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So wird's gemacht:Das neue Geld

Große Pläne mit kleiner Münze: In 19 Regionen gibt es den ,,Regio'' bereits: Was er kostet und wie er funktioniert.

Es gibt zurzeit 19 Regionalwährungen in der Bundesrepublik, der Großteil davon hat sich im süddeutschen Raum etabliert. 30 weitere sind im Planungsstadium.

So sieht es aus, das neue Geld.

(Foto: Foto: Haas)

Die Stadt München und das Allgäu werden zum 1. Januar ihren eigenen ,,Regio'' bekommen - in enger Anlehnung an den Regio im Oberland, der seit 1. Januar 2005 im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen im Umlauf ist. Allen Regionalwährungen ist eines gemein: Sie wollen naturgemäß nicht den Euro ersetzen, sondern eine Ergänzung schaffen.

Oberstes Ziel ist es, einen eigenen Geld- und Wirtschaftskreislauf entstehen zu lassen. Mit Regio kann der Kunde nur in Geschäften, Dienstleistungsbetrieben, Gasthäusern oder Arztpraxen zahlen, die dem jeweiligen Verein oder der Genossenschaft beigetreten sind.

Im Oberland ist dies ,,Oberland Regional - Verein für nachhaltige Wirtschaftskreisläufe'', in München heißt das Pendant ,,Das Verbindungswerk''. Das Wichtigste über den Regio:

Wo bekommt man den Regio?

Erst einmal beim jeweiligen Verein, also dem Träger der Regionalwährung. Er wird 1:1 zum Euro getauscht. Es gibt zudem Ausgabestellen in Firmen oder Banken, die sich dazu bereiterklären.

Wie sicher ist die Währung?

Die Scheine (im Umlauf sind 5er, 10er und 20er) werden in einer Druckerei im Allgäu auf Sicherheitspapier gefertigt. Sie sind nur mit Stempel und Unterschrift gültig. Nach einem Jahr werden sie ausgetauscht. Der Anreiz für Fälscher dürfte schon wegen der begrenzten Einsetzbarkeit gering sein.

Kann man den Regio zurücktauschen?

Ja, in der Regel aber nur bei dem Trägerverein. Außerdem verliert man fünf Prozent des ursprünglichen Wertes, bei 100 einmal getauschten Euro sind fünf weg. Drei Euro werden gemeinnützigen Zwecken zugeführt, zwei werden für den Verwaltungsaufwand verwendet. Die Rücktauschgebühr soll als Hürde dienen, auch beim Regio zu bleiben.

Bekommt man Zinsen auf den Regio? Nein. Der Regio bricht mit dem Zins- und Zinseszins-System, weil hierin der Quell für immer größere Reich-Arm-Gegensätze gesehen wird. Geld, so die Philosophie, kann man nicht ,,arbeiten lassen''. Es ist ein reines Zahlungsmittel.

Was hat es mit den Wertmarken auf sich?

Wertmarken (die zugleich das Kleingeld darstellen) müssen vierteljährlich auf den Regio geklebt werden, damit der jeweilige Schein gültig bleibt. Bei fünf Regio fallen 0,10 Regio an, bei zehn 0,25 Cent, bei zwanzig 0,50 Regio. Damit, so das Kalkül, bleibt die Währung am Zirkulieren.

Wer sie zu lange in der Tasche trägt, muss eben einen kleinen Obolus leisten. Der ,,Mehrwert'' fließt an soziale Projekte in der Region. Rolf Merten, der Begründer des ,,Regio im Oberland'', erklärt das System folgendermaßen: ,,Geld ist die einzige Ware, die durch Sammeln mehr wird. Ein Apfel fault, wenn er länger herumliegt.''

Sparen kann man Regios schon, sofern eine Bank als Partner gefunden wird. Er behält dann seinen Wert, anders als im Geldbeutel.

Wie sieht es mit Krediten aus?

Grundsätzlich sollen Kredite für Investitionen in der Region gewährt werden - und zwar zinslos. Berechnet wird nur eine Bearbeitungsgebühr von zwei bis drei Prozent. Es fällt ja auch Arbeit an.

Machen auch Banken mit?

Ja. Im Chiemgau in Rosenheim sind örtliche Sparkassen und Raiffeisenbanken sowie die ethisch-ökologische GLS Bank Partner. Dort werden sogar extra Konten angeboten, die nach den Prinzipien der Regionalwährung ,,Chiemgauer'' verwaltet werden. Auch im Oberland machen schon zwei Raiffeisenbanken als Ausgabestellen für den Regio mit. In München laufen erste Gespräche.

Gilt der Regio auch anderswo?

Die Chiemgauer akzeptieren den Sterntaler aus dem Berchtesgadener Land und umgekehrt. Der Regio in München wird auch im Oberland gelten. Dennoch wirbt jede Region erst einmal für ihre eigene Währung - man will ja die Kaufkraft dort halten.

© SZ vom 19.12.2066
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