Pflegeheime Ärztliche Versorgung ist miserabel

Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) gerät bezüglich der ärztlichen Versorgung von Patienten in Pflegeheimen unter Druck.

Von Sven Loerzer

Nach einem entsprechenden Bericht der SZ monierte nun die bayerische Sozialministerin Christa Stewens (CSU), die geriatrische Versorgung in den Heimen müsse dringend verbessert werden.uch der AOK-Vorstandsvorsitzende Helmut Platzer äußerte heftige Kritik: "Es gibt keine adäquaten Strategien für die ärztliche Versorgung in der Pflege. Der ärztliche Dienst im Pflegeheim ist unterentwickelt."

Die ärztliche Versorgung in Pflegeheimen soll verbessert werden

(Foto: Foto: dpa)

Sowohl die Vorbereitung der Ärzte auf als diese Klientel als auch die Bereitschaft sich, dafür zu interessieren, seien unterentwickelt, warnte Platzer weiter. Das Praxisverbund-Projekt zur Verbesserung der medizinischen Versorgung von Patienten im Pflegeheim hatte die KVB mehrmals großspurig als Modellvorhaben angekündigt. Doch nach dem Ende des Projektjahres ist es sang- und klanglos untergegangen.

Die beteiligten Ärzte haben schließlich aufgegeben, weil durch den neuen von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung entwickelten Bewertungsmaßstab statt eines Hausbesuchs (bisher 51 Euro) nur noch eine Visite (18,75 Euro) abgerechnet werden kann. Nun muss wieder der ärztliche Notdienst für die schwerst- und mehrfachkranken alten Menschen geholt werden, was ein Vielfaches kostet. Oft werden die Bewohner dann von diesem Arzt, der ihre Krankheitsvorgeschichte nicht kennt, ins Krankenhaus eingewiesen: "Gerade für die verwirrten alten Menschen ist das außerordentlich belastend", sagt Münchenstift-Chef Gerd Peter.

Stewens zeigte sich vom Plan der KVB, im nächsten Jahr zwei neue Projekte zu starten, nicht befriedigt. Sie riet der Kassenärztlichen Vereinigung, den Bewertungsmaßstab für die ärztlichen Leistungen "noch einmal neu auszutarieren", um den Besuch im Pflegeheim angemessen zu honorieren.

"Zynisch und bösartig"

Der sozialpolitische Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, der Münchner Abgeordnete Joachim Unterländer, bedauerte das Scheitern des Praxisverbunds. Er fordert, dass in größeren Heimen ein Arzt als fester Ansprechpartner zur Verfügung steht. "Es kann nicht sein, dass die wichtige und spezifische Behandlung von Menschen in stationären Pflegeinrichtungen schlechter honoriert wird als andere ärztliche Leistungen", mahnte Unterländer eine schnelle Korrektur des Vergütungssystems und der rechtlichen Rahmenbedingungen an.

"Man könnte Depressionen kriegen, wenn man immer wieder von vorne anfängt", sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der Rathaus-CSU, Eva Caim. Die Stadträtin sprach sich dafür aus, zu prüfen, ob die Finanzierung nicht über die integrierte Versorgung gelöst werden kann. Die alten Menschen könne man nicht auf weitere Modelle warten lassen, das sei "zynisch und bösartig".

AOK-Sprecher Michael Leonhart erinnerte die Kassenärztliche Vereinigung daran, dass sie die ärztliche Versorgung für die gesamte Bevölkerung sicherzustellen habe: "Dafür zahlen wir an die KVB eine Gesamtvergütung - die Verteilung übernimmt die KVB." Leonhart appellierte an die Ärzte, sich mit Pflegeheimen zusammenzutun und ein Konzept für die integrierte Versorgung zu entwickeln: "Da können die Kassen dann noch etwas drauflegen."