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Kurioses über die Stadt:Angeberwissen für Münchner

Was der Name Mötley Crüe mit München zu tun hat und wie Dracula wirklich begann: Kuriose Dinge über München, die Sie so bestimmt noch nicht kannten und mit denen Sie am Stammtisch die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Benjamin Krischke

17 Bilder

´Dr. Hope": TV-Zweiteiler mit Anlaufproblemen

Quelle: dpa

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Was der Name Mötley Crüe mit München zu tun hat und wie Dracula wirklich begann: Kuriose Dinge über München, die sie so bestimmt noch nicht kannten und mit denen Sie am Stammtisch die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Die erste Gynäkologin Münchens

Ende des 19. Jahrhunderts machte sich die junge Studentin Hope Bridges Adams auf, um einen Wandel in der Welt der Medizin zu provozieren. Sie stammt zwar aus England, gilt aber als die erste Frau, die in Deutschland ein Medizinstudium mit dem Staatsexamen abgeschlossen hat. Sie studierte in Leipzig, wo sie sich, weil es im Deutschen Reich anders nicht möglich war, als Gasthörerin eintrug. Um möglichst wenig Aufmerksamkeit zu erregen, verkleidete sich Dr. Hope dabei als Mann. Die Zulassung als Ärztin wurde ihr jedoch vorerst verweigert.

1887 heiratete sie zum zweiten Mal. Ihr Ehemann Carl Lehmann war Mediziner in München, der auch eine eigene Praxis besaß. Also ging Dr. Hope, die auch enge Konktakte zur Münchner Frauenbewegung unterhielt, in die bayerische Landeshauptstadt und führte die Praxis gemeinsam mit Lehmann. 1904 erreichte sie endlich ihr Ziel: Durch einen Beschluss wurde ihr nachträglich die Berechtigung zur Führung ihres Doktortitels anerkannt. Dr. Hope wurde die erste praktische Ärztin und Gynäkologin Münchnens.

2010 strahlte das ZDF einen Zweiteiler über die rebellische Ärztin aus. Gespielt wurde Dr. Hope von der Schauspielerin Heike Makatsch.

Im Bild: Heike Makatsch mit Schauspielkollege Martin Feifel

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Quelle: Claus Schunk

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Abschied vom Phallus

Während Dr. Hope sich als Mann verkleidete, geschah dem Münchner Kindl, der Stadtfigur der Landeshauptstadt, das Gegenteil. Denn das Münchner Kindl ist eigentlich kein Kind, und erst recht keine Frau - sondern ein Kerl.

Genauer: Ein nach rechts blickender Mönch mit golgeränderter schwarzer Kutte und roten Schuhen, dem die künstlerische Freiheit über die  Jahrhunderte den Phallus abgesprochen hat. Bis in die 1920er Jahre wurde das Münchner Kindl durch die verschiedensten Künstler immer stärker verkindlicht, und wandelte sich irgendwann vom Buben zum Madl.

Gut für Pumuckl-Schöpferin Ellis Kaut: Die hatte 1938 die Ehre, den Einzug der Wiesnwirte in der Rolle des Münchner Kindls anzuführen. Bis heute gilt das Münchner Kindl als Wiesn-Botschafterin.

Im Bild: Stefanie Krätz als Münchner Kindl 2007

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Quelle: Robert Haas

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Die erste schwul-lesbische Partei

München darf sich nicht nur mit der ersten weiblichen Ärztin und einer, nennen wir es, Emanzipierung des Münchner Kindls brüsten, sondern auch mit folgender Tatsache: In der bayerischen Landeshauptstadt gründete sich 1989 die Rosa Liste, deutschlandweit die erste schwul-lesbische Partei.

Thomas Niederbühl gelang dann 1996 eine europaweite Premiere: Erstmals zog ein Mitglied einer schwul-lesbischen Wählervereinigung in einen Stadtrat ein - und im Münchner Rathaus sitzt er heute noch.

Niederbühl und sein Lebensgefährte ließen sich 2001, als eines der ersten homosexuellen Paare, beim Notar als Lebensgemeinschaft eintragen. Zum Termin im Standesamt erschien auch Münchens Oberbürgermeister Christian Ude.

"D´SCHWUHPLATTLER" TANZEN IM BERLINER REICHSTAG

Quelle: DDP

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Ein Madl ohne Hut

"Awa, Schuhplattler, kemmer scho". Von wegen! Es geht auch anders! Denn "D'Schwuhplattler" sind keine gewöhnliche Schuhplattler-Gruppe aus der bayerischen Landeshauptstadt. Der Name hat seinen Ursprung in der sexuellen Orientierung der traditionsbewussten Herren, die seit 2001 das Brauchtum des reinen Schuhplattlers pflegen. Um Verwirrungen zu entgehen, verzichtet das "Madl" beim Paartanz übrigens auf den Hut. "D'Schwuhplattler" ist der weltweit einzige schwule Schuhplattler-Verein.

Trinkwasser aus der Unterwelt

Quelle: SZ

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Fließendes Müchner Urgestein

Blasmusik, Schuhplattler, Wiesn, das alles gehört so untrennbar zu München - wie das Bier. Einige der bekanntesten Brauereien kommen aus der bayerischen Landeshauptstadt. Doch in München wird angeblich erst seit dem 19. Jahrhundert wirklich gutes Bier gebraut.

Vor allem eine natürliche Tatsache soll ausschlaggebend für die Qualität der Münchner Biererzeugnisse sein: Unter München, und weit über die Stadtgrenzen hinaus, fließt ein Fluss, der an manchen Stellen bis zu 2000 Meter tief ist. Zwei Vorteile hat er: Zum einen ist er die letzte Trinkwasservorsung im Münchner Stadtgebiet, die im Notfall herangezogen werden kann. Zum Anderen beziehen die Münchner Brauereien ihr Brauwasser aus dieser Quelle. Dazu führen Wasserrohre etwa 180 Meter durch die Münchner Schotterebene zum Trinkwasser bester Qualität.

Der Fluss besteht übrigens nicht einfach aus "normalem" Trinkwasser. Vielmehr ist die Brauereiquelle eiszeitliches Wasser, das von den schmelzenden Gletschern zurückblieb. Damit ist der Fluss ein paar Jährchen älter als die Braukunst: ein Münchner Urgestein.

"Motley Crue"

Quelle: AP

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Loyalität dem Münchner Bier

Tommy Lee, Vince Neil, Nikki Sixx und Mick Mars sind die Originalbesetzung der erfolgreichen Metal-Band Mötley Crüe, die auch schon live in München aufgetreten ist. Doch woher stammt eigentlich der Name, und warum stehen im Bandnamen Umlaute? Das hat man doch in der USA gar nicht!

Kurzer bier-historischer Rock-Exkurs: Das Lieblingsbier von Tommy Lee und Co. ist das Münchner Löwenbräu. Als Loyalitätsbekundung gegenüber der Brauerei hat sich  "Mottley Krew" kurz nach ihrer Gründung im Jahr 1981 zwei Umlaute in den Namen übernommen und sich in "Mötley Crüe" umbenannt. Noch mehr Rock'n' Roll für eine Biermarke?! Geht nicht.

Im Bild: Originalbesetzung von Mötley Crüe, 1997 in Hollywood

Wiesnbierprobe in München, 2010

Quelle: Alessandra Schellnegger

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Ein Pfennig Revolution

Eine andere Loyalitätsbekundung, aus dem Jahr 1844, war weniger Rock, dafür mehr Riot. Denn am 1.März 1844, also rund 140 Jahre vor Mötley Crüe, verärgerte König Ludwig I. den Münchner Biergenießer, als er, aufgrund von gestiegenen Rohstoffpreisen, den Bierpreis erhöhte: um einen Pfennig.

Da war es vorüber mit der bayerischen Gemütlichkeit und das Volk ließ den Watschnbaam kippen. Etwa 2000 Menschen zogen randalierend durch die Münchner Innenstadt, stürmten Brauereien und zerstörten blindwütig alles, was ihnen im Weg stand.

Auch das herbeigerufene Militär, eigentlich zur Niederschlagung des Aufstandes bestimmt, zeigte sich gegenüber dem Gerstensaft loyaler als gegenüber dem König: Es verweigerte sämtliche Befehle. Bereits am 5. März lenkte König Ludwig I. wieder ein und nahm die Bierpreiserhöhung zurück. 

Im Bild: Wiesnbierprobe im Oktoberfestmuseum.

OCHSENKNECHT

Quelle: AP

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Sprechende Leichen

Kein Bierdurst, dann vielleicht Blutdurst? Die Legende von Graf Dracula ist die weltweit bekannteste Vampirgeschichte. Bram Stokers Schauerroman über den Grafen Dracula spielt in Transsilvanien. Dort, wo die dunkle Gestalt das Licht der Welt erblickte. Falsch! Denn Graf Dracula, also jener aus Bram Stokers Geschichte, ist weder Ungar (damals) noch Rumäne (heute), sondern Münchner. Eigentlich beginnt das Buch seit jeher mit den Worten: "Left Munich at 8:35 pm, on 1st May,...".

Das ursprüngliche Einstiegskapitel wurde später aber völlig gestrichen und zur Kurzgeschichte "Draculas Gast" umgeschrieben. Darin steigt der Romanheld Jonathan Herker im Hotel Vier Jahreszeiten ab und unternimmt in der Walpurgisnacht eine Kutschenfahrt durch München. Irgendwann gelangt er in ein verlassenes Dorf, in dem man der Legende nach die Toten unter der Erde reden hört. Als ein Schneesturm aufzieht flüchtet Harker in ein Mausoleum, wo er von einer Vampirin angefallen wird. Ausgerechnet der schaurige Graf höchstpersönlich schützt ihn in der Gestalt eines weißen Wolfes bis Hilfe eintrifft.

Moment. Was war das noch gleich mit den brabbelnden Toten? Ach ja, wahrscheinlich kannte Bram Stocker die Legende vom historisch nachgewiesenen Dorf Pachem bei Berg am Laim, das urplötzlich von der Landkarte verschwand. Angeblich kann man dessen Bewohner bei windstillen Tagen unter der Erde reden hören. Schaurig, schönes München!

Im Bild: Uwe Ochsenknecht als Graf Dracula 1998

Münchner Ostfriedhof im Herbst, 2007

Quelle: Hess, Catherina

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Zum Näslein rümpfen

Gut, dass es Maria Anna von Sachsen gab, die Gattin des bayerischen Kurfürsten Max III. Ihr ist es zu verdanken, dass die Gehängten am Galgenberg (Landsberger Straße / Höhe Hackerbrücke) ab dem Jahr 1774 auch beerdigt wurden. Zuvor war es Brauch, dass man die armen Kerle einfach so lange hängen ließ, bis sie von selbst abfielen. Eine makabre und ganz und gar unappetitliche Angelegenheit.

Doch das Fräulein von Sachsen hatte irgendwann genug davon, dass sie jedes Mal wenn sie für Landpartien den Galgenberg mit der Kutsche passierte, das Näslein rümpfen musste. Also veranlasste sie eine anständige Beerdigung, auch für die Gehenkten. Vor allem ein Tag dürfte wohl dazu beitgetragen haben: Einmal hingen sage und schreibe 17 faulende Leichen auf einmal am Galgenberg.

Im Bild: Münchner Ostfriedhof

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Quelle: Alessandra Schellnegger

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Des Teufels Fußabdruck

Schon genug Grusel für heute? Ja?! Dann schnell weiterklicken, ansonsten wäre da noch der Sparifankerl und der Abdruck in der Frauenkirche.

Ein ungebetener Gast hinterließ einst seine Spur in der Münchner Frauenkirche, eines der Wahrzeichen der Stadt: Der Münchner nennt ihn gerne Sparifankerl, andere bezeichnen ihn als Teufel, Satan oder Beelzebub. Das Höllenwesen besuchte einst die Frauenkirche und hinterließ den sogenannten Teufelstritt - einen Fußabdruck im Marmorboden. Überliefert sind zwei Versionen:

I. Dem Sparifankerl passte der Neubau der Frauenkirche so gar nicht ins schwarze Gemüt, und so beschloss er den Bau zu zerstören. In der Kirche angekommen musste er prompt lauthals lachen, da er keine Fenster sehen konnte. "Diese Versager", dachte er, "kein Gläubiger wird jemals in diese stockfinstere Kirche kommen, und ich fange allerlei Seelen". Er stapfte vor lauter Freude fest auf und zog ab. Zu spät bemerkte er, dass die Frauenkirche sehr wohl Fenster besitzt.

oder...

Im Bild: Messe in der Frauenkirche

Sonnenuntergang ueber Muenchen

Quelle: dapd

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II. Der Baumeister Jörg Ganghofer akquirierte den Sparifankerl unter Zeitdruck für sein Team, um die Frauenkirche endlich fertig zu stellen. Im Tausch gegen die höllische Unterstützung versprach er seine Seele. Als der Teufel eines Tages wiederkehrte, um seinen Preis zu fordern, wies Ganghofer ihn mit der Begründung ab, der Teufel sei ein schlechter Mitarbeiter gewesen, da er die Fenster vergessen habe. Der Teufel blickte sich um, sah keine Fenster und stampfte vor lauter Wut fest auf und verschwand. Tatsächlich befindet sich der Fußabdruck an einem Punkt unter der Orgelempore, von wo aus man zwischen 1620 und 1858 wirklich keine Fenster erkennen konnte, obwohl sie da waren.

Der Teufel ist übrigens auch der Grund, warum es um die Frauenkirche herum so windig ist. Der kam nämlich auf dem Wind angeritten. Bei der Rückreise hat er sein windiges Gefährt jedoch zurückgelassen. Also sucht dieses bis heute seinen Meister.

Tim Curry wird 65

Quelle: dpa

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Weltrekord für Travestie-Show

An Tim Currys populärster Rolle findet bestimmt auch der Sparifankerl gefallen: Ein spießiges Pärchen flüchtet vor einem Gewitter in die Villa des außerirdischen Transvestiten Dr. Frank-N-Furter. Der in Strapsen gekleidete Wissenschaftler ist gerade dabei, sich einen blonden Jüngling als Sex-Sklaven zu erschaffen und feiert ansonsten abgedrehte Partys mit seinen abgedrehten Freunden. Der Song "Timewarp" ist bis heute legendär.

Die Verfilmung des Musicals The Rocky Horror Show von 1974 hatte einen schweren Start, und schon bald drohte die Absetzung des Films. Bis sich ein Phänomen einstellte: Die Zuschauer gingen immer und immer wieder ins Kino, um den Film zu sehen. Eine eingefleischte Fangemeinde rettete The Rocky Horror Picture Show also vor dem Aus, und ebnete ihr den Weg zum Kultfilm.

In der bayerischen Hauptstadt läuft das Travestie-Grusical seit 34 Jahren ununterbrochen im Kino "München Lichtspiele Museum": ein Weltrekord. Und während anderswo stillschweigend die neusten Hollywood-Filme geschaut werden, wird jede Vorstellung mit Dr. Frank-N-Furter zur Party. Gäste verkleiden sich, gröhlen die Songs lautstark mit und bei einer Hochzeitsszene fliegt Reis über die Sitzreihen. Dafür bekam The Rocky Horror Picture Show längst einen eigenen Kinosaal: Natürlich in Rocky-Horror-Optik mit blutroten Sesseln.

Im Bild: Tim Curry in The Rocky Horror Picture Show von 1975

Raumpatrouille - Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Or

Quelle: WDR/Bavaria

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Tiefseebasis Königsplatz

Ebenfalls äußerst außerirdisch, aber ohne Strapse, geht es in der Kultserie Raumschiffpatrouille Orion zu. Commander McAllister, gespielt von Dietmar Schönherr, befehligt den Raumkreuzer "Orion" und befindet sich im Krieg gegen die bösen "Frogs". Außerdem zeigt sich der Chef gerne aufmümpfig gegenüber seinen Vorgesetzten. Gute Basis für einen Kultstatus.

Bei der Erstausstrahlung in der ARD erreichte Raumschiffpatrouille Orion eine Zuschauerquote von 56 Prozent und wurde in den Jahren danach mehrfach wiederholt, im NDR, HR und beim Privatsender Sat.1.

Gedreht wurde Raumschiffpatrouille Orion in München, und sicherte sich ,als erste deutsche Science-Fiction-Serie überhaupt, ihren Kultplatz in der Geschichte des Fernsehens. Kurioseste Kulisse: Die Tiefseebasis 104 befindet sich mitten in München, und ist nichts anderes als der leergeräumte Königsplatz, der damals noch mit großen Granitplatten belegt war.

Thaddäus "Thaddy" Robl

Quelle: cycling4fans (oh)

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Sechs Rekorde plus einen

München ist aber nicht nur Film-, sondern vor allem Sportstadt. Der TSV 1860 ist in München ansässig, der deutsche Fußballrekordmeister FC Bayern ebenso. 1972 fanden hier die Olympischen Sommerspiele statt. Große Namen des deutschen Sports sind Münchner: Franz Beckenbauer, Paul Breitner und Willy Bogner.

Aber kennen Sie eigentlich Thaddäus Robl noch? Nein?! Keine Schande. Robl ist heutzutage den wenigsten Menschen ein Begriff. Auch in seiner Geburtsstadt München gilt er, wenn überhaupt, als eine Art Geheimtipp, wenn es um die ganz großen des deutschen Sports geht.

Geboren 1877, kann er sich als Dauerfahrer sechs Weltrekorde auf die Fahnen schreiben. Einen davon stellte Robl auf, als er in einer Stunde schier unglaubliche 91,893 Kilometer auf seinem Radl zurücklegte. Um 1900 war er ein gefeierter Superstar der weit über die deutschen Grenzen hinaus bekannt war. Komischerweise erinnert sich heute kaum noch jemand an den Mann. Vielleicht weil die meisten Münchner nur Fußball und bestimmt keinen Radlsport im Kopf haben, könnte man meinen.

Das allein reicht jedoch nicht als Begründung. Denn neben seinen Radfahrrekorden hält der Herr noch einen weiteren: Am 18. Juni 1910 verunglückte er bei einer Flugschau in Stettin. Der Radrennfahrer Thaddäus Robl gilt damit als erstes deutsches Opfer des zivilen Motorflugs.

Im Bild: Thaddäus Robl um 1900.

Eisbach-Surfer in Dirndl und Lederhosen

Quelle: ddp

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Hawaiianisches München

Mit einem Ausländeranteil von etwa 23 Prozent ist München die deutsche Stadt mit den meisten Bürgen, die einen Migrationshintergrund besitzen. Zum Vergleich: Berlin liegt mit 14 Prozent auf Platz zwei. So viele verschiedene Kulturen mischen sich natürlich auch in die sportliche Freizeitgestaltung der Münchner. Und am Eisbach, aber nicht nur, findet doch glatt eine Symbiose statt, die die Isar ein wenig zum bayerischen Hawaii avancieren lässt.

Denn seit 2010 hat die Stadt München das Sagen über eine ganz bestimmte Welle: am Eingang zum Englischen Garten in der Prinzregentenstraße. 35 Jahre lang surften hier bereits Kanuten und Wellenreiter aus der ganzen Welt illegal. Doch die Polizei ließ sich davon zumeist nicht stören. Die Welle ist etwa 50 cm hoch, und stehend. Erzeugt wird sie von einer Steinstufe an der Austrittstelle des Isar-Nebenarms, der ursprünglich sehr schnell und unterirdisch floss. Die Surfer am Eisbach gelten mittlerweile als Touristenattraktion.

In Thalkirchen an der Floßlände findet sich eine weiter Welle, die ist auch Austragungsort seit 2001 jährlich stattfindenden Munich Surf Opens. Hier muss für gewöhnlich aber Rücksicht auf vorbeifahrende Ausflugsfloße genommen werden. Die größte Welle in München ist jedoch weitaus seltener, unbekannter und vor allem verbotener. Bei Isar-Hochwasser bildet sie sich direkt unter der Reichenbachbrücke. Hier wird gesurft, bis die Polizei kommt.

Leipzig-Altenburg Airport bleibt auch ohne Ryanair in Betrieb

Quelle: dapd

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Die Munich West-Schlawiner

In München gibt es quasi vier Flughäfen: Oberwiesenfeld, wo der Betrieb 1968 eingestellt wurde, Oberschleißheim, den sechs Luftsportvereine und die Bundespolizei nutzen, und Riem, der ebenfalls nicht mehr existiert, weil 1992 der gesamte Betrieb ins Erdinger Moos, also Nummer vier in der Runde, gezogen ist.

Die Fluggesellschaft Ryanair sieht das jedoch ein bisschen anders, und hat mal eben einfach einen fünften Münchner Flughafen erfunden, den sogenannten Munich West. Dieser Flughafen liegt jedoch nicht etwa in Pasing, oder, was auch schon rotzfrech wäre aber wenigstens mit der S-Bahn zu erreichen, in Geltendorf, - sondern in Memmingen.

Da staunt der ankommende Passagier nicht schlecht. Denn Memmingen ist eine Stadt im Unterallgäu, die bei gutem Verkehr schon sage und schreibe eineinhalb Autostunden von München entfernt ist. Eine S-Bahn? Fehlanzeige. Wenn überhaupt eine Regionalbahn. Die braucht aber, je nach Verbindung, bis zu zwei Stunden an den Münchner Hauptbahnhof. Ganz schöne Schlawiner, die von Ryanair.

Timofei

Quelle: Lisa Sonnabend

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Das sympathische Väterchen

Nach den Schlawinern von Ryanair abschließend zum freundlichen Münchner Original aus Russland. Es geht um Münchens "liebenswürdigsten Schwarzbau", wie ihn Oberbürgermeister Christian Ude einmal genannt hat. Dieser steht am Rudolf-Harbig-Weg südlich des Olympiaparks, ganz in der Nähe des Ortes, wo das Tollwood Sommerfestival stattfindet. Eigentlich sind es mehrere Schwarzbauten: u.a. ein kleines Haus und eine Kapelle.

Errichtet wurden sie von 1952 an von dem Russen Timofei Wassilijewitsch Prochorow, dem übernatürliche Kräfte nachgesagt werden. Aus Kriegsschutt und mit gefundenen Materialien ausgestattet, baute sich Väterchen Timofei, wie er von den Münchnern liebevoll genannt wird, sein eigenes kleines Reich: für sich und seine Lebensgefährtin Natascha. Alle Versuche der Stadt das Paar umzusiedeln scheiterten an heftigen Protesten der Münchner Bürger. Vielmehr wurde sogar das Olympiagelände für die Spiele 1972 ein wenig verlegt, sodass Timofei bleiben konnte. Das Paar heiratete noch im selben Jahr. Vier Jahre später starb Natascha.

Nach ihrem Tod lebte der alte Timofei noch Jahre auf seinem Anwesen und wurde seither "Olympia-Eremit" oder "Methusalem vom Oberwiesenfeld" genannt. Im Jahr 2004 verstarb Väterchen Timofei und  liegt seither, wie seine Natascha, auf dem Münchner Westfriedhof begraben. Nach eigenen Angaben feierte Timofei kurz vor seinem Tod noch den 110. Geburtstag. Sollte dieses Alter der Wahrheit entsprechen, wäre Väterchen Timofei nicht nur aufgrund seiner ungewöhnlichen Wohnverhältnisse ein Unikat gewesen: Er wäre auch der älteste Münchner aller Zeiten.

Im Bild: Wohnaus von Väterchen Timofei südlich des Olympiaparks, Portraitbild

Einige kuriose Fakten sind dem Buch "Ab­so­lut Mün­chen -  Das München-Sammelsurium" entnommen, Hirschkäfer-Verlag, 16,90 Euro.

© sueddeutsche.de
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