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Tierheim Erding:Unter Hamsterverdacht

Das Tierheim bei Kirchasch kann jetzt wieder Hunde und Katzen aufnehmen und abgeben. Natürlich müssen die Bewohner auch mit Futter versorgt werden. Die älteren ehrenamtlich Beschäftigte sind von der Mitarbeit aber vorerst entbunden

Die älteren ehrenamtlichen Mitarbeiter bleiben jetzt zuhause, gearbeitet wird mit Mundschutz und Handschuhen und Tiere werden nur nach Terminabsprache abgegeben, damit es zu keinen Überschneidungen kommt: Das Tierheim des Tierschutzvereins Erding bei Kirchasch kann seit Ostern fast schon wieder normal arbeiten. Nach den Einschränkungen, denen man seit dem 20. März unterlegen war, nachdem Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die Corona-Maßnahmen bekannt gegeben hatte, ist die stellvertretende Vereinsvorsitzende Solveig Wanninger froh, dass das Landratsamt mittlerweile die Vorgaben gelockert hat: "Das passt schon, wir halten uns gerne daran. So können wir es eine Zeitlang aushalten."

Albert und Richard sind noch etwas scheu, sie werden aber an Tierliebhaber vermittelt.

(Foto: Renate Schmidt)

Natürlich läuft nicht alles so weiter wie früher. Im Tierheim gilt die Sieben-Tage-Woche, und viele ehrenamtliche Mitglieder sind Rentner, die bereits auf die 70 zugehen und nun nicht mehr mithelfen dürfen. Sie fehlen, doch das sei nun mal nicht zu ändern, sagte Wanninger. Deren Schutz gehe vor. Es gibt derzeit auch etwas weniger zu tun, denn die "Hundefachfrau" des Tierschutzvereins habe alle Hunde mit zu sich nach Hause genommen. Das seien etwa zehn bis 15 Tiere, schätzte Wanninger. Die Dame habe ein Gelände, wo die Hunde viel Auslauf hätten. Die Nachfrage nach Hunden sei derzeit auch nicht größer als früher, obwohl sie von den Münchner Tierheimen gehört habe, dass sie dort gestiegen sei: Manche hätten angefragt, ob sie einen Hund bekommen könnten, weil sie Gassi gehen als Vorwand bräuchten, um regelmäßig raus aus der Wohnung zu gehen. Das lehne man jedoch ab, sagte Wanninger: "Unsere Hundefachfrau würde auf die Barrikaden gehen."

Thor und Odin harren geduldig im Hasenkäfig aus.

(Foto: Renate Schmidt)

Im Tierheim werden demnach derzeit noch etwa 35 Katzen betreut, darunter eine Katzenmutter mit vier kleinen Kätzchen sowie Meerschweinchen und Kaninchen. Ein Teil der Tiere befinde sich auf der Quarantänestation, geputzt werde im ganzen Heim nur mit Mundschutz und Handschuhen. Beim Einkaufen sei sie schon vom Verkaufspersonal angesprochen worden, wenn sie beispielsweise mehrere Packungen Küchenrollen in den Einkaufswagen gelegt habe. Sie habe jedoch erklärt, dass sie die Ware nicht hamstere, sondern dass sie die Rollen zum Putzen im Tierheim benötige. Auch beim Kauf von Tierfutter müsse sie sich manchmal für die Mengen rechtfertigen.

Zehn schwarze Kätzchen sind in der Vermittlung, von denen Solveig Wanninger eines auf dem Arm hält.

(Foto: Renate Schmidt)

Wanninger freut sich, dass auch die Futterspenden weiter laufen. "Wir haben einen Wäschekorb vor die Haustür gestellt, und da liegt fast jeden Tag was drin. Uns rufen auch Leute an und sagen, ihre Katze sei gestorben und ob sie uns ihr restliches Futter vorbeibringen können. Momentan haben wir da keine Probleme, die Menschen sind so nett." Auch die Abgabe und Annahme von Tieren laufe weiter, wobei der Tierschutzverein von der bisherigen Regelung abgewichen sei, Tiere nur zu bestimmten Zeiten an Samstagen und Sonntagen anzunehmen oder abzugeben. Wer Interesse an einem Tier hat, müsse vorher anrufen. Dann bespreche man, welches Tier infrage kommen könnte. Wenn man zu einer Entscheidung komme, vereinbart der Verein einen Termin, den man im Kalender eintrage. Dabei achte man streng darauf, dass es zu keinen zeitlich Überschneidungen der Interessenten komme.

Den Tieren im Tierheim gehe es nach wie vor gut, sagt Wanninger. Es gebe keine größeren Probleme. Allerdings freue sich der Tierschutzverein immer über Spenden, weil man laufende Kosten decken müsse: "Kürzlich hat der Geschirrspüler für die Futterküche seinen Geist aufgegeben", sagte Wanninger. "Wir freuen uns über jeden Euro."

© SZ vom 25.04.2020

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