Saskia Diez:Die mit den Perlenohrringen

Lesezeit: 4 min

Mit Schere, Stein, Papier: Saskia Diez, Schmuckdesignerin aus dem Glockenbachviertel, erobert internationale Laufstege. Ein Portrait.

Stephanie Höll

Es war die Chance ihres Lebens: Ein Badezimmer, darin ein Waschbecken, dessen Rand drei bronzene Armbänder zierten. Als Saskia Diez 2006 auf der Möbelmesse in Köln die Installation "Ideal House" ihres Mannes Stefan Diez, dem Shootingstar des deutschen Designs, mit ihren Schmuckstücken dekorierte, ahnte sie nicht, welche Kettenreaktion sie damit auslösen würde. Ein Kunde aus New York entdeckte die Einzelstücke und bestellte eine größere Menge der bis dato nur als Prototypen existierenden Armbänder. Die überraschte Saskia Diez ließ die Einzelstücke erstmals in Serie nachproduzieren - ihre erste Kollektion war geboren. Heute, drei Jahre später, betreibt sie ihr eigenes kleines Label - mit Erfolg.

Saskia Diez: Saskia Diez steht in ihrem Showroom im Münchner Glockenbachviertel. Das edle Eckmöbel hat sie zusammen mit ihrem Mann Stefan Diez entworfen. Darin befinden sich alle neun Kollektionen ihres Labels.

Saskia Diez steht in ihrem Showroom im Münchner Glockenbachviertel. Das edle Eckmöbel hat sie zusammen mit ihrem Mann Stefan Diez entworfen. Darin befinden sich alle neun Kollektionen ihres Labels.

(Foto: Foto: Annette Kulp)

Frei von saisonalen Modeerscheinungen

Die 32-Jährige entwirft Schmuckstücke, die sich durch ihre einfache Form auszeichnen. Sie sollen nicht modisch, aber dafür zeitlos elegant sein: "Meine Stücke sollen nicht an saisonale Modeerscheinungen gebunden sein sondern ihre Trägerin länger begleiten", erklärt die Designerin und deutet auf eine von 60 Schubladen des massiven braunen Holzmöbels, das in ihrem Showroom im Münchner Glockenbackviertel steht. Darin sind bunte, glänzende Ketten, Armbänder und Ohrringe aus Holzperlen in verschiedenen Größen drapiert: Ihre neue Kollektion, die sie in diesem Frühjahr unter dem Namen "Wood" auf den Fashion-Weeks in Berlin und Paris vorgestellt hat.

Die mehrfach polierten und in verschiedenen Farben lackierten Perlen erinnern, je nach Lackierung, an knallbunte Kaugummis. Von billigen Modeschmuck-Materialien wie falschen Edelsteinen oder unechtem Gold möchte Diez aber nichts wissen. Die Künstlerin legt großen Wert auf die Authenthizität ihrer Materialien - und das unabhängig davon, ob sie teuer sind oder nicht. Dazu gehört Holz genauso wie Glas, Gold, Onyx - und echtes Mammut-Elfenbein. "Es geht bei meinen Schmuckstücken nicht darum, zu zeigen, wieviel Geld man hat, indem man einen teuren Diamanten trägt." Im besten Fall soll man damit einfach nur gut aussehen, erläutert die Designerin den Anspruch an ihre Arbeit.

Blitzkarriere dank Bronzeguss Saskia Diez absolvierte eine Ausbildung zur Goldschmiedin und studierte anschließend Industrie-Design an der Fachhochschule in München. Dann folgten Designer-Tätigkeiten bei renommierten Namen wie Rosenthal, Christian Haas und Konstantin Grcic. Noch während des Studiums nahm sie 2005 bei einem Design-Wettbewerb von Volvo zum Thema "Frauen und Sport" teil. Hierfür produzierte sie Armbänder aus einer schweren Bleilegierung. "Die waren als Schmuck gedacht, der gleichzeitig einen Trainingseffekt haben sollte." Volvo gefiel die Idee, der Konzern schickte die Stücke auf eine Wanderausstellung, weshalb sie kurz vor der Abschlussausstellung ihres Studium nichts mehr hatte, was sie ausstellen konnte. Daher ließ sie die Werke kurzfristig in Bronze nachgießen. "Die etwas kleineren Bronzeteile haben sich mehr in Richtung tragbarer Schmuck entwickelt - und sie sind schön gewesen."

So schön, dass sie mit diesen Prototypen auf der Möbelmesse in Köln 2006 entdeckt wurde und daraus ihre erste Kollektion "Diamonds" produzierte. Der Clou an den "Diamonds"-Armbändern liegt in der Zweckentfremdung des normalwerweise für Edelsteine verwendeten Schliffs: Diamant-, Smaragd- und Saphirschliff, in Bronze oder Glas gegossen und mit Gold oder Silber überzogen. "Ich mache das jetzt seit 2006 und es war als Label gar nicht geplant. Ich dachte, ich werde jetzt ganz normal Industriedesignerin und habe halt mal so einen Schmuck gemacht. Aber dann hat es mit der Zeit immer mehr zugenommen", erklärt Diez ihren unerwarteten Karriereverlauf. Zwischen 50 und 300 Euro kosten ihre Stücke, die man entweder direkt im Laden oder in einem ihrer Online-Shops beziehen kann.

Lesen Sie weiter auf Seite zwei: Wo Saskia Diez an ihrem Schmuck bastelt.

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