Kolumne: After Eight Leben und leben lassen

Derzeit kocht die bayerische Volksseele: Ein Volksbegehren zum Nichtraucherschutz läuft. Nur in Münchens Lokalen ist man da entspannter.

Von Beate Wild

Beim Lauftraining am vergangenen Sonntag, wurde uns wieder einmal recht deutlich vor Augen gehalten, dass ausgiebiges Feiern nicht förderlich ist für die Kondition. Wenig Schlaf, ein paar Drinks, zu viele Zigaretten - und was man sich sonst noch alles antut während einer langen Nacht in Münchens Bars und Clubs. Mit einer derart gesundheitsschädlichen Freizeitgestaltung fällt das Marathontraining doch etwas schwer.

Rauchen oder nicht rauchen - das ist zurzeit die Frage in Münchens Bars.

(Foto: Foto: Stephan Rumpf)

Dabei könnte man das alles viel leichter haben, wenn man nur einmal die Woche ausgehen würde. Aber nein, das wäre ja viel zu langweilig. Wenn man nicht regelmäßig in seinen Stammkneipen auftaucht, könnte man Gefahr laufen, dass einen der Barkeeper seines Vertrauens plötzlich nicht mehr erkennt. Geschweige denn die Vorzugsbehandlung, die man genießt, die will man schließlich nicht durch Schleifenlassen seiner Kontakte aufs Spiel setzen.

Wieviel Schlaf er oder sie braucht, muss jeder selber wissen. Auch wie viele Drinks der Nachtmensch verträgt, sollte er durch jahrelanges Training mittlerweile in Erfahrung gebracht haben. Ist jedem seine Sache, ob er nach einem Bier nach Hause geht oder weitertrinkt, bis er nur noch zum Taxi schwanken kann. Damit belästigt er keinen - außer er gehört zu jener Spezies Betrunkener, die andere Gäste bisweilen ganz schlimm nerven. Und die Kollegen am nächsten Morgen fühlen sich durch die penetrante Alkoholfahne manchmal in ihrer Konzentration gestört. Aber trotzdem ist Trinken immer noch jedermanns Privatangelegenheit.

Ganz anders ist das mit dem Rauchen, das nun schon seit Jahren eine öffentliche Streitsache ist - und derzeit in einem Volksbegehren in Bayern gipfelt. Insgesamt zwei Wochen lang, noch bis 2. Dezember haben die Bayern die Chance, sich für die Aktion gegen das Rauchen in Gaststätten einzutragen.

950.000 Unterschriften sind notwendig, um das Projekt Nichtraucherschutz voranzutreiben. Bislang haben sich 400.000 Rauchgegner eingetragen. Geht es in dem Tempo weiter, wird es eng für die Raucher im Freistaat.

Intrige der Tabaklobby oder Diktatur?

Während die fanatischen Nichtraucher in der Lockerung des Nichtraucherschutzes seit August dieses Jahres eine Intrige der Tabaklobby wittern und eine striktes Rauchverbot in allen Lokalen ohne Ausnahmeregelungen fordern, sehen sich Münchens Raucher verfolgt wie Oppositionelle in einer Diktatur.

Auf Facebook und Twitter machen die Münchner ihrem Ärger Luft. Der Chef eines bekannten Münchner Clubs schreibt etwa in seiner Statusnachricht bei Facebook: "So rauchfrei wie jetzt war München in den letzten 100 Jahren nicht. In jedem Restaurant ist es verboten, jeder Nichtraucher hat inzwischen eine weit größere Auswahl an Kneipen als ein Raucher. Aber der Deutsche gibt erst Ruh, wenn die letzte Raucheroase ausgemerzt ist."

Unter dieser Statusmeldung stehen 45 Kommentare, die beide Positionen - die der Raucher und die der Nichtraucher - vehement verteidigen. Zigarettenqualm war schon immer ein sehr emotionales Thema, da brennen schon mal beiden Fraktionen die Sicherungen durch.

Zu lesen sind da die unterschiedlichsten Statements, beispielsweise "Ich glaube, daß 98 % aller Gastro-Mitarbeiter selber rauchen und 100 % so einen Job nicht annehmen würden, wenn es sie stören würde." Ein anderer schreibt: "Ich bin Ausdauersportler und rauche wenn, dann nur in meiner Stammkneipe Jennerwein, zweimal die Woche abends beim Bier, wie übrigens alle anderen Jennerwein-Besucher auch!"

Die vehementen Verteidiger des Rauchens äußern sich bisweilen aufgebracht: "Welche armen Nichtraucher? Die sind doch ganz geil drauf, vorm Rathaus Schlange zu stehen, damit sie auch noch den letzten Alkoholikern im Eckstüberl die Zigarette verbieten dürfen. Kein Mitleid." Ein anderer ist der Meinung: "Klar, wenn ich genießen will, geh ich zum Rauchen raus. Und zum Lachen geht's in den Keller. Armseliges Trauerspiel, armseliges!" Und einer schreibt gar: "Die Nichtraucher steigern sich da gerade in etwas sehr Ungutes, zutiefst Negativ-Deutsches hinein."

Lesen Sie auf Seite 2, warum ein Raucher als "Asso" beschimpft wird.