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Umweltschutz in Erding:Ein Erfolg allen Unkenrufen zum Trotz

Die Vereinten Nationen zeichnen den Bund Naturschutz und drei Landkreise für den Einsatz für die Gelbbauchunke aus. Sascha Alexander von der BN-Kreisgruppe Erding koordiniert vor Ort die aktiven Helfer, stöbert die Tiere auf und kümmert sich um den Erhalt ihres Lebensraums

Von Regina Bluhme, Erding

Das Projekt "Allen Unkenrufen zum Trotz" ist vor kurzem als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet worden. Diese Ehrung wird Projekten zuteil, die sich in besonderer Weise für die Erhaltung der biologischen Vielfalt in Deutschland einsetzen. Die Würdigung wurde durch das Bundesamt für Naturschutz an die Vertretungen der vier Träger, Bund (BN) Naturschutz und die Landkreise Freising, Neuburg/Donau und Altötting, überreicht. Aus der BN-Kreisgruppe Erding wurde Sascha Alexander geehrt. Er war als Koordinator der Aktiven der Gelbbauchunkengruppe aus dem Landkreis derjenige, der unermüdlich Gelbbauchunken in den entlegensten Pfützen und Tümpeln aufstöberte, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

Mit seinen Helfern legte Alexander in der Umgebung der Fundstellen weitere Tümpel an oder sorgte für die Aufwertung der Gewässer, die teilweise nicht nur natürlich zugewachsen, sonder auch mit allerlei Unrat verfüllt worden waren, wie es in einer BN-Pressemitteilung heißt. "Mit unermüdlichem Elan kümmerte er sich nicht nur um die Finanzierung über das Projekt und das Besorgen der erforderlichen Materialien, er hatte auch eine glückliche Hand in den Gesprächen mit Grundstücksbesitzern und der Bayerischen Staatsforstverwaltung, damit sie die Erlaubnis für diese Maßnahmen gaben", heißt es weiter.

Insgesamt wurden mehr als 400 Biotope für die Gelbbauchunke eingerichtet, mehrere Grundstücke für den Erhalt dieses kleinen Froschlurchs gesichert und rund 90 Menschen für den Schutz dieser Art ausgebildet. Mit diesem Projekt werde ein deutliches Zeichen für das Engagement zum Erhalt biologischer Vielfalt in Deutschland gesetzt, unterstrich Freisings Landrat Helmut Petz. Neben der offiziellen Urkunde und einem Auszeichnungsschild erhielt die Trägergemeinschaft einen "Vielfalt-Baum", der symbolisch für die Naturvielfalt steht.

Kleine Gewässer, Quelltümpel, Viehweiden, aber auch Pfützen und wassergefüllte Fahrspuren: Hier fühlt sich die Gelbbauchunke wohl, hier legt sie ihre Eier ab. "Früher ist diese Vielfalt an Kleingewässern in den dynamischen Flüssen und Auen immer frisch entstanden", betonte Christine Margraf, stellvertretende Landesbeauftragte des BN in Bayern "Heute sind die meisten Flüsse baulich so verändert und die Dynamik so eingeschränkt, dass dieser Prozess kaum mehr wirkt." Auch in den Bereichen der Forst- und Landwirtschaft entstünden zu wenig Pfützen, oder sie werden verfüllt. Ein Ziel des Projekts ist es, die verinselten Vorkommen über den großen Raum von sechs Landkreisen zu vernetzen - neben Altötting, Freising und Neuburg sind dies Mühldorf, Erding und Pfaffenhofen. In allen sechs Landkreisen sind die BN-Kreisgruppen und die Unkenpatinnen und -paten aktiv. Sie prüfen im Frühjahr, ob geeignete Gewässer vorhanden sind, im Sommer, ob die Kaulquappen sich entwickeln können, und einige Wochen später, wie viele ausgewachsene Unken überlebt haben. Infoveranstaltungen und Treffen sorgen dafür, dass sich die Ehrenamtlichen über die Projektlaufzeit hinaus um die Unken kümmern können. Diese Aktivitäten haben die UN-Dekade-Fachjury nachhaltig beeindruckt. Schließlich hat die Dekade zum Ziel, möglichst viele Menschen für den Erhalt der Biodiversität zu begeistern.

© SZ vom 31.07.2020

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