Nachfolge für Kardinal Friedrich Wetter Der ideale Bischof

Die Kandidatensuche könnte schwierig werden. Es gibt nämlich noch keinen Favoriten.

Von Matthias Drobinski

Wer wird der neue Erzbischof von München und Freising? Das ist für das gesamte katholische Deutschland bedeutend. Der Münchner Erzbischof ist automatisch der Vorsitzende der Freisinger Bischofskonferenz, der Versammlung der bayerischen Bischöfe. Und traditionellerweise wechseln sich der Münchner und der Kölner Erzbischof im Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz ab - der Mainzer Kardinal Lehmann ist da eine Ausnahme. Oft waren die Münchner Kardinäle prägende Gestalten für den deutschen Katholizismus: Michael Faulhaber, Julius Döpfner, Joseph Ratzinger.

Wer in München Bischof wird, ist noch schwerer vorherzusagen als für andere deutsche Diözesen. Das liegt am bayerischen Konkordat von 1924. Ihm zufolge darf der Papst die bayerischen Bischöfe frei aus den Kandidatenlisten wählen, die der Papstbotschafter und - alle drei Jahre - die Domkapitel der bayerischen Bistümer nach Rom schicken. Nur die Staatsregierung kann einen unliebsamen Bischof durch ein Veto verhindern; es soll damit schon gedroht worden sein, offen einer Ernennung widersprochen hat die Staatsregierung aber noch nie.

So wird die Entscheidung Ende 2007 oder Anfang 2008 in Rom fallen, und den Deutschen bleibt das fröhliche Kandidatenraten. Bambergs Erzbischof Ludwig Schick? Der einstige Weihbischof von Johannes Dyba wird am häufigsten genannt, weil er sein Bistum ordentlich leitet, theologisch als konservativ gilt, aber umgänglich ist - doch Favorit zu sein ist ein Nachteil in einer Kirche, die Demut schätzt.

Fragebogen vom Nuntius

Regensburgs Hardliner Gerhard Ludwig Müller? Der dürfte nach den Konflikten im Bistum kein ernsthafter Anwärter sein, aber wer weiß? Münchens Weihbischof Bernhard Haßlberger? Ist im Bistum sehr beliebt, was aber im Vatikan zu Stirnrunzeln führt. Erzbischof Paul Josef Cordes aus Rom? Schlägt sich gut als päpstlicher Sozialminister, gilt aber als sehr konservativ.

Oder Benediktiner-Erzabt Notker Wolf? Triers Bischof Reinhard Marx? Für alle ließen sich Gründe und Gegengründe finden, was letztlich zeigt: Es gibt keinen echten Favoriten und nur wenige Talente im deutschen Katholizismus, denen man zutrauen kann, die Kirche in der Millionenstadt München wie im katholischen Oberland zu vertreten, für die treuen Kirchgänger da zu sein und für die Sinnsucher am Rande der Institution.

Wird ein Bischof gesucht, verschickt Nuntius Erwin Josef Ender einen Fragebogen. Dort sieht man, wie die Kurie sich den idealen Bischof vorstellt. Gesund soll er sein und sich durch "überzeugte und treue Anhänglichkeit an die Lehre und das Lehramt der Kirche" auszeichnen - besonders, wenn es um das "Priesteramt, die Priesterweihe von Frauen, die Ehe und Familie, die Sexualität und die soziale Gerechtigkeit" geht.

Die "tägliche Feier der Eucharistie und des Stundengebetes" ist wichtig, auch "marianische Frömmigkeit", die "Förderung der Menschenrechte", eine "väterliche Haltung" sowie "Tüchtigkeit in der Verwaltung". Er muss mindestens 36 Jahre alt, promoviert und fünf Jahre Priester sein.

So einer also soll Münchner Erzbischof werden.