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Hilfe für syrische Jugendliche:Die Behandlung dauert viele Monate

In den folgenden zwei Wochen stellen Faltenbacher, Klein und von Voss eine außergewöhnliche humanitäre Einzelhilfsaktion auf die Beine: Sie verhandeln mit der UN-Flüchtlingshilfe im Libanon, mit der Deutschen Botschaft in Beirut, der bei den Vereinten Nationen und dem Auswärtigen Amt in Berlin. Denn offizielle Einreisepapiere für den Libanon haben Hanadi und Ahmed nicht - und auch für den Transport nach Deutschland müssen für sie vorab Visa organisiert werden. "Das war ein 24-Stunden-Einsatz", sagt Faltenbacher. "Alle Mitwirkenden haben da ein diplomatisches Meisterstück abgeliefert."

Die 35 Jahre alte Münchnerin Veronika Faltenbacher hat den Transport der schwerverletzten Jugendlichen nach Deutschland mit organisiert.

(Foto: Robert Haas)

Die Münchner kümmern sich auch um Spenden. Denn die Flugrettung des ADAC handelt nur, wenn die medizinische Behandlung in Deutschland finanziell gesichert ist. "Zum Glück sind wir schnell an einen großen Spender gekommen", sagt Faltenbacher. Insgesamt mehr als 200.000 Euro kann das Spendenkonto beim Verein "Kinder im Zentrum - Für Kinder e.V." bis heute verbuchen.

Zwei Wochen nach Carsten Stormers Hilferuf, am 31. März, werden Hanadi und Ahmed in einem Krankenwagen ins 80 Kilometer südlich gelegene Beirut gebracht und von dort nach München geflogen. Ihre Eltern bleiben in Syrien - sie vermissen zwei weitere Kinder. Stattdessen begleitet ein Cousin die beiden Jugendlichen. Im selben Flugzeug mitreisen kann er nicht, die Ärzte müssen wegen des dramatischen Gesundheitszustands von Hanadi mehr medizinische Geräte mitnehmen als zunächst geplant. Bei ihr gibt es erste Anzeichen von multiplem Organversagen.

"Die Kinder kamen halb tot hier an", sagt Christoph Klein, der Leiter der Haunerschen Kinderklinik in München. "Sie hatten schwerste Verbrennungen. So etwas habe ich noch nicht gesehen." Hanadi und Ahmed werden sofort operiert, die Ärzte entfernen das tote Hautgewebe und legen Ersatz-Hautschichten auf. "Da sind viele erfahrene Spezialisten zusammengekommen und haben das Unmögliche möglich gemacht", sagt Klein.

"Wir können aber noch nicht sagen: Alles ist gut." Noch sind die Kinder so stark betäubt, dass sie durchgehend schlafen, sie werden künstlich ernährt. Die Schmerzen wären für sie sonst nicht auszuhalten, sagt Klein. Möglicherweise wollen die Ärzte zumindest Ahmed Ende der Woche wieder aufwecken - jedoch erst, wenn alle Operationen abgeschlossen sind. Im Gegensatz zu seiner Schwester hat er noch im Libanon vom Transport nach Deutschland erfahren.

"Ich hoffe, dass die größten Hürden in etwa zwei Wochen genommen sind", sagt Klinikleiter Klein. Nach und nach werden kleine Hautstücke transplantiert, bis diese anwachsen. Aber auch danach könne es immer noch ernste Probleme geben. "Die Haut von Kindern aus Kliniken in diesen Ländern ist oft besiedelt mit multiresistenten Bakterien. Das macht es nicht leichter."

Ärzte arbeiten ohne Honorar

Antibiotika könnten bei Infektionen mit solchen Keimen nicht anschlagen, so der Arzt. Die Behandlung werde sicher noch viele Monate dauern. Möglicherweise, sagt Klein, seien die Kinder im Anschluss so entstellt, dass danach noch kosmetische Operationen notwendig würden.

Eine langwierige Behandlung stellt die Organisatoren der humanitären Aktion vor eine neue Herausforderung: "Die Spendensumme, die wir bisher gesammelt haben, wird niemals reichen", sagt Veronika Faltenbacher. "Wir benötigen wohl insgesamt 500.000 Euro für die Behandlung inklusive Rehabilitation." Die Behandlung in der Klinik erfolgt ohne Honorar. "Wir müssen aber die Sachkosten decken", sagt Christoph Klein. "Und die sind angesichts der Schwere der Verletzungen leider sehr hoch."

Vorerst kann Hanadi und Ahmed geholfen werden. Ob und wann sie wieder in ihre Heimat zurückkehren können, weiß derzeit niemand. Ob sie es jemals wollen, auch nicht.

Spendenkonto: Kinder im Zentrum - Für Kinder e.V., Kontonummer: 39 35 000 00, Bankleitzahl 200 303 00, Bankhaus Donner & Reuschel, Verwendungszweck: Traumakinder