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Tourismus in Erding:Ausgebucht

Ein klassisches Touristenziel ist Erding abseits der Therme nicht. Das Altstadtfest lockt trotzdem jedes Jahr viele Besucher an.

(Foto: Renate Schmidt)

Die Übernachtungszahlen in den Erdinger Hotels sind 2019 um einen Hauch zurückgegangen. Das könnte daran liegen, dass viele Häuser am Wochenende belegt sind. Die Gäste weichen dann aus

Die Erdinger Hotels sind im Jahr 2019 an ihre Grenzen gestoßen. Sie verzeichneten eine weiterhin sehr gute Auslastung von 61,3 Prozent, die allerdings etwas unter dem Wert ein Jahr zuvor lag (62,6). Dieser Wert sei trotzdem "sehr sehr hoch", sagt Günther Pech, Leiter des Stadtmarketings im Erdinger Rathaus. Aber auch die absolute Zahl der Übernachtungen ist leicht zurückgegangen: von 515 135 auf 514 071, das entspricht einem verschwindend geringen Minus 0,2 Prozent. Pech glaubt, dass die Hotels in Erding vor allem an den Wochenenden keine Gäste mehr aufnehmen können. Deswegen dieser Rückgang, der woanders zum Fortschritt wird: Die Übernachtungszahlen im gesamten Landkreis sind im gleichen Zeitraum um 6,3 Prozent gestiegen, weil die Besucher in die umliegenden Gemeinden ausgewichen seien.

Einen für Erding besorgniserregenden Trend kann Pech in diesen Zahlen nicht erkennen, zumal die Ankünfte der Gäste im Jahr 2019 auch wieder gestiegen ist, sie sind nur nicht so lange geblieben wie im Jahr zuvor: Die durchschnittliche Übernachtungsdauer ist von 1,7 auf 1,6 gesunken. 314 330 Ankünfte von Gästen aus dem In- und Ausland wurden im Jahr 2019 in den Erdinger Hotels registriert, wobei die kleinen Häuser mit weniger als zehn Betten in dieser Statistik gar nicht auftauchen. Die Ankünfte steigen von Jahr zu Jahr, innerhalb von vier Jahren um mehr als 50 000.

Auch wenn die Zahl der Übernachtungen insgesamt leicht rückläufig war, die Zahl der Übernachtungen von ausländischen Gästen war es nicht: Sie stieg 2019 von 183 581 auf 184 474. Die Stadt Erding splittet diesen Wert, der 35,9 Prozent aller Übernachtungen ausmacht, auch nach der Herkunft der Gäste: Gut 143 000 kamen aus Europa, knapp 31 000 aus Asien. Die größte Gruppe stellen mit knapp 80 000 Besuchern die Österreicher dar, die bekanntlich besonders gerne in die Therme Erding gehen. Aus China stammten knapp 24 000 Übernachtungsgäste, viele sind Fluglinien-Beschäftige, die in Erding übernachten, wenn sie am Flughafen ankommen und sich vor dem Rückflug ausruhen.

Der Ausblick auf dieses Jahr fällt wegen der Corona-Krise weniger positiv aus. Seitdem sich das Coronavirus auf der ganzen Welt verbreitet und seitdem Länder ihre Grenzen abriegeln, ist das Reise- und Tourismusgeschäft auch in Erding zum Erliegen gekommen. Bis Februar sei alles "noch positiv" gewesen, sagte Pech, dann kam der Einbruch. "Jetzt geht gar nichts mehr." Das betrifft nicht nur die Hotels und Pensionen, sondern auch die Aktivitäten des Stadtmarketings, das die Tourismusregion Erding in den vergangenen Jahren so intensiv vermarktet hat, dass die Übernachtungszahlen seit 1995 um 1000 Prozent gestiegen sind. Nun aber sind auch viele Messen und Workshops abgesagt, manche sind in Frage gestellt, wie auch der Westeuropa-Workshop des Bayerischen Tourismusverbandes, der im November in Erding hätte stattfinden sollen. 40 bis 50 der größten Reiseanbieter aus Westeuropa kommen laut Pech bei diesen Workshops alle zwei Jahre zusammen, sie hätten sich in diesem Jahr in Erding treffen wollen - als eine Art Abschiedsgeschenk für ihn selbst, wie Pech sagt. Er geht im kommenden Jahr in Pension.

Wenn der Tourismus langsam wieder Fahrt aufnehmen wird, möchte auch die Tourismusregion Erding gerüstet sein. Dann wird es die Menschen nicht gleich in die Ferne ziehen, vieles wird gar nicht möglich sein. Der Urlaub zuhause, "das Daheim-Gefühl", sei dabei genau das, was die Region Erding mitsamt der Therme zu bieten habe. Schon lange wirbt die Therme damit, dass man dort Urlaub unter Palmen machen könne, ohne wegfliegen zu müssen. Vorläufig aber kämpft die Branche ums Überleben, das weiß auch Pech. Den Betrieben fehlten die Einnahmen. Wenn sie aber gleichzeitig Kosten haben wie zum Beispiel für Miete, dann wird es schwierig.

© SZ vom 14.04.2020

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