Wahlen zum Jugendparlament Erding In der Schmiede der Demokratie

Die Jugendparlamentswahlen finden in der nächsten Woche statt - eigentlich nur pro forma, denn es gibt weniger Kandidaten als Sitze. Trotzdem können die Abgeordneten viel erreichen. Sie müssen sich nur Zeit nehmen.

Von Charlotte Theile

Elf Kandidaten für 13 Sitze - so lautet die wenig erfreuliche Ausgangsposition für ein Projekt, das eigentlich von seiner Basisdemokratie lebt: das Erdinger Jugendparlament. "Mehr haben wir eben nicht gefunden" erklärt Jugendreferent Hubert Sandtner (CSU) mit einem angedeuteten Schulterzucken in der Stimme.

Erding

Wer für das Jugendparlament kandidiert

Kurz vor der Nominierungsveranstaltung Ende September hieß es noch, wenn sich keine 13 Abgeordneten zwischen 14 und 22 Jahren finden würden, sei das JuPa, wie es viele nennen, tot - nach nur einer Legislaturperiode.

Nun wird doch gewählt. Vom 15. bis zum 20. Oktober werden in verschiedenen Erdinger Schulen, im Jugendzentrum und im Rathaus Wahlurnen bereit gestellt. Die Wahlbeteiligung von 2010, die bei etwas mehr als zehn Prozent lag, wird allerdings nur schwer zu schlagen sein: Vor zwei Jahren gab es mehr als 20 Kandidaten, also eine richtige Auswahl für die Erdinger Jugendlichen.

Dieses Mal sieht alles ein bisschen anders aus. Von den zwölf Kandidaten, die Ende September in der Stadthalle aufgestellt wurden, ist eine schon wieder abgesprungen, erzählt Bartholomäus Aiglstorfer, der bei der Stadt Erding für Jugend, Sport, Kultur und Schule zuständig ist und das Jugendparlament gemeinsam mit Sandtner unterstützt. "Die Kandidatin meinte, dass es ihr nun doch mit der Schule zu viel wird. Ich habe ihr gesagt, dass sei kein Problem, die Schule geht natürlich vor", erklärt Aiglstorfer.

Er hat Verständnis für die Situation der Jugendlichen - allein, manchmal könnten sie ein wenig mehr Nachdruck gebrauchen. Das sieht inzwischen auch Jugendreferent Sandtner so. "Ich werde versuchen, alles ein bisschen verbindlicher zu gestalten und Vorschläge nachdrücklicher formulieren", sagt er.

Denn die Bilanz des ersten Parlaments ist schon ziemlich ernüchternd: Der Basketballplatz am Weiher, ein Zaun um den Bolzplatz am neuen Gymnasium, einen Info- und Diskussionsabend zum Handelsabkommen ACTA und eine Party im Jugendzentrum. Viel mehr haben die Jugendlichen nicht erreicht - obwohl sie mit großen Zielen in das Projekt gestartet sind.

"Am mangelndem Enthusiasmus lag es nicht" sagt Sandtner, "die jungen Leute waren sehr engagiert. Der Knackpunkt ist die Zeit - davon haben die meisten viel zu wenig." So könnte es auch im neuen Parlament werden. Die Kandidaten, die nun zur Wahl stehen, sind trotz ihres jungen Alters viel beschäftigte Leute: Model United Nations, Feuerwehr, Schülervertretung, zusätzliche Physikkurse bestimmen ihren Alltag.

Mit Politik und dem, was gerade los ist in der Bundesrepublik Deutschland und der Welt kennen sie sich gut aus, Diskussionen führen sie gern und "die eigene Meinung vertreten", das ist etwas, was fast allen Spaß macht. "Gute Leute sind das alle", glaubt Sandtner.

Trotzdem könnte es dem neuen Parlament ähnlich ergehen wie dem letzten, wo die Jugendlichen regelmäßig mit der Gremienarbeit überfordert waren und nur knapp die nötigen Sitzungen abhalten konnten. Liegt es an der Bürokratie? Eigentlich unmöglich, glaubt Sandtner, so ein Antrag sei mit "zwei bis drei Sätzen fertig", man muss sich eben nur darauf einigen.

Und das ist zwischen Schule, Hobbys und ehrenamtlichem Engagement nicht immer leicht zu bewerkstelligen. Ein großes Zukunftsprojekt, Erding 2030 quasi, war den Parlamentariern zu aufwendig. "Das versuchen wir jetzt einfach noch mal" erklärt Sandtner.

Der Jugendreferent beteuert, dass er das Parlament auch bei politisch umstrittenen Themen unterstützen würde - "solange es keine antidemokratischen Formen annimmt", versteht sich. "Wir haben jetzt schon Erfahrung und werden von Anfang an Zuständigkeiten verteilen" verspricht Feyza Altinisik, die schon im vorherigen Jugendparlament dabei war und auch dieses Mal kandidiert.

Dabei können die Abgeordneten auch Hilfe in Anspruch nehmen: Christiane Kickum, die sich als Jugendliche für das Parlament eingesetzt hat, inzwischen aber 25 Jahre und damit zu alt für das Gremium ist, hat den neuen Abgeordneten ihre Unterstützung angeboten. "Oft ist es für Jugendliche schwer zu verstehen, warum alles so langsam geht und wer die richtigen Ansprechpartner für das jeweilige Anliegen sind." Dabei könne man leicht "die Begeisterung verlieren", mit der junge Menschen in neue Projekte starten. Kickum glaubt weiterhin an das Parlament: "Wichtig ist vor allem, dass die Jugendlichen selber lernen, die Demokratie funktioniert."

In der Herzog-Tassilo-Realschule kann am Montag, 15. Oktober, von 11 bis 13 Uhr gewählt werden, im Korbinian-Aigner-Gymnasium Dienstag von 11 bis 14 Uhr, am Anne-Frank-Gymnasium Mittwoch zwischen 11 und 14 Uhr, an der Mittelschule Altenerding Donnerstag von 11 bis 13 Uhr, an der Mittelschule Erding Freitag von 11 bis 13 Uhr. Im Jugendzentrum Erding ist die Wahl Donnerstag, 17 bis 19 Uhr, und Samstag, 16 bis 18 Uhr, möglich. Im Erdinger Rathaus kann von Montag bis Mittwoch sowie Freitag und Samstag zwischen 15 und 17 Uhr gewählt werden.