Streit um Asam-Komplex Kein Dach für den Innenhof

Projekt scheitert nach erregter Debatte im Hauptausschuss knapp - und Benno Zierer nennt die Kollegen mutlos

Von Kerstin Vogel

- Der Asam-Innenhof soll nun doch kein Glasdach erhalten, jedenfalls nicht, wenn es nach dem Hauptausschuss geht: Der hat am Montag überraschend gegen das Projekt entschieden. Außerdem soll die gesamte Sanierung des Asamkomplexes in einem Zug erfolgen, so ein weiterer Beschluss, der aber wie die Entscheidung zur Überdachung des Hofs noch vom Stadtrat bestätigt werden muss. Dabei birgt vor allem das Votum zum Glasdach Konfliktpotenzial: Es fiel mit 6:5 Stimmen denkbar knapp aus - in der Diskussion darüber gerieten einige Stadträte harsch aneinander. Alle Kostenschätzungen zur Asamsanierung werden unterdessen weiter als eine Art Geheimsache behandelt.

Eine Ausnahme allerdings gibt es: Was das Glasdach, das noch im Juni im Hauptausschuss einhellig favorisiert worden war, kosten würde, das weiß man inzwischen: 2,3 Millionen Euro - das hat einigen Stadträten nun doch noch einmal zu denken gegeben. Bei einer Besichtigungsfahrt Anfang Oktober hatte man sich zwar davon überzeugt, dass es optisch wirklich ansprechende Lösungen auch für denkmalgeschützte Gebäude gibt. Ob es aber das bayerische Innenministerium, der Comité-Hof der Residenz in München, das Maximilianmuseum in Augsburg oder die Lehrerakademie in Dillingen war: Überall zeigten sich Probleme mit der Akustik, teilweise wurde auch die Überhitzung der überdachten Innenhöfe und -räume beklagt.

Das Urteil des Freisinger Kulturreferatsleiters Ingo Bartha fiel vor allem wegen der Schwierigkeiten mit der Akustik dementsprechend vernichtend aus: für Aufführungen mit Musik oder viel Sprache ungeeignet. Für Kulturreferent Hubert Hierl (CSU) Grund genug, sich schweren Herzens von der "schönen Idee" eines überdachten Asam-Innenhofes zu verabschieden. Man könne ja nicht gegen die Nutzer entscheiden, argumentierte er. Wenn ein Innenhof mit Glasdach nicht so genutzt werden könne, wie gewünscht, seien 2,3 Millionen Euro schlicht zu teuer. Ähnlich argumentierten Rosi Eberhard (Grüne) und Heidi Kammler für die Mehrheit der SPD-Fraktion, während ihr Parteifreund Hubert Schwarzer bei seinem Standpunkt pro Glasdach blieb: "Das ist eine einmalige Chance", sagte er: "Wir sanieren das Asamgebäude schließlich für die nächsten Jahrhunderte."

Ordentlich angeheizt wurde die Debatte von Benno Zierer (FW): "Alles, was ich nicht haben will, rede ich schlecht", kritisierte er die Haltung der Verwaltung. Trotz der erkannten Mängel seien die Nutzer der besichtigten Höfe begeistert gewesen. Wie man den überdachten Innenhof nutzen werde, das werde sich schon zeigen, sagte er. Sobald in Freising jedoch etwas verändert werden solle, sei der Stadtrat "mutlos, visionslos und zaghaft". Langsam sei er "frustriert in diesem Gremium", meckerte Zierer - ein Vorwurf, der ihm von Stadtrat Hierl die Rüge einbrachte, nicht so populistisch zu agieren: "Sie spielen sich auf, als seien sie der einzige Kulturträger hier."

An dem Glasdach festhalten wollen neben Zierers Freien Wählern auch die Stadträte der Freisinger Mitte. Auch sie würden es dabei auf einen Konflikt mit den Denkmalschützern ankommen lassen. Die haben bereits wissen lassen, dass sie ihre Zuschüsse bei einer Entscheidung für das Glasdach streichen. Allerdings konnte auch hier niemand sagen, wie hoch dieses Zuschüsse denn wohl ausfallen würden - Zierer wollte lediglich gehört haben, dass sie ohnehin "marginal" seien, "weil die Denkmalschützer selber kein Geld haben". Zweiter Bürgermeister Rudolf Schwaiger, der die Sitzung in Abwesenheit von OB Tobias Eschenbacher leitete, gab zu bedenken, dass von der Stellungnahme des Landesamts für Denkmalpflege jedoch auch andere Zuschüsse abhängen würden.

Am Ende stimmten CSU, Grüne und für die SPD Heidi Kammler gegen das Glasdach; Freie Wähler, Freisinger Mitte, FDP und Schwarzer dafür - was für die Stadtratssitzung am 13. Dezember eine erneute Diskussion erwarten lässt. Kaum zu rechnen ist dagegen damit, dass bis dahin schon konkretere Zahlen für das Gesamtprojekt Asamsanierung auf dem Tisch liegen. Offenbar verschreckt durch die Kostensteigerungen, die zuletzt bei Projekten der Stadt immer wieder mal bekannt gegeben werden mussten, hat man sich nun wohl darauf verständigt, gar keine Kostenschätzungen mehr zu veröffentlichen.

Wer genau hinhört und dann rechnet, kann jedoch davon ausgehen, dass aktuell so zwischen 40 und 50 Millionen Euro erwartet werden: FSM-Stadtrat Ludwig Kropp beispielsweise stellte am Montag die Rechnung auf, dass das Glasdach "etwa fünf Prozent" der Gesamtsumme ausmachen würde, was Wolfgang Jobst von der Stadtverwaltung später als "in etwa richtig" bezeichnete. Mit dem einfachen Dreisatz gerechnet, käme man so auf Gesamtkosten von 46 Millionen Euro.

Noch teurer würde es allerdings, wenn man die Sanierung nicht in einem Zug durchführen, sondern sie in Bauabschnitte aufteilen würde. Das hat Projektsteuerer Fabian Schäfer am Montag im Hauptausschuss deutlich gemacht. Zwar könnte die Finanzierung bei einer Entscheidung für Bauabschnitte zeitlich gestreckt werden, räumte er ein. Auf der anderen Seite aber seien erhebliche Nachteile unter anderem durch die kompliziertere Baustellenlogistik, eine für längere Zeit eingeschränkte Nutzung und eben Kostennachteile zu erwarten. Strecke man die Baumaßnahme auf fünf Jahre komme man auf geschätzte Mehrkosten von rund neun Millionen Euro, fasste Schäfer zusammen.

Fenster zum Asam-Innenhof - der wohl auch weiter ohne ein Glasdach auskommen muss.

(Foto: Marco Einfeldt)