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Kunstmesse:Die Kunst der Gunst

Zum zweiten Mal findet in München mit der "Unpainted" eine Messe für digitale Kunst statt. Deren Zukunft hängt vor allem davon ab, wie gut sie beim Publikum ankommt

Es geht um visuelle Reaktionen auf unsere digitale Zeit. Um Internet- und Post-Internet-Kunst. Um den oft spielerischen und experimentellen künstlerischen Umgang vorwiegend sogenannter Digital Natives - also jener Menschen, die mit Computerspielen, Internet und Smartphones aufgewachsen sind - mit unserer Welt. Digitale Kunst steht von Donnerstag an im Mittelpunkt der Messe Unpainted: Lab 3.0.

Zum zweiten Mal laden die drei Gründer, Annette Doms, Benedict Rodenstock und Irmin Beck Rodenstock, zur Unpainted nach München ein. Einer Messe für "digitale, nicht Medien-Kunst", wie Doms immer wieder betont, auch wenn die Ränder der Disziplinen unscharf verlaufen. "Aber", sagt Doms, "digitale Kunst kann sowohl nur formal als auch nur inhaltlich digital sein". Oder beides.

Als die Messe vor zwei Jahren erstmals stattfand, orientierte man sich noch an den üblichen Messestrukturen. Galeristen mieteten Kojen, um dort ihre Künstler und deren Werke zu präsentieren. Da es nur wenige auf digitale Kunst spezialisierte Galerien gibt, mischte sich da so einiges. Aber schon da gab es als eigenständige Sektion das Lab 3.0, bei dem sich Künstler in Eigenregie vorstellen konnten.

Dieses Mal besteht die gesamte Veranstaltung aus dem Lab 3.0. Nicht nur, weil es beim Publikum so gut ankam. Sondern vor allem, weil das Feedback der Galeristen - auch wenn einige durchaus wieder mitgemacht hätten- insgesamt nicht so positiv ausfiel wie erhofft, wie Doms und Rodenstock beim privaten Kultursalon von Dietlinde und André Behncke "Munich Speech" jüngst anmerkten.

Wenn es aber um Selbstvermarktung von Künstlern geht, stellt sich immer auch die Frage, wie weit die Selbstausbeutung reicht. Die Unpainted hat eigene Wege gewählt, damit die Künstler nicht für ihre Messekojen zahlen müssen. Zunächst hatte man versucht, über ein Crowdfunding die Finanzierung abzusichern. Das hat nicht funktioniert, auch weil, wie Doms gesteht, die drei Gründer, die alles in Eigenregie stemmen, mit diesem Selbstversuch etwas überfordert waren. Nun wird die Zukunft der Unpainted vom Publikumsinteresse abhängen. Denn die Messe soll sich über die Eintrittsgelder finanzieren. Wenn das nicht reicht, wird einer tief in die Tasche greifen müssen, und dieser eine heißt Benedict Rodenstock. Er ist der finanzielle Back-up für die diesjährige Messe.

Neben der Unpainted: Lab 3.0 in München an diesem Wochenende wird es im April noch eine Unpainted Art Fair in Brüssel geben, auf der nur Galeristen vertreten sein werden. Die Münchner Unpainted findet dieses Mal nicht im Postpalast statt, sondern im MMA - das ehemalige Heizkraftwerk dürfte eine passende Kulisse abgeben für digitale Kunst.

Unpainted: Lab 3.0, Messe für digitale Kunst, Mixed Munich Arts, Katharina-von-Bora-Straße 8a, Do., 18. Feb., 17-22 Uhr, Fr., 19. Feb., 12-21 Uhr, Sa, 20. Feb., 12-1 Uhr (mit Performance und DJ), So., 21. Feb., 12-18 Uhr