Weniger Geschäftsstellen:Geldinstitute unter Druck

Weniger Geschäftsstellen: Nicht betroffen von den Filialschließungen bei der VR Bank Taufkirchen-Dorfen ist Fraunberg.

Nicht betroffen von den Filialschließungen bei der VR Bank Taufkirchen-Dorfen ist Fraunberg.

(Foto: Renate Schmidt)

Die Niedrigzinspolitik macht den Volksbank- und Raiffeisenbanken im Landkreis Probleme. Eine Schließung von Geschäftsstellen hat aber bisher nur Taufkirchen-Dorfen beschlossen. Erding und Isen-Sempt wollen fusionieren

Von Gerhard Wilhelm, Erding

Das Niedrigzinsniveau mit Strafzinsen, wenn Banken bei der Europäischen Zentralbank (EZB) Geld parken, hat jetzt auch konkrete Auswirkungen auf die Volks- und Raiffeisenbanken (VR) im Landkreis Erding. Die VR Bank Taufkirchen-Dorfen wird die Geschäftsstellen in Hofkirchen und Ranoldsberg ganz schließen und den Schalterbetrieb in Hohenpolding, Inning, Steinkirchen und Maria Thalheim einstellen, wie Vorstandsvorsitzender Heinrich Oberreitmeier sagte. Die VR Bank Isen-Sempt hatte schon im Sommer reagiert und acht ihrer elf räumlich nahe liegenden Filialen zu vier "Tandemfilialen" zusammengelegt, die abwechselnd geöffnet haben.

Die Gründe sind in der Politik der EZB zu finden. Und die Auswirkungen treffen alle: Privat- wie Firmenkunden und die Institute. Für Geldeinlagen gibt es so gut wie keine Zinsen mehr, Banken müssen sogar zahlen, wenn sie bei der EZB Geld hinterlegen - das sie vorher von den Kunden bekommen haben. Oberreitmeier nannte als Beispiel, dass die VR Taufkirchen-Dorfen für Bundesanleihen mit neunjähriger Laufzeit derzeit 0,11 Prozent Strafzins zahlen müsse. Die Erlöse aus Zinsgeschäfte belaste das Ergebnis der Bank enorm, er sehe auch in den nächsten Jahren keine Besserung. Zurzeit werde dieser Strafzins aber noch nicht an die Kunden weiter gegeben, aber dies könnte sich durchaus ändern.

Bei der Sparkasse Erding wird seit 1. September ein sogenanntes "Verwahr-Entgelt" von 0,4 Prozent erhoben, wenn auf einem Konto mehr als 500 000 Euro liegen. Betroffen sind aber nur institutionelle Anleger und Firmenkunden, nicht Privatkunden. Aber auch als Privatkunde erhält man zwischen 10 000 und 250 000 Euro nur 0,02 Prozent - darunter und darüber keinen Cent.

"Gegen einen komplette Schließung haben wir uns im Juni ausgesprochen, da wir als Bank weiter im Ort präsent sein wollen", sagt Marketingleiter Björn Vogt von der Volksbank- und Raiffeisenbank Isen-Sempt, die neben ihrer Zentrale in Isen Geschäftsstellen in Buch, Forstern, Hörlkofen, Lengdorf, Pastetten, Walpertskirchen und die SB-Filiale in Wörth sowie im Landkreis Ebersberg in Anzing, Forstinning und Hohenlinden betreibt und mehr als 11 000 Mitglieder hat. Jeweils zwei Filialen, wie zum Beispiel in Lengdorf (geschlossen Dienstag und Donnerstag) und Buch am Buchrain (geschlossen Montag, Mittwoch und Freitag) haben seit 1. Juni abwechselnd geschlossen. Wie bei den allerdings kompletten Schließungen bei der VR Bank Taufkirchen-Dorfen geplant, sei dies ohne Kündigungen vonstatten gegangen. "Der Übergang war sehr geräuschlos. Für die Mitarbeiter gibt es auch mit weniger Öffnungszeiten genügend zu tun", sagt der Marketingleiter.

Ob dies so bleiben wird, kann Vogt nicht sagen, da seit Anfang des Jahres mit Zustimmung der Aufsichtsräte Gespräche über einen Zusammenschluss mit der Volksbank- und Raiffeisenbank Erding geführt werden. Wenn alles nach Plan läuft, könnte die Fusion bereits 2017 vollzogen werden.

Die VR-Bank Erding betreibt neben ihrer Hauptstelle in Erding Geschäftsstellen in Klettham, Wartenberg, Reichenkirchen, Neufinsing, Neuching und Ottenhofen sowie einige SB-Filialen am Flughafen München und in Erding und hat mehr als 6000 Mitglieder. "Wir beobachten natürlich das Ganze, aber derzeit sind keine Änderung bei unseren Geschäftsstellen geplant, weder bei den Öffnungszeiten noch Schließungen", sagt Vorstand Josef Kressirer. "Ich kann das aber für die Zukunft nicht ausschließen." Wie bei den beiden anderen VR Banken mache die Niedrigzinspolitik der Volksbank- und Raiffeisenbank Erding zu schaffen. Aber auch das Kundenverhalten habe sich in den vergangenen Jahren geändert. "Immer mehr Kunden erledigen ihre Bankgeschäfte online oder benutzen eine Automaten in der Bank", sagt Kressirer.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB