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Teure geliehene OP-Pfleger:"Deutliche Planverfehlung"

Kreistag billigt weitere Millionen Defizitausgleich für Klinikum

Der Kreistag hat einstimmig eine Nachzahlung von 2,2 Millionen Euro zum Ausgleich des unerwartet hohen Defizits 2016 des Klinikum Erding gebilligt.

Seit 2010 hat das kommunale Krankenhaus insgesamt 16,6 Millionen Euro Verluste gemacht. In den ersten zwei Jahren wurden 4,6 Millionen Euro mit eigene Rücklagen des Krankenhauses ausgeglichen. Die zwölf Millionen Euro Defizitausgleich seit 2012 haben die Steuerzahler im Landkreis finanziert. Im Durchschnitt bezuschusst der Landkreis sein Krankenhaus also mit 2,4 Millionen Euro pro Jahr. Der mit 3,3 Millionen Euro besonders hohe Verlust 2016 hat laut Klinikchef Sándor Mohácsi vor allem drei Gründe: Die Einnahmen aus stationären Behandlungen sind um 2,8 Millionen Euro geringer ausgefallen als im Wirtschaftsplan angesetzt. Sehr teuer waren auch die OP-Pfleger von Leiharbeitsfirmen, die wegen außergewöhnlich vielen Ausfällen des festen Personals eingesetzt werden musste, was 1,4 Millionen Euro Mehrkosten verursacht habe. Der dritte unvorhergesehene Grund für das hohe Defizit ist eine rechtlich notwendige Rückstellung von 500 000 Euro. Mohácsi räumte im Kreistag eine "deutliche Planverfehlung" ein, verwies aber auch auf "strukturelle Kosten", die das Klinikum zu tragen haben. Durch die Notaufnahme entstünde jedes Jahr knapp eine Million Euro unbeglichene Kosten. Gleichwohl "weisen wir keinen Patienten ab". Wegen eines Zwei-Bett-Standards im Erdinger Klinikum entgingen dem Haus sonst übliche Erstattungen durch die Krankenkassen in Höhe von 450 000 Euro. Den Bau einer Fachakademie für Pflegeberufe nannte Mohácsi eine "wegweisende Entscheidung".

Die Fraktionsvorsitzenden Thomas Bauer (CSU), Georg Els (Freie Wähler), Helga Stieglmeier (Grüne) und Ulla Dieckmann (SPD) bekräftigten, dass ihre Parteien auf keinen Fall am Status des Krankenhauses als kommunaler Einrichtung rütteln wollte. Es sei ein wesentlicher Bestandteil der kommunalen Daseinsvorsorge.