Gabriele Weishäupl: "Ich wechsle die Blusen und Schürzen"

Die städtische Tourismus-Chefin Gabriele Weishäupl über die Anzahl ihrer Dirndl im Schrank, über die Selbstzufriedenheit der Münchner und über die Klischees der Stadt.

Interview: Arno Makowsky

SZ: Frau Weishäupl, wie viele Dirndl haben Sie im Schrank?

Tourismus-Chefin Gabriele Weishäupl.

(Foto: Foto: dpa)

Weisäupl: Ja, was ist denn das für eine Frage? Ich dachte, Sie kommen von der Süddeutschen. Das klingt eher nach Yellow Press ...

SZ: Moment! Wir fragen deshalb, weil Sie als Tourismuschefin immer betonen, dass München viel mehr zu bieten hat als Dirndl und Wiesn, ander-rseits leben Sie aber auch von solchen Klischees.

Weishäupl: Gut, da haben Sie Recht, das ist tatsächlich eine Zwitterstellung. Es war für mich von Anfang an Traum und Trauma, dass diese Stadt weltweit ein heiß geliebtes, aber vergröbertes Klischee hat: Oktoberfest, Bier, Blasmusik.

Als ich 1985 angefangen habe, da war 175. Wiesn-Jubiläum. Da bin ich wacker rein im Dirndl, es hat mich richtig reingerissen, wie in einen Strudel. In den nächsten Jahren konnte ich mich dann nur schwer vom Image der Dirndlkönigin befreien.

SZ: Wie haben Sie es geschafft?

Weishäupl: Ich fing an, das Image Münchens zu verbreitern in Richtung Kultur und Geschichte. Ich bin mit Opernsängern auf Reisen gegangen, der damalige Staatsintendant August Everding hat uns geholfen.

Ich habe Ausstellungen und Museen in den Vordergrund gestellt, es ging zum Beispiel um 200 Jahre Englischer Garten. Aber natürlich auch ums Hofbräuhaus. Da waren wir wieder beim Traditionellen.

SZ: Ihr Lieblingsklischee von München?

Weishäupl: Natürlich die Wiesn, die Atmosphäre dieses Festes. Damit kann ich mich schon identifizieren, ich bin ja offiziell auch Oktoberfest-Leiterin.

SZ: Die Konkurrenz schläft nicht. Berlin operiert auch wirkungsvoll mit Klischees, inszeniert sich als aufregende Hauptstadt, die als sexy gilt ...

Weishäupl: ... und als arm ...

SZ: ... ja, aber was setzen Sie dem entgegen?

Weishäupl: Diesem Image brauchen wir nichts entgegen zu setzen, wir haben keinerlei Veranlassung zum Vergleich. Denn München hat eine eigenständige Position im Auge der Welt.

Wir gelten als sympathisch, weltoffen, bajuwarisch, kulturell und positiv. Wenn Sie München sagen, heißt das Gefühl, Emotion. Da brauchen wir nicht nach Berlin zu starren.