bedeckt München 23°

Internationales Restaurant Maxvorstadt "Salt":Bitte locker bleiben

Die Kombination von Anspruch und Lässigkeit - das ist, was das Salt am Rundfunkplatz auszeichnet. Nicht nur die Einrichtung, auch das ausgeklügelte Essen macht Spaß.

Dieser Text ist leider veraltet, das Restaurant gibt es inzwischen nicht mehr.

Salt

Hohes Niveau, aber bitte locker bleiben - das ist das Credo des Salt am Rundfunkplatz.

(Foto: Foto: Alessandra Schellnegger)

Salz ist rein, weiß, natürlich, und bei einem Lokal gleichen Namens kann leicht die Vorstellung aufkommen, dort werde schlicht, ohne große kulinarische Abenteuerlust gekocht. Dass es sich beim Restaurant Salt am Rundfunkplatz anders verhält, ist schon an der verdrehten Schreibweise zu erkennen. Zweifach spiegelverkehrt fügen sich die vier Buchstaben zu einem fremdländisch anmutenden Schriftzeichen - es gibt Gäste, die beim ersten Besuch einen Augenblick orientierungslos auf dem Platz an der Marsstraße standen, bis sie die leuchtende Arabeske als das gesuchte Schild identifizierten.

Die Mitarbeiter von Bayerischem Rundfunk (vis-à-vis) und Abendzeitung (nebenan) dürften den Eingang gut kennen, jedenfalls ist die Dichte an Medienleuten in dem lichten Gastraum recht hoch. Das erschwingliche Mittagsmenü wird anscheinend gern als gelegentliche Alternative zur Kantine genutzt. Richtig zur Geltung kommt das Salt abends, wenn die Betreiber ihr Konzept einer beiläufig daherkommenden Eleganz in Szene setzen. Das geschieht vielleicht etwas zu angestrengt, die Kombination von Anspruch und Lässigkeit fällt hierzulande, ob im gastronomischen Gebiet oder anderswo, nun mal oft schwer.

Es sind im Salt also die Stoffservietten aus feinem Tuch, die Kellner beringt, gepierct, angetan mit Jeans und Trainingsjacken, die Mäntel der Gäste leger neben im Regal für die Weingläser verstaut, doch die Bestecke von schwerer französischer Designerqualität. Hohes Niveau, aber bitte unbedingt locker bleiben - dieses Credo wird arg bemüht an den Gast gebracht. Man beginnt sich trotzdem rasch wohlzufühlen, zumal oben auf der Galerie, wo das Licht angenehm indirekt auf die matt polierten Holztische fällt.

Erfreuliches für den Gaumen

Außerdem macht das Essen Spaß im Salt. Schlicht und pur wie Salz war hier nichts, nimmt man das feine Olivenöl aus und die haferflockengroßen Kräutersalzchips, die zusammen mit zweierlei Brot und einer Aufstrichpaste als Amuse bouche auf den Tisch kamen. Aber dann wurde es, von der Vorspeise bis zum Dessert, ausgeklügelt. Süß, pikant, scharf und sauer kreuz und quer gemixt, allerlei Aufgeschlagenes, Geschichtetes - die Anklänge an die herrschende Modeküche mit ihrer Passion für Schäume, Gelees und überraschende Verbindungen waren unverkennbar.

Ob man das nun affektiert finden mag oder avantgardistisch, ist Ansichtssache. Für den Gaumen kam jedenfalls einiges Erfreuliche zustande. Zum Beispiel die gebratenen Oliven-Semmelknödel mit Avocadocreme und Rucola (7,50 Euro). Auf der quadratischen Porzellanplatte lagen zwei luftige Pflanzerl, kleinfingerdicke Cremestreifen rahmten über Eck den Salat ein, allerdings keine Rucola. Die Küche hatte kurzerhand auf Feldsalat umgestellt und es versäumt, das den Gästen mitzuteilen. Wir fanden die Kombination dennoch gelungen, weil die Oliven in den Knödeln nicht penetrant hervorschmeckten und die grüne Paste eine pikante Note beisteuerte.