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Eröffnung Schrannenhalle:Sushi, Weißwurst und schwebende Menschen

Endlich ist die Schrannenhalle für jedermann offen. Die Besucher wählen zwischen Ochsenfleisch und Tintenfisch. Verlorengegangene Tischbeine raubten den Veranstaltern den letzten Nerv.

Stefan Wolf

Drinnen wuseln bis zuletzt Arbeiter, Gastronomen, Veranstalter und Organisatoren in den Gängen der Halle. Draußen bewachen Sicherheitsleute das Gebäude, als hätten sie das Kanzleramt zu beschützen. Und überall Baulärm: Die letzten Löcher werden gebohrt, die letzten Nägel in die Bretter geschlagen, die letzten Ecken abgeschleift. Dann läuft alles rund: Die Band spielt auf. Die Schrannenhalle öffnet ihre Pforten, direkt neben dem Viktualienmarkt.

Pünktlich halb elf zerschneiden Kommunalreferentin Gabriele Friderich und der Geschäftsführer der Münchner Schrannenhalle GmbH, Klaus D. Thannhuber gemeinsam das rote Band vor dem Haupteingang.

Pünktlich, das ist das Stichwort. Denn wie Organisator Jürgen Lochbihler erzählt, seien die Vorbereitungen keineswegs reibungslos verlaufen. So wären 300 Tischbeine einfach so verschwunden. "Jetzt haben wir Ersatz. Und hinter irgendeiner Tür werden wir die Dinger demnächst finden." Dennoch verspüre er "Begeisterung für die Halle, auch wenn der Münchner an sich gern einmal das Haar in der Suppe findet".

Das können die Leute nun suchen. Über die Vielfalt der rund 50 Läden, die bis zu 20 Quadratmeter Fläche bieten können, gibt es allerdings nix zu meckern.

Menschenmassen und Geruchsabenteuer

In der Schrannenhalle werden sowohl Gourmets als auch Liebhaber der einfachen Küche satt werden. Sushi, Weißwurst, Ochsenfleisch. Brez'n, Bonbons, Strudl. Der Gang durch die Halle führt von einem Geruchsabenteuer ins nächste.

"Greifen sie zu", ruft die Verkäuferin der "Porcheteria bavarese" einer Besucherin zu. Die nimmt sich ein Stück frisches Brot und testet sich durch die verschiedenen Sorten Senf auf der Theke. Feigensenf, Kräutersenf, Thüringer Küchensenf, Premiumsenf und Bärlauchsenf. "Der erste hat mir am besten geschmeckt." Kaufen will sie ihn trotzdem nicht. Sie bahnt sich ihren Weg durch die Menschenmassen.

Fliegen müsste man können. Einer dem das scheinbar gelingt ist Johan Lorbeer. Mit einem Arm an eine Wand gelehnt steht er lässig herum. Falsch, er schwebt lässig herum. Drei Meter in der Höhe hat er sich über den Köpfen der Passanten einen exklusiven Platz gesichert - ohne Gedränge. Dafür zieht er erstaunte Blicke an und so mancher fragt sich: "Wie macht der das?"

Auch vor den Handwerksständen bilden sich Menschentrauben. Hut- und Schuhmacher, ein Goldschmied, Porzellanhersteller und Glasbläser stellen ihre Werke zur Schau und zum Verkauf.

typisch bayrisch-modern

"Magst du das", fragt eine Frau ihren Mann, als sie an dem englischen Teestand vorbeikommen. "Nein, ich mag nur das Guiness von dort", antwortet der. Sie kauft trotzdem eine Packung.

Die "Express Brass Band" spielt auf der Bühne groß auf. Eine Mischung aus Jazz, Blues und Dixieland. Der Mann mit der Tuba gibt den Takt vor und fuchtelt mit den Armen in der Luft herum. Die Band versteht die Kommandos und Trompeten, Saxophone und Triangeln geben alles.

"Siehst du, das ist typisch bayrisch-modern", fällt einem Mann dazu ein. Er schnippt mit den Fingern zur Musik. "Es ist ganz nett zum Flanieren hier, ein bisschen amerikanisch, das find ich gut", lautet sein Fazit zur Schrannenhalle.

Was Schranne allerdings heißt, weiß er nicht. Schranne ist der süddeutsche Ausdruck für Getreidemarkt. Das war früher einmal - heute kann man hier international speisen, sich einen Hut kaufen und vielleicht auch dreihundert Tischbeine finden.

Die Schrannenhalle am Viktualienmarkt 15 ist rund um die Uhr geöffnet.

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