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Kamin abgerissen:Mieterin stirbt in der Badewanne

Weil der Rauchabzug blockiert war, wird eine Frau ohnmächtig und ertrinkt. Gegen die Vermieter-Firma gibt es auch Mobbing-Vorwürfe.

Im Zuge der Luxussanierung eines Hauses im Glockenbachviertel ist eine 46 Jahre alte Bewohnerin ums Leben gekommen. Die Frau erlitt eine Kohlenmonoxidvergiftung und ertrank in der Badewanne.

Die Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Tötung. Möglicherweise hätten die Bauarbeiten den Tod der Frau verursacht. Kaminkehrer bezeichnen den Umbau als "Wahnsinn".

Es handelt sich um das Anwesen Geyerstraße 22. Ernst K., der 48 Jahre alte Lebensgefährte der Frau, verließ am vergangenen Dienstag gegen 15.30 Uhr die gemeinsame Wohnung in dem vierstöckigen Haus und kehrte nach etwa einer Stunde zurück.

Die 46-Jährige, so rekonstruierte es die Polizei, wollte in der Zwischenzeit ein Bad nehmen. Das Wasser erwärmte ein gasbetriebener Durchlauferhitzer. Das dabei entstehende Kohlenmonoxid konnte nicht aus dem Raum entweichen, weil im Zuge der Gebäudesanierung kurz zuvor eine Kaminwand entfernt worden war - daher blieb der notwendige Luftdurchzug aus.

Die Frau wurde ohnmächtig und ertrank im Badewasser. Ernst K. unternahm noch Wiederbelebungsversuche und schrie um Hilfe. Ein Notarzt konnte aber nur noch den Tod der Frau feststellen.

Die Obduktion bestätigte den Verdacht der Polizei: Selbstmord ausgeschlossen.

K. erhebt schwere Vorwürfe gegen die Bauträgergesellschaft, die das Gebäude im August 2001 erworben hat und es - in Eigentumswohnungen umgewandelt - verkauft.

Von "klassischen Entmietungsversuchen" spricht nicht nur er, auch andere Bewohner klagen über Mieter-Mobbing: In einer Wohnung sei eine Decke herabgestürzt, und eine Mieterin erlitt Knochenbrüche, als sie bei Dunkelheit in eine drei Meter tiefe Baugrube fiel, die ungesichert war.

Zwei Parteien seien aus dem Haus ausgezogen, weil ihnen drastische Mieterhöhungen angedroht worden waren. Die Liste lässt sich den Angaben zufolge beliebig fortsetzen: So seien an Weihnachten mangels Isolierung die Wasserrohre geplatzt und tagelang nicht repariert worden.

Eine Polizistin, vor Ort bei den Todesermittlungen, sagte, sie wundere sich, "dass in dem Haus überhaupt noch jemand leben kann".

Der Lebensgefährte der Verstorbenen will die Bauträger vor Gericht bringen. "Das ist nicht der erste Fall, bei dem sie Mieter terrorisiert haben, aber es ist der erste Fall, bei dem ein Mensch ums Leben kam", sagt er und verweist auch auf ein Bauvorhaben in der benachbarten Hans-Sachs-Straße. "Es ist klar, dass die uns raus haben wollen, mit allen Mitteln."

Der zuständige Kaminkehrermeister Wolfgang Zehetbauer bestätigte auf Anfrage der SZ, dass "die Baumaßnahme mit dem Kamin mit mir nicht abgesprochen" war. "Das hätte dringend erfolgen müssen."

Ein anderer Kaminkehrer, der mit dem Bauvorhaben aus den vergangenen Jahren gut vertraut ist, nannte den Abriss einen "absoluten Wahnsinn".

Ernst K. vermutet, mit dem Abriss hätten die Bauträger die Mieter weg von der im Unterhalt günstigeren Gasheizung hin zum Einbau einer Zentralheizung nötigen wollen.

Zudem "wollten die Eigentümer den Kamin weg haben, weil sie den Speicher im Dachgeschoss in eine teure Wohnung umbauen lassen und dafür Platz benötigen".

Dass sich die Bauherren nicht mit dem Bezirkskaminkehrermeister abgesprochen haben, wertet auch die Kriminalpolizei als groben Verstoß. Es seien Ermittlungen wegen "fahrlässiger Tötung" eingeleitet worden, weil "die baulichen Maßnahmen absolut zu dem tödlichen Unfall beigetragen haben", hieß es aus Ermittlungskreisen.

Vom Bauträger selbst - es handelt sich um drei Gesellschafter - war gestern keine Stellungnahme zu erhalten.