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Münchner Olympia-Bewerbung:Bogner zieht sich als Cheforganisator zurück

Schwerer Rückschlag für die Münchner Olympia-Pläne für 2018: Willy Bogner gibt seinen Posten als Vorsitzender der Bewerbungsgesellschaft aus gesundheitlichen Gründen ab. Ein Nachfolger steht schon bereit.

Willy Bogner hat die Bewerbungsgesellschaft München 2018 auf Anraten seiner Ärzte gebeten, ihn aus gesundheitlichen Gründen ab sofort von seiner Funktion als Vorsitzender der Geschäftsführung zu entbinden. Die Gesellschafterversammlung hat bei einer kurzfristig einberufenen Telefonkonferenz diesem Wunsch einstimmig entsprochen.

Willy Bogner

Zieht sich aus gesundheitlichen Gründen aus der Leitung der Münchener Bewerbungsgesellschaft für die Olympischen Winterspiele 2018 zurück: Willy Bogner.

(Foto: dpa)

"Meine Erkrankung ist doch ernster als angenommen", erklärte der 68-Jährige. Als Nachfolger des Mode-Unternehmers wurde Bernhard Schwank, der bei den Winterspielen in Vancouver als deutscher Chef de Mission agiert hatte, zum neuen Chef der deutschen Bewerbung um das Milliarden-Projekt ernannt.

Der Schritt Bogners war seit vergangener Woche erwartet worden, als er die Öffentlichkeit überraschend über eine Darmerkrankung informiert hatte. "Es ist eine ernstzunehmende Sache, das darf ich nicht verschleppen", hatte der 68-Jährige am vergangenen Mittwoch betont.

DOSB-Präsident Thomas Bach, Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und viele andere Prominente aus Politik und Sport dankten Bogner für sein Engagement in den vergangenen Monaten: "Willy Bogner hat viele bleibende Impulse gesetzt und die Bewerbung nachhaltig inspiriert. Darauf können und werden wir aufbauen."

Bogner: "Bleibe glühender Verfechter unserer Bewerbung"

Bogner musste eingestehen, dass seine Erkrankung doch ernster als zunächst angenommen ist: "Von längeren Auslandsreisen raten meine Ärzte dringend ab. Darum bitte ich um Verständnis, dass ich die Gesundheit voranstelle. Aber natürlich bleibe ich ein glühender Verfechter unserer Bewerbung und werde sie mit all meinen Kräften fördern und unterstützen." München habe laut Bogner hervorragende Chancen: "Ich hoffe nach wie vor, dass mein Traum von Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2018 in meiner Heimat Wirklichkeit wird."

Am vergangenen Mittwoch hatte Bogner bei einer Sponsoren-Veranstaltung in der Allianz-Arena bekanntgegeben, dass er an einer Darmkrankheit leidet. Bereits seit mehreren Wochen hat Bogner Probleme mit einer Dickdarm-Ausstülpung. Jochen Färber, Sprecher der Bewerbungsgesellschaft, erklärte, dass Bogner deshalb bereits Ende Juli nicht an einem Essen mit IOC-Präsident Jacques Rogge teilnehmen konnte, der anlässlich der Eröffnung der Schützen-Weltmeisterschaft in München war.

Im Juli 2011 entscheidet das Internationale Olympische Komitee (IOC) über die Vergabe der Winterspiele. Neben München, das bereits 1972 Austragungsort von Sommerspielen war, kandidieren das französische Annecy und das südkoreanische Pyeongchang. Im Dreikampf um Olympia 2018 zeigte sich der neue Vorsitzende der Bewerbungsgesellschaft trotz der jüngsten Rückschläge zuversichtlich: "Zusammen mit unserem hervorragenden Bewerbungsteam werden wir dem IOC ein zukunftsweisendes Konzept für freundliche Olympische und Paralympische Winterspiele 2018 bieten", sagte Schwank.

Ein Brief und jede Menge Ärger

Zum ordentlichen Geschäftsführer wurde der bisherige stellvertretende Geschäftsführer Jürgen Bühl ernannt. Die Präsentation der Bewerbung soll von nun an in der Hand der zweimaligen Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Katarina Witt liegen. "Meine vielen Gespräche mit IOC-Mitgliedern zeigen mir, dass wir gut im Rennen liegen, dass es aber auch noch viel zu tun gibt", erklärte Witt. Bogner soll künftig im Aufsichtsrat vertreten sein und der Bewerbung weiter mit Rat vor allem in den Bereichen Marketing und Kommunikation zur Seite stehen.

Bogner, der die Bewerbungsgesellschaft als Ein-Euro-Jobber geleitet hatte, war in den vergangenen Wochen unter starken politischen Druck geraten, weil er wenige Tage vor einer wichtigen Sitzung mit seinem Rücktritt gedroht hatte, falls die Gesellschafter nicht mehr Geld für die Münchner Bewerbung um die Winterspiele 2018 bereitstellen. Der Brief war bereits vor dem Treffen an die Öffentlichkeit gelangt.

Der Ärger, mit dem ihn Gesellschafter und Aufsichtsräte bei ihrer Sitzung am 15. Juli überschütteten, hatte Bogner sichtlich zugesetzt. Doch einen direkten Zusammenhang zwischen seinem stressigen Job und der Darmerkrankung will er nicht herstellen: "So etwas kann mit genetischer Disposition und psychischen Einflüssen zu tun haben", erklärte Bogner.