bedeckt München 29°

Modetrend Lolita:Prinzessin für besondere Tage

Es geht nicht um Sex, sondern um Mode: Jara ist bekennende Lolita. Bei Fantreffen in München erklärt sie den Trend.

Stephanie Peters

Die Petticoats schwingen, die Locken wippen spielerisch bei jedem Schritt, der Schmuck klimpert. Die kleine Gruppe junger Frauen fällt auf, hier im Nymphenburger Schlosspark. Passanten bleiben immer wieder stehen, machen heimlich Fotos. Tuscheln. Manche lachen. Manche sind so neugierig und fragen, welche Gründe es für ihr Aussehen gibt. Die Antwort ist einfach. "Wir sind Lolitas", sagen sie.

Jugendseite

Lolitas tragen Kleider, die an viktorianische Kindermode erinnern: mit all ihren Rüschen, der edlen Spitze, den Schleifen, knielangen Röcken, hochgeschlossenen Blusen und Kniestrümpfen.

(Foto: Wolfgang Stefani)

Lolitas? Etwa die Lolitas aus Nabokovs' gleichnamigen Roman? Jene Kindfrauen, die mit ihren sexuellen Reizen spielen? Jara Hartl, 17, im eleganten schwarzen Samtkleid, weiß es besser: "Mit dem Roman hat die Modeszene nichts zu tun. Und schon gar nicht geht es um Sex. Es ist einfach Mode." Nicht mehr, nicht weniger. Mode aus Japan.

Dort, wo alles Niedliche beliebt ist und bis zur Übertreibung zelebriert wird, fand die Lolita-Mode in den 1970er Jahren ihren Anfang. Die Lolitas tragen Kleider, die an viktorianische Kindermode erinnern: mit all ihren Rüschen, der edlen Spitze, den Schleifen, knielangen Röcken, hochgeschlossenen Blusen und Kniestrümpfen. Anfang 2000 kam der Manga-Boom - und damit auch immer mehr japanische Jugendkultur nach Deutschland. So auch die Lolitas.

Eine von ihnen ist Jara. Die 17-Jährige aus Maisach organisiert das regelmäßig stattfindende Lolita-Treffen in München. Der persönliche Austausch ist wichtig, denn eine "echte Lolita" zu sein, sei nicht einfach, weiß Jara: "Es gibt viele Richtlinien zu beachten, um die Mode perfekt umzusetzen. Ein paar Beispiele? Die Röcke sollten knielang sein, ein Petticoat ist unerlässlich und Kniestrümpfe und eine schöne Frisur sind ein Muss!"

Natürlich, im Internet finden sich eine Vielzahl von Tipps - aber wie das alles im richtigen Leben umzusetzen ist, erfährt man nur bei den Treffen. Zum Beispiel bekommt man Antworten auf die Frage, wie man an Lolita-Kleidung herankommt. In Japan gibt es viele Marken-Shops, die sich nur darauf spezialisiert haben, Lolitas einzukleiden. Einige der Shops verschicken sogar nach Deutschland, so dass sich viele der deutschen Lolitas in original japanischer Kleidung zeigen können.

Jara hat selbst einen Großteil ihrer Lolita-Garderobe direkt aus Japan. Die Marken haben zuckersüße Namen wie "Baby the stars shines bright", "Angelic Pretty" oder "Victorian Maiden". Da die Kollektionen in kleinen oder limitierten Auflagen erscheinen, sind Preise für ein Kleid bis zu 300 Euro keine Seltenheit. Selbst ein Paar Kniestrümpfe kostet so schnell mal 40 Euro. Viel Geld für Schülerinnen - "manchmal nähe ich auch ein paar Kleinigkeiten selbst", sagt Jara.

Nähen ist generell eine günstige Alternative zur japanischen Designer-Kleidung geworden, vor allem weil man damit eigene Idee umsetzen oder auch passend in seiner Größe arbeiten kann, denn nicht jeder passt in die Klamotten, die für schmale japanische Frauen entworfen wurden.

Doch die Lolita-Mode ist nichts, was jeden Tag in der Schule angezogen wird. Lolita, das ist Mode für besondere Tage. Für Momente, in denen junge Frauen hübsch sein möchten, ein bisschen wie eine kleine Prinzessin. "Lolita ist für mich die modische, visuelle Umsetzung von Gefühlen und Träumen, die schlecht in Worte gefasst werden können", sagt Jara. Es sei eine Art Schönheit, die "moderne Kleidung einfach in dem Maße nicht bieten kann."

Die Lolita-Mode verbindet zahlreiche Stile in sich: von klassisch elegant, über düster-punkig hin zu zuckersüß. Die breit gefächerte Möglichkeit der verschiedenen Lolita-Stile ist nur ein kleiner Bruchteil von der Vielfältigkeit dieser Szene. Vielleicht auch ein Grund, warum so viele unterschiedliche Menschen in ihrer Freizeit Lolita sind, die Auszubildende genauso wie die Beamtin. Es ist wie eine zweite Identität - von der andere nur selten etwas wissen.

Weitere Texte junger Autoren unter www.sz-jugendseite.de.

© SZ vom 05.07.2010
Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB