Trotz Corona von Krise keine Spur:Baustoffpreise gehen durch die Decke

Trotz Corona von Krise keine Spur: Die Preise beim Bauen steigen derzeit immer schneller, insbesondere Bauholz wird teurer, Dämmstoffe und Baustahl.

Die Preise beim Bauen steigen derzeit immer schneller, insbesondere Bauholz wird teurer, Dämmstoffe und Baustahl.

(Foto: Renate Schmidt)

Kosten für Materialien wie Baustahl, Dämmstoffe oder Holz werden zunehmend unkalkulierbar. Dennoch ist die Auftragslage vor allem beim Wohnungsbau im Landkreis unverändert gut

Von Thomas Daller, Erding

Das Handwerk im Landkreis Erding ist sehr baulastig und in Zeiten der Pandemie ein Motor der Konjunktur, weil die Baustellen nicht verwaist sind und die Handwerker weiter arbeiten können. "Es läuft unverändert gut", sagt Kreishandwerksmeister Rudi Waxenberger, und es zeichne sich nicht ab, dass die Auftragslage schlechter werde. Das ist die gute Nachricht für die Handwerksbranche. Die schlechte ist für die Bauwilligen: Es gibt Engpässe bei den Baumaterialien. Sowohl bei den Dämmstoffen auf Erdölbasis als auch beim Konstruktionsholz und beim Baustahl geht die aktuelle Preisentwicklung so steil nach oben, dass Baufirmen Angebote nur noch nach Tagespreis erstellen. Waxenberger spricht von "dubiosen Begründungen" der industriellen Hersteller und dass die Vermutung nahe liegen könne, dass dabei Preisabsprachen getroffen worden sein könnten.

Die Baukonjunktur hatte seit Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 kaum mit Problemen zu kämpfen. Mal kam es zu Verzögerungen bei der Einreise von osteuropäischen Subunternehmern, dann wurden die Fliesen aus Italien knapp. Aber das waren Kinkerlitzchen im Vergleich zu anderen Branchen. Die Baubranche boomt, und das nicht nur im Speckgürtel um München. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) prognostiziert bundesweit für 2021 allein beim Wohnungsbau Investitionen in Höhe von 265 Milliarden Euro, ein Plus von 3,7 Prozent. Für 2022 erwartet das DIW sogar einen Zuwachs von 5,8 Prozent.

Die Nachfrage treibt allerdings auch die Preise und das in einem Ausmaß, die skeptisch macht, ob sich dabei nur Angebot und Nachfrage aufschaukeln. Beim Baustahlpreis liege man bereits um 80 Prozent höher als dies zum Ende der Saison im Dezember 2020 der Fall gewesen sei, sagte Waxenberger. Der Großteil komme aus Asien und werde in Italien umgeladen. "Angeblich sind die Rohstoffmärkte knapp mit der Produktion", sagte Waxenberger.

Beim Holz, das auf dem Bau benötigt werde, verhalte es sich ähnlich: Ob Bauholz, Konstruktionsholz, Holzfaserplatten oder Holzfaserdämmstoffe, alles habe sich verteuert und werde knapper. Das sei insbesondere spürbar, weil der Holzbau stark im kommen sei. Der Kreishandwerksmeister hält das nicht für nachvollziehbar, weil die Waldbauern auf enorm viel Käferholz und Sturmholz sitzen würden, für das sie nicht genügend Abnehmer finden würden.

Das gleiche Spiel beobachte man bei den Dämmstoffen auf Erdölbasis, die man für die Kelleraußenwände, für den Estrich, die Wärmedämmung oder die Trittschalldämmung benötige. Aktuell lägen sie um 20 Prozent über den Preisen des Vorjahres. "Es gibt Lieferengpässe und Preisverteuerungen ohne Ende", sagte Waxenberger. Auch hier könnten die Baufirmen nur noch Angebote nach Tagespreis abgeben, damit sie nicht auf den Preissteigerungen sitzen blieben. "Das Risiko wird auf die Bauherren abgewälzt." Auch bei diesen Materialien hat Waxenberger schon die abenteuerlichsten Erklärungen für die Preissteigerungen gehört, wie beispielsweise, dass es Anschläge auf Erdölraffinerien gegeben habe.

Und obwohl das Bauen mittlerweile finanziell riskant geworden sei, weil man nicht wisse, was unterm Strich bezahlt werden müsse, sei der Wunsch nach einer eigenen Immobilie ungebrochen. "Es gibt anscheinend immer noch genügend Leute, die den Mut haben, die Sache anzupacken", sagte Waxenberger, vor allem, weil man darin auch eine Altersvorsorge sehe, wenn man in der Rente keine Miete mehr zahlen müsse.

Der Wohnungsbau gelte nach wie vor als stabil, aber beim Büroimmobilienmarkt sei der Einbruch bereits eingetreten. Makler, die solche Flächen im Portfolio hätten, hätten es immens schwer, sie zu vermarkten. Man müsse davon ausgehen, dass sich der Trend zum Homeoffice verfestige und die Nachfrage sinke. "Es ist auch nicht so einfach, Büros in Wohnungen umzuwandeln, weil die Anforderungen ganz anders sind."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB