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Seine Heiligkeit und Ich:"Der Dalai Lama isst Würstchen"

Manuel Bauer ist Schweizer. Vielleicht ist das Vorurteil von der Langsamkeit der Schweizer genau der Vorteil, der Bauer in die Position gebracht hat, in der er jetzt ist und vor Zufriedenheit strahlt: der Hof-Fotograf des 14. Dalai Lama.

Immer lächeln

Schließlich geht es auch dem tibetanischen Mönch, der von seinen Anhängern für einen Gott und vom großen Teilen der Welt für eine überaus friedliche und ausgeglichene Lichtgestalt gehalten wird, ums Innehalten. Um die Ruhe. Und um das Trösten jeglichen Leids, unter anderem mittels Lächeln.

Der Dalai Lama reist meist um die Welt. Manuel Bauer reist mit. Der Dalai Lama spricht mit anderen Friedensnobelpreisträgern. Bauer ist dabei. Der Dalai Lama frühstückt, lädt Bauer dazu ein - doch dieser lehnt ab. In letzter Zeit immer öfter.

"Weil mein Respekt vor seiner Heiligkeit immer größer wird", erklärt Bauer. Wie unendlich groß der Respekt ist, das konnte man auf der Buchvorstellung von Manuel Bauer im Völkerkundemuseum in München spüren. Die Tibet-Initiative hatte eingeladen, um den neuen Fotoband des Mannes vorzustellen, der dem Dalai Lama näher kommen darf als alle anderen.

"Jetzt komme ich groß raus"

Bauer war ursprünglich Werbefotograf. "Ich habe unzählige Jahre damit verbracht, Dinge ins rechte Licht zu rücken und zu verkaufen, die ich selbst nie kaufen würde", erzählt er. "Irgendwann fing ich an, am Abend Flugblätter zu verteilen gegen diese Dinge."

Unzufrieden mit einem Job, der ihn nicht ausfüllte, wechselte er in den Fotojournalismus. Aufträge führten ihn nach Indien und nach Tibet.

Das Leid und das Schicksal des tibetischen Volkes rührten ihn so sehr, dass er begann, Fotoserien zu veröffentlichen und sich mit dem Dalai Lama zu beschäftigen.

Bei seiner Ausstellung in der Universität Linz war es dann soweit: Der Dalai Lama reiste zur Eröffnung an. "Ich dachte schon, das ist mein großer Tag, jetzt komme ich groß raus."

Niemand darf ihn so ansprechen

Es gab eine Bombendrohung. Bevor der Dalai Lama auch nur ein einziges Wort zu seinen Anhängern sprechen konnte, mussten alle evakuiert werden. Vor der verschlossenen Tür eines Notausgangs machte Bauer, der damals das Protokoll noch nicht kannte, aus der Not einen Witz.

Der Dalai Lama sei doch ein Gott, sagte er, also könne er ja wie ein Vögelchen einfach aus dem Fenster fliegen. Niemand darf seine Heiligkeit so von der Seite ansprechen. Das verbietet das Hofprotokoll.