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Abgeworben:Pfaffenhofen holt sich Kompetenz aus Freising

Gerald Baumann wird Stadtbaumeister im Hopfenland. Auch Wolfgang Jobst verlässt die Stadtverwaltung

- Die Freisinger Stadtverwaltung verliert im kommenden Frühjahr zwei ihrer Spitzenbeamten. Während sich der Leiter des Freisinger Hochbauamts, Wolfgang Jobst, nach Neutraubling verändert, um künftig näher an seinem Wohnort Alteglofsheim arbeiten zu können, verlässt Gerald Baumann das Stadtplanungsamt in Richtung Pfaffenhofen. Dort wird er nicht nur als Stadtbaumeister, sondern auch als berufsmäßiger Stadtrat eine "reizvolle Aufgabe" übernehmen, wie Baumann gestern sagte. Gleichwohl falle es ihm sehr schwer, aus Freising wegzugehen, räumte er ein.

Berufsmäßige Stadträte sind kommunale Wahlbeamte, die vom Stadtrat für sechs Jahre gewählt werden können. Obwohl Pfaffenhofen kleiner ist als Freising, gibt es dort so eine Stelle laut Baumann bereits für die Abteilung Recht und Ordnung. Um auch die Stadtplanung in die Hände eines berufsmäßigen Stadtrats geben zu können, habe der Pfaffenhofener Stadtrat extra die Geschäftsordnung geändert. Als kommunaler Wahlbeamter trage man auch politisch die Verantwortung für seine Arbeit, schildert Baumann seinen neuen Aufgabenbereich. Man habe Rede- und Antragsrecht im Stadtrat, dürfe aber nicht mit abstimmen. Sollte er nach sechs Jahren nicht wiedergewählt werden, sei er den Job allerdings los. Als Trost bleibe, dass ihn die Stadt Freising dann zurücknehmen müsse. Er werde für die Dauer seiner Tätigkeit in Pfaffenhofen lediglich freigestellt.

Bei aller Begeisterung über die neue Aufgabe verlässt Baumann Freising mit einem weinenden Auge. Denn die Stadt sei wegen ihrer Schönheit, ihrer Infrastruktur und der nahen Universität Weihenstephan für einen Stadtplaner ein absolut spannendes Aufgabengebiet. In den fast vier Jahren, die Baumann hier gearbeitet hat, hat er unter anderem die Innenstadtkonzeption und die Planungen für die Sanierung des Asamgebäudes mit auf den Weg gebracht - und er hätte auch gerne die Umsetzung noch mit erlebt, wie er sagt. Zwar sei es von seinem Wohnort Ingolstadt nach Freising nicht all zu weit: "Aber wenn man später zu Besuch kommt, ist das nicht dasselbe."

Mehr als zehn Jahre hat Wolfgang Jobst an der Spitze der Stadtverwaltung mitgearbeitet. Er kam 2001 in die Domstadt und war früher schon einmal Stadtbaumeister in Neutraubling.

"Das tut schon weh, wenn zwei so wichtige Leute die Stadtverwaltung verlassen", räumte Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher am Donnerstag ein - auch wenn er vollstes Verständnis für die beiden Entscheidungen äußerte. Er habe zu beiden Spitzenbeamten auch persönlich ein gutes Verhältnis und sei frühzeitig über ihre Absichten informiert gewesen. Eschenbacher: "Es hat mich nicht überrascht - auch nicht, dass die Pfaffenhofener Baumann haben wollten." Dort hatten es am Ende zwei externe Kandidaten in die Endauswahl um den Posten des zweiten berufsmäßigen Stadtrats geschafft - die Mehrheit für Baumann aber fiel recht eindeutig aus, wie der Donaukurier in seiner Online-Ausgabe meldet. "Er ist der Richtige für unsere Stadt, weil er in Freising ähnliche Probleme zu lösen hatte und gute Denkansätze gezeigt hat", wird Bürgermeister Thomas Herker (SPD) dort zitiert: "Dieser Mann kann uns weiterhelfen."

Herker wird als nächstes nun mit seinem Freisinger Kollegen Eschenbacher über die Frage verhandeln müssen, wann genau er Baumann haben kann. Der Stadtplaner selber geht von März oder April aus; etwa zu der Zeit wird voraussichtlich auch Jobst seinen Abschied nehmen. Nachdem der Wechsel des Hochbauamtsleiters auch schon etwas länger bekannt ist, ist die Stadt Freising hier auch bei der Suche nach einem Nachfolger schon etwas weiter. Erste Gespräche mit Bewerbern würden im Frühjahr geführt, so Eschenbacher - und es seien auch Interessenten aus dem eigenen Haus darunter.