High Society Belächelt und bejubelt

In der Szene blieb Moshammer ein Außenseiter - doch seine Fangemeinde war groß. Oft belächelt, manchmal geduldet, von vielen, die ihn besser kannten, wegen seines sozialen Engagements, seines Charmes und seiner Originalität geschätzt.

Von Von Christian Mayer

Es war immer die gleiche Szene, die sich bei Premieren im Deutschen Theater abspielten, und Rudolph Moshammer spielte seine Rolle mit der Souveränität eines Staatsschauspielers.

Um eine Minute vor 20 Uhr, kurz bevor sich der Vorhang heben sollte, erschien der Modemann als letzter im Saal im gewohnten Aufzug, wie eine Art Wiedergänger des Märchenkönigs Ludwig II.

Dann schritt er majestätisch zu seinem Stammplatz in der ersten Reihe links, der stets für ihn reserviert war, winkte ins Publikum wie einst die Herrscher in ihrer Königsloge - und genoss den Applaus, der ihm galt.

"Er gehörte unter Artenschutz, weil er als Ausnahmeerscheinung in der Münchner Gesellschaft absolut unangepasst war. Aber er war ein bewusster Narr, der seine eigene Rolle reflektierte", sagt Heiko Plapperer-Lütgarth, Geschäftsführer des Deutschen Theaters.

Versetzte Gastgeber

Doch Moshammer schlug nicht nur Zuneigung entgegen. Besonders in den vergangenen Jahren, nach dem Tod seiner Mutter, wurden seine Auftritte in der Münchner Gesellschaft seltener.

Einige Gastgeber luden den schillernden Boutiquenbesitzer nicht mehr ein, enttäuscht darüber, dass Moshammer sich zwar gerne für alle möglichen Aufführungen oder Partys mit einem ganzen Hofstaat ansagte, dann aber unentschuldigt ausblieb.

Andererseits ließ er keine Gelegenheit aus, um sich selbst zu vermarkten, kein Auftritt war ihm zu peinlich, selbst als Schlagersänger ("Moos hamma") versuchte er sein Glück.

Lukratives Image

Zuletzt versuchte er, mit einer patriotischen Deutschland-Krawatte für den CSU-Bundestagsabgeordneten Johannes Singhammer Schlagzeilen zu produzieren.

In der ZDF-Redaktion von "Leute heute" rief er gelegentlich persönlich an, verlangte Moderatorin Nina Ruge und bot von sich aus Geschichten an.

Moshammer verdiente gut an seinem Image, auch wenn es für einen Kurzauftritt beim ZDF nur 250 Euro gab. Andere Medien und Firmen waren bei der Honorarfrage großzügiger.

Bei Bürgern beliebter als bei Promis

Er blieb ein Außenseiter in der Szene, oft belächelt, manchmal geduldet, von vielen, die ihn besser kannten, wegen seines sozialen Engagements, seines Charmes und seiner Originalität geschätzt.

Die Leute auf der Straße hatten ihn wohl mehr ins Herz geschlossen als die Prominenz: Noch im Sommer 2004 konnte man vor einer Premiere bei den Salzburger Festspielen erleben, wie sein Rolls Royce von Fans umringt wurde und "Mosi, Mosi"-Rufe über den Festspielplatz schallten, als der Opernfreund gemeinsam mit Hündin Daisy und zwei Damen aus dem Wagen stieg.

Seine große Zeit als Herrenausstatter von berühmten Kunden wie Karl Flick, José Carreras oder Arnold Schwarzenegger lag bereits einige Zeit zurück; der Markenname Moshammer wird in Erinnerung bleiben.