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Kurzkritik:Spätsommerspiel

Die Philharmoniker mit Rihm und Bruckner

Von Michael Stallknecht

Bruckners Neunte und die Münchner Philharmoniker - das ist fast eine unio mystica. Die Urfassung haben sie uraufgeführt, immer wieder stand Bruckners Letzte an Knackpunkten der Biografie. In der Philharmonie dirigiert nun Christoph Eschenbach, der in wenigen Wochen in München den Siemens-Musikpreis erhält. Doch die Aufführung gerät fahrig, bröckelt mal leise vor sich hin und platzt gleich drauf lärmig heraus. Eschenbach dirigiert zu kleinteilig für Bruckners Bögen, in den Details wackelt es ebenso wie im Aufbau.

So hält man sich an Wolfgang Rihms "Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2", das Eschenbach 2014 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt hat. Dass Rihm ein enorm produktiver Komponist ist - in drei Monaten wird sein nächstes Klavierkonzert uraufgeführt - hört man dem Stück gerade in seiner Entspanntheit an. Keine von Rihms manchmal ekstatischen Klangorgien drängt da ans Licht, sondern ein klassizistisches Spiel mit Formen, Farben, Motiven - "weniger Boxkampf, mehr Kammermusik", wie der Komponist sagt.

Das Streicherkorps ist transparent geführt, die kleine Bläsergruppe bekommt schöne Soli. Und fast durchgängig im Piano schmiegt sich der Klavierpart hinein, der Tzimon Barto auf die sensiblen Finger komponiert ist. Der rankt floral hinein in einen ersten langsamen Satz, der in fin-de-siècle-Chromatik vor sich hinträumt, schwebt dann flitternd durch ein humoristisch aufgelockertes Rondo. Ein bisschen nach Mendelssohn klingt das Stück, ein bisschen nach Brahmsscher Wehmut, auch nach Rihms eigenem Violinkonzert "Lichtes Spiel", vor allem aber nachdenklich und darin auch ein ganz bisschen richtungslos.

© SZ vom 28.03.2015
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