Die Aussagen der 44-jährigen Ehefrau von Thomas S. hält die Staatsanwaltschaft für glaubwürdig. Zudem habe die Frau das Alibi für ihren Mann "sehr schnell widerrufen". Bekanntlich hatte der Postbote am 24. März um 5.37 Uhr von seiner Feldafinger Dienststelle per Handy seine Frau angerufen. Die vierfache Mutter will sich scheiden lassen und bezichtigt ihren Mann als Mörder.

© SZ vom 19.07.2011/infu
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