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Finanzwirbel:Pinakothek der Moderne bleibt unvollendet

Weil der Neubau für die Sammlung Brandhorst an der Ecke Theresien-/Türkenstraße deutlich teurer wird als ursprünglich geplant, kann der zweite Bauabschnitt der Pinakothek der Moderne nicht realisiert werden. Die Konsequenz: Die Staatliche Graphische Sammlung leidet weiter unter Raumnot.

Von Alfred Dürr

In den Wettbewerbsunterlagen für den Bau des Brandhorst-Museums, für das der Stadtrat heute den Bebauungsplan beschließt, ging es vor zwei Jahren noch um klare Kostenvorgaben: 35 Millionen Euro dürften nicht überstiegen werden.

Inzwischen liegen die Finanzkalkulationen aber schon bei 46 Millionen Euro. Das sei keine explosionsartige Kostensteigerung, so Angelika Kaus, die Sprecherin des bayerischen Kunstministers Thomas Goppel. Es habe sich seit längerem gezeigt, dass im Zug der detaillierten Ausführungsplanungen für den Museums-Neubau an der Ecke Theresien-/Türkenstraße (Architekten Sauerbruch und Hutton) auch höhere Bausummen fällig würden.

Das Haus für die Sammlung Brandhorst wird demnächst in unmittelbarer Nähe der Pinakothek der Moderne errichtet. Der Wert der Sammlung wird auf mehr als 100 Millionen Euro geschätzt. Außerdem kann man mit dem Stiftungsvermögen den Kunstbestand weiter ausbauen.

Die Sammlung Brandhorst werde das reichhaltige Spektrum künstlerischer Ausdrucksformen in der Pinakothek der Moderne insbesondere im Bereich der Gegenwartskunst spektakulär erweitern, hatte sich Goppels Vorgänger, Hans Zehetmair, gefreut, als sich Udo Brandhorst für München entschied.

Beim Freistaat setzt man alles daran, die vertraglichen Verpflichtungen, die man mit Brandhorst vor allem auch hinsichtlich der Bautermine eingegangen ist, einzuhalten. In diesem Zusammenhang ist es um das andere große Bauvorhaben, um die Erweiterung der Pinakothek der Moderne des Architekten Stephan Braunfels mit dem L-förmigen zweiten Bauabschnitt entlang der Türken-/Gabelsbergerstraße recht still geworden.

Die schmalen Gebäude-Streifen sollten sich wie eine Schale um das Haupthaus der Pinakothek legen. Hier wollte man die schon lange unter schwierigen Platzverhältnissen leidende Staatliche Graphische Sammlung - die schöne Ausstellungsräume in der Pinakothek hat, aber die Büros und Werkstätten in der Meiserstraße - mit ihren Verwaltungs- und Depoträumen unterbringen.

Noch im September vergangenen Jahres hatte der damalige Minister Zehetmair gesagt, Braunfels' zweiter Bauabschnitt werde kommen. Es müsse nur noch der Architektenvertrag unterschrieben werden. Die Graphische Sammlung werde nicht an der Finanzierung scheitern.

Kunstministerium: "Strenge Sparzwänge"

Es standen aber nur rund 50 Millionen Euro für beide Projekte (Brandhorst und zweiter Bauabschnitt der Pinakothek) zur Verfügung. Nach den Kostensteigerungen bei der Pinakothek war der Landtag vorsichtig geworden und setzte ein klares Finanzlimit. Jetzt ist die Rechnung relativ einfach: Für die noch verbleibenden vier Millionen Euro ist der zweite Bauabschnitt mit der Graphischen Sammlung nicht zu schaffen.

"Wir haben strenge Sparzwänge", sagt Ministeriumssprecherin Kaus. Das Geld reiche oft nicht einmal für die Sanierung bestehender Gebäude. Durch die vertraglichen Verpflichtungen habe das Museum Brandhorst Priorität.

So bleibt die Pinakothek der Moderne, die von Anfang an mit einem zweiten Bauabschnitt geplant war, unvollendet - bis wieder bessere finanzielle Zeiten kommen. Und die Graphische Sammlung, ein Museum von Weltrang mit inzwischen 400000 Blättern, muss sich wohl noch länger mit räumlicher Enge quälen.

© SZ vom 14.7.2004
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