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Mordfälle Ursula Herrmann und Charlotte Böhringer:Das Geheimnis von Spur J73.03.3

Für diese Spurenidentität gibt es bis heute keine Erklärung, dafür aber viele Mutmaßungen. Eine mögliche Erklärung: Der Mörder von Ursula Herrmann war 25 Jahre nach seiner Tat auch in Böhringers Wohnung. So unwahrscheinlich diese Option ist, so kann sie doch nicht ausgeschlossen werden. Für die Verteidiger bietet die Spur daher bis heute jedenfalls Anlass genug, die gesamte Anklage der Staatsanwaltschaft in Frage zu stellen.

Was aber, wenn den Spurenermittlern schlicht ein Fehler unterlaufen war?

Immerhin reicht heute schon ein Husten aus, um einen Gegenstand zu kontaminieren und an ihm eine DNS-Sequenz zu hinterlassen. Im Verlauf des Prozesses mussten hunderte Personen eine Speichelprobe abgeben, darunter auch all jene, die zu irgendeinem Zeitpunkt mit den beiden Mordfällen Böhringer und Herrmann zu tun hatten. Das Ergebnis war negativ. Deshalb wurde auch bald das Gerücht kolportiert, ein gemobbter Kriminalbeamter habe absichtlich die Spuren kontaminiert, um sich zu rächen. Belegt werden konnte diese Fama aber nie (siehe Kasten unten).

Nach Hunderten von Speichelproben teilten die Richter den Verteidigern zuletzt mit, dass sich aus ihrer Sicht kein Zusammenhang zwischen den beiden Mordfällen herstellen lasse und weitere DNS-Tests nicht mehr erforderlich seien. Die Verteidiger warfen ihnen daraufhin Befangenheit vor.

Im Zuge der Tests hatten auch etwa 30 Personen eine Speichelprobe abgeben müssen, die zum Kreis der Verdächtigen im Mordfall Herrmann gehören. Unter diesen war auch der jetzt in Kappeln (Schleswig-Holstein) festgenommene Monteur Werner M., 58. Seine DNS stimmt aber nachweislich nicht mit der Spur "J73.03.3" überein. Damit ist ausgeschlossen, dass er in Böhringers Wohnung war. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung lässt sich auch das DNS-Muster von zwei Mitbeschuldigten nicht der Spur im Fall Böhringer zuordnen. Bei den beiden soll es sich auch nur um Männer handeln, die dem Hauptverdächtigen ein Alibi gaben.

Für die Verteidiger hat die Spur weiterhin Bedeutung

Ein dritter Beschuldigter, ein Gemeindearbeiter aus Eching, soll 1992 verstorben sein. Damit fällt auch er als Spurenverursacher im Fall Böhringer aus. Nach wie vor unklar ist aber, ob es sich bei Werner M. um einen Einzeltäter handelt. Sollte es noch unbekannte Mittäter geben, die niemals eine Speichelprobe abgeben mussten, bleibt die theoretische Möglichkeit, dass sie etwas mit dem Mordfall Böhringer zu tun haben.

Die Verteidiger Witting und Mittelbach beharren trotzdem darauf, dass "die Spur für uns weiter ihre Bedeutung hat". Die Anwälte mussten sich in der Vergangenheit nicht nur durch die Vielzahl der Böhringer-Akten kämpfen, sondern gleichzeitig auch noch die 55 Haupt- und 259 Spurenakten zum Fall "Ursula Herrmann" durchforsten. Möglicherweise war diese Arbeit nun vergeblich.

Am Freitag fragte Verteidiger Witting bei Staatsanwalt Martin Kronester nach, ob er "weitere Erkenntnisse" zu der aktuellen Festnahme habe. Kronester musste passen: "Ich weiß gar nichts darüber." Es sei ja hinlänglich bekannt, dass die zuständige Augsburger Staatsanwaltschaft den Fall als "geheim" behandele. Letztlich wird damit immer wahrscheinlicher, dass die Herkunft der Spur "J73.03.3." niemals mehr aufgeklärt werden wird.