Doppelmord in Krailling:54 Zeugen geladen

Zu dem Prozess vor dem Münchner Schwurgericht werden 54 Zeugen und neun Sachverständige geladen. Weil der dringend Tatverdächtige zu den Mordvorwürfen weiterhin schweigt, wird ein Indizienprozess erwartet.

Christian Deussing

In der Anklage gegen den mutmaßlichen Doppelmörder von Krailling geht die Münchner Staatsanwaltschaft davon aus, dass Thomas S. wegen Erbstreitigkeiten aus Habgier auch seine 41-jährige Schwägerin, die Mutter der getöteten Geschwister Sharon und Chiara, umbringen wollte. Er habe sich einen "finanziellen Vorteil aus dem Nachlass sichern wollen", sagte dazu am Freitag Oberstaatsanwältin Andrea Titz.

Zu dem Prozess vor dem Schwurgericht in München werden voraussichtlich im Februar 54 Zeugen und neun Sachverständige geladen. Weil der dringend Tatverdächtige zu den Mordvorwürfen weiterhin schweigt, wird ein Indizienprozess erwartet. Angesetzt seien acht bis zehn Verhandlungstage, sagte der Vorsitzende Richter Ralph Alt, der auch den Demjanjuk-Prozess geleitet hatte. Bei dem Kraillinger Fall - der wegen seiner besonderen Brutalität viel Wut ausgelöst hatte - werden nach Angaben des Richters ähnlich strenge Einlasskontrollen gelten wie im Demjanjuk-Prozess.

Die Ermittlungen hatten unter anderem ergeben, dass sich der 50-jährige Familienvater Thomas S. in "massiven finanziellen Schwierigkeiten" befunden habe. Einer der Auslöser der Tat könne daher die drohende Zwangsversteigerung seines Hauses in Peißenberg und "seine finanziell aussichtslose Lage" gewesen sein, sagte Oberstaatsanwältin Titz auf Anfrage der SZ. Es gebe zudem keine Hinweise darauf, dass der tatverdächtige Mann "vermindert schuldfähig" sei. Der Postbote ist in Untersuchungshaft psychiatrisch untersucht worden. Neben den relevanten DNS- Spuren dürfte auch dieses Gutachten im Prozess eine wichtige Rolle spielen.

Wie berichtet, waren am Kraillinger Tatort und an den Mordopfern "genetische Fingerabdrücke" wie Speichel, Hautpartikel und Blut gefunden worden. Zumindest eines der Mädchen soll sich dem Vernehmen nach noch heftig gegen den Onkel aus Peißenberg gewehrt haben. Trotz einer Plakataktion mit Fotos von Thomas S. und dessen Auto ist bislang nicht eindeutig geklärt, auf welche Weise der Täter nach Krailling gekommen und wieder verschwunden war. Auch blutige Kleidung des Verdächtigen wurde offenbar nicht gefunden. Der Verteidiger von Thomas S. wird versuchen, auf Lücken in der Indizienkette hinzuweisen.

© SZ vom 03.09.2011/wib
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