Fernwärme für Neufahrn Lange Leitung

Der Marktplatz ist eine einzige Baustelle, doch die Gastronomen und Geschäftsleute nehmen es gelassen, schließlich ist sowieso gerade Saure-Gurken-Zeit

Von Birgit Grundner

Donato Pucciano kann auf einen gewissen Sicherheitsabstand setzen. Die Baustelle für die Fernwärmeleitung ist erst in der Mitte des Marktplatzes angekommen und damit noch ein gutes Stück von seinem italienischen Lokal entfernt. Früher oder später wird er sie jedoch vor der Tür haben. Und das so kurz nach der Wiedereröffnung der länger geschlossenen Pizzeria neben der Bücherei. Doch der junge Gastronom lässt sich die Freude über den beruflichen Neustart nicht nehmen und bleibt gelassen: "Abends hören die Arbeiten ja auf." Das hilft den Geschäftsleuten am anderen Ende des Marktplatzes zwar nichts. Vor ihren Läden wird jetzt schon gearbeitet, und das genau zu den Öffnungszeiten. Aber die Aufregung darüber hält sich trotzdem in Grenzen.

Jetzt ist eh gerade Saure-Gurken- Zeit", sagt etwa Mike Kürzinger von "Schreibwaren Glück". Hauptsache, sein Geschäft sei überhaupt noch erreichbar, "und solange die Baustelle bis zum Schulanfang wieder weg ist, hab ich damit kein Problem". Geschickt hat die Bauarbeiter die STEAG New Energies GmbH, die für den Zweckverband das Biomasseheizkraftwerk im Gewerbegebiet betreibt und künftig bis in den Freizeitpark Fernwärme liefern wird. Das Schwimmbad, die Schulen, der Kindergarten und die Sporthallen sollen dort zum Beispiel mitversorgt werden. Für 1,5 Millionen Euro wird deshalb eine 1,5 Kilometer lange neue Leitung quer durch Neufahrn verlegt: vom Freizeitpark durch das geplante Neubaugebiet Neufahrn-Ost und den Lindenweg über den Franziskuspfad und den Marktplatz zur Grundschule am Fürholzer Weg.

Bei der Festlegung der Leitungsstrecke standen laut STEAG zwei Hauptkriterien im Vordergrund: Die Strecke sollte nicht zu lang sein, und es sollten möglichst "interessante Objekte" in der Nähe sein. Dazu gehören etwa mehrgeschossige Gebäude wie diejenigen am Marktplatz. Auch das Rathaus soll angeschlossen werden. Alle Vorbereitungen dafür werden bereits getroffen - allerdings hat die Gemeinde noch bestehende Erdgasverträge. Das katholische Pfarrzentrum will ebenfalls Anschlüsse. Den größten Teil der gesamten Leitungsarbeiten hat die STEAG schon erledigt, derzeit sind der Kirchenvorplatz und eben der Marktplatz dran. Vor diesem Bauabschnitt hatte die STEAG extra noch das Bürgerfest abgewartet. Doch jetzt ist der Marktplatz im nördlichen Teil auf einer Breite von zwei Metern aufgegraben.

Dort werden die wärmegedämmten Rohre verlegt, über welche die thermische Energie vom Heizkraftwerk zu den Kunden transportiert wird. Schweißtreibend ist das jetzt erst einmal für die Arbeiter. Die Männer müssten bestimmt ganz schön schwitzen, vermutet Christian Fruntke vom "Fruchthaus Casaverde". Mit der Baustelle kann auch er gut leben: "Es ist sowieso eine staade Zeit - Neufahrn ist fast wie ausgestorben." Einige Geschäfte am Marktplatz machen deshalb gleich Sommerpause, und Gudrun Roth öffnet ihr Back Café nur vormittags. Die Arbeiten vor der Tür stören sie nicht: "Es ist ja kein Dauerzustand, und irgendwann muss es halt gemacht werden." Die Maschinen seien meist nur ein paar Minuten zu hören, hat Ismet Erturtul vom "Juwelier Cumhur" festgestellt. Deshalb seien die Arbeiten auch insgesamt "nicht so extrem laut" und "nicht schlimm". Und abends stört die Baustelle allenfalls noch optisch. Die Aussicht sei "nicht so prickelnd", findet eine der Bedienungen im mexikanischen Lokal "Viva", vor dem viele Gäste im Freien sitzen.

Von der vorübergehenden Beeinträchtigung abgesehen, gefällt dem italienischen Wirt Donato Pucciano der Marktplatz aber sehr gut. Das war auch einer der Gründe, warum der 36-Jährige die Möglichkeit, ein Lokal in München zu übernehmen, sausen ließ und sich für Neufahrn entschied. Außerdem arbeite er lieber in einem vergleichsweise kleineren Ort, in dem man die Gäste auch wirklich kennen lernen könne, sagt Pucciano, der zuletzt in einer Echinger Pizzeria als Koch beschäftigt war.

Die ersten Kontakte seit der Eröffnung vor einer Woche waren offenbar vielversprechend. Obwohl es so kurz nach dem Start noch kleinere personelle und organisatorische Probleme gab und sich das Team erst einarbeiten muss, sind am Ende alle Kunden "mit einem Lächeln rausgegangen", freut sich Donato Pucciano: "Und das ist das Wichtigste."