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im Schatten des Flughafens:Schädliches Wachstum

SPD-Kreisverbände aus Freising und Erding diskutieren über die Sorgen und Nöte der Boomregion. So mancher hat Angst vor Ausweitung des Nachtflugverbots nach dem Aus für die dritte Startbahn.

Freising"Wachstum bis der Arzt kommt - Sorgen und Nöte in der Boomregion": Zu diesem Thema hatten die SPD-Kreisverbände Erding und Freising ins Viva-Vita-Tagungshaus geladen. Eines der Hauptprobleme der Flughafenanrainer war schnell ausgemacht: Das Wohnen ist zu teuer. Abhilfe soll ein verstärkter sozialer Wohnungsbau schaffen. Dabei will die SPD den Bund mehr in die Verantwortung nehmen.

In den Landkreisen Erding und Freising fehlen zwischen 2000 und 3000 bezahlbare Wohnungen - diese Rechnung präsentierte der Bundestagsabgeordnete Ewald Schurer. Auch mancher Vollverdiener am Flughafen könne sich die Mieten nicht leisten, betonte er. Die Gemeinden müssten darum den sozialen Wohnungsbau forcieren. Als Vorbild wurde Freising genannt. "Freising hatte immer einen hohen Bestand an Sozialwohnungen und hat diesen auch immer weiter saniert", sagte Stadträtin Heidi Kammler. Demnächst werde die neue städtische Wohnanlage an der Isar-/Finkenstraße bezugsfertig. Eine Zweizimmer-Wohnung mit 50 Quadratmetern kostet warm 467 Euro, berichtete Kammler. "Die Nachfrage ist riesig".

Einig waren sich die Teilnehmer, dass der Bund den Gemeinden beim sozialen Wohnungsbau unter die Arme greifen müsse. Ein entsprechendes Förderprogramm für die Kommunen forderte Michaela Meister, Vorsitzende des Unterbezirks Erding. Zustimmung fand aber auch dieser Vorschlag aus der Teilnehmerrunde: Der Flughafen sollte doch Werkswohnungen für seine Beschäftigten zur Verfügung stellen.

Mit dem Aus für die 3. Startbahn sei der Region erst mal "eine riesige Last von den Schultern genommen worden", erklärte die stellvertretende SPD-Kreisvorsitzende Beate Frommhold-Buhl vor den rund 40 Zuhörern. Den beiden Landkreisen gehe es wirtschaftlich gut, die Arbeitslosenquote sei extrem niedrig - doch der starke Zuzug stelle die Kreise auch vor große Probleme, so Frommhold-Buhl. Die Kommunen müssten beispielsweise die Infrastruktur für die Kinderbetreuung zur Verfügung stellen. "Die Gemeinde bauen wie wild Krippen", so Frommhold-Buhl, trotz der Zuschüsse blieben sie "auf hohen Kosten sitzen".

Auch der ständig ansteigende Verkehr belaste nicht nur für die Gesundheit der Menschen, sondern auch die Finanzen der Gemeinden. Darüber hinaus gebe es erhebliche Lücken im öffentlichen Nahverkehr. Ein Zuhörer kritisierte, dass der Flughafen "bis heute keinen Werksbus auf die Reihe gekriegt hat". Grundsätzlich sollte sich der "Moloch Flughafen" mehr an den Kosten für die Infrastruktur beteiligen, erklärte Schurer.

Auf die drohende Schere zwischen Stadt und Land verwies der SPD-Landtagsabgeordnete Martin Güll an. Er sprach sich dabei für den Erhalt der Schulen auch in kleinen Gemeinden aus. "Mit einer Gemeinschaftsschule können wir das schaffen", so Güll. Eine weitere Sorge formulierte SPD-Stadträtin Heidi Kammler: Wenn nun die dritte Startbahn nicht komme, könnte der Flughafen versuchen, stattdessen "mehr Nachtflüge zu starten". Sie bat Ewald Schurer eindringlich, "Druck zu machen, dass das Nachtflugverbot nicht noch mehr aufgeweicht wird".