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Westtangente: Die Entscheidung:Erst die Bürger, dann der Stadtrat

Martin Vieregg und Karl Auerswald sollen ihre Gutachten im Gremium vortragen - bloß nicht vor dem Bürgerentscheid, wenn es nach OB Tobias Eschenbacher geht.

Von Kerstin Vogel

Die Anti-Tangenten-Fraktion im Stadtrat lässt nicht locker: In einem gemeinsamen Antrag fordern Grüne, ÖDP und Linke "die Anhörung zweier Sachverständiger im Stadtrat". Gemeint sind die Verfasser der Gutachten, die das Bündnis "Besser ohne Westtangente" in der vergangenen Woche präsentiert hatte: Verkehrsberater Martin Vieregg, dessen Büro einen deutlichen Anstieg der Kosten auf 130 Millionen Euro prognostiziert, und der Weihenstephaner Professor Karl Auerswald.

Der Bodenkundler Auerswald hatte in der vergangenen Woche aufhorchen lassen, weil er mit dem Bau der Westtangente erhebliche Gefahren auf das Freisinger Trinkwasser zukommen sieht. Die Stadtwerke haben seinen Annahmen dazu zwar widersprochen, trotzdem soll der Wissenschaftler seine Untersuchungen nun auch dem Stadtrat vortragen dürfen. Neben dieser Anhörung haben die beteiligten Fraktionen außerdem beantragt, die Rechtmäßigkeit der ausgewiesenen Schutzzonen für das Trinkwasserschutzgebiet in Vötting überprüfen zu lassen. Auerswald hatte unter anderem behauptet, die Grenzen dieses Gebietes seien viel zu eng gezogen.

Zumindest den Antrag, die beiden Experten anzuhören, hatte Grünen-Stadtrat Jürgen Maguhn bereits am Montag im Hauptausschuss gestellt. Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher hatte diese Forderung jedoch mit Verweis auf den bereits am kommenden Sonntag anstehenden Bürgerentscheid zur Westtangente abgelehnt. "Bis einschließlich kommenden Sonntag ist das Thema Westtangente kein Thema für den Stadtrat", sagte er der SZ. Es sei die Entscheidung des Aktionsbündnisses gewesen, das Votum aus dem Stadtrat heraus an die Bürger zu übergeben, so Eschenbacher. "Da kann man nicht drei Tage vor der Abstimmung hingehen und es zurück in den Stadtrat holen, nur weil es ihnen gerade so passt." Zugleich betonte er, dass "Einwände postwendend an die zuständigen Behörden weitergeleitet" würden. Sofern die Freisinger am Sonntag für den Bau der Trasse stimmten, werde der Stadtrat die Bedenken "noch vor einem Projektbeschluss behandeln", versprach Eschenbacher.

Der Landtagsabgeordnete der Grünen, Christian Magerl, hat unterdessen gut 50 interessierten Bürgern noch einmal gezeigt, wo genau die Trasse der Westtangente durch das Freisinger Moos verlaufen wird. Bei einem Spaziergang zum Vöttinger Weiher wies er am Mittwoch erneut auf die Bedeutung dieser Landschaft für den Naturschutz hin. Meterhohe Rampen und Brücken über die Gräben und Feldwege würden die wertvollen Reste der alten Moorlandschaften völlig zerstören, kritisierte er. Teilweise werde in europäisches Fauna-Flora-Habitat und in Vogelschutzgebiete eingegriffen. Außerdem werde der Vöttinger Weiher als "familienfreundliches Naherholungsgebiet" stark beeinträchtigt.

Wie stark, das ließen sich die Spaziergänger anschließend genau vor Augen führen. Auf Schildern hatten die Tangentengegner markiert, wo genau die Trasse verlaufen würde, den Rest schilderte Magerl. Dass die umstrittene Umgehungsstraße wirklich sehr nah an das Erholungsgebiet heran gebaut wird, war anschließend jedem klar - und auch, wie nah sie dem Trinkwasserschutzgebiet kommt. Magerl: "Das wird ein Riesen-Riegel in der Landschaft." Eine Absage erteilte der Politiker, der auch Kreisvorsitzender des Bundes Naturschutz ist, allerdings auch allen anderen Varianten einer Westumfahrung durch das Moos. Zwar hat der von den Tangentengegnern beauftragte Verkehrsberater Vieregg in seinem Gutachten andere Trassen als besser geeignet empfohlen, Magerl stellte jedoch klar: "Auch das ist mit dem Bund Naturschutz nicht zu machen."

© SZ vom 20.09.2013

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