bedeckt München

Stadthalle Erding:Neues Klangerlebnis

Es sei das beste existierende Soundsystem, schwärmt der Veranstaltungstechniker Charlie Hecht. 300 000 Euro hat die Anlage gekostet, doch derzeit kommt nur ein kleines Publikum in diesen Genuss

Von Dan Urner

Erding - Wer sich als Besucher in der Stadthalle Erding einfindet, kommt seit Beginn der laufenden Veranstaltungssaison in den Genuss einer neuen Tonanlage. Der Veranstaltungsort hat seine Akustik im Sommer mit runderneuerter Technik ausgestattet. Nicht ohne Stolz demonstriert Veranstaltungstechniker Charlie Hecht die brandneue Tontechnik, die im gesamten großen Saal ein homogenes Klangfeld ermöglicht.

Wie ein Rundgang beweist, klingt die abgespielte Musik fast überall im Raum gleich - und das auf hohem Niveau. "Die neuen Lautsprecher richten sich direkt an die Zuschauer und nicht an die Fläche. Die Geräte können dafür gezielt eingestellt werden", erklärt Hecht. Bereiche, in denen Publikum sitzt, könnten zielgenau beschallt werden. Damit das gelingt, ist ein Zusammenspiel vieler Lautsprecher notwendig, wie er aufzeigt. Sie befinden sich neben, auf und unter der Bühne.

Die alte Anlage habe in erster Linie die Wände beschallt, was unschöne Echos und Reflexionen zur Folge gehabt hätte. Allgemein sei die alte Tontechnik in die Jahre gekommen, mehr als dreißig Jahre lang sei sie im Einsatz gewesen. "Die war nicht mehr zeitgemäß. Es gab auch keine Ersatzteile mehr, was Probleme verursacht hat." Wo sich bis vor kurzem noch die Lautsprecher des ehemaligen Akustiksystems befanden - sie waren direkt an den Wänden angebracht - soll in naher Zukunft eine Sprachalarmierungsanlage installiert werden, wie Hecht sagt. Die sei mit der Tontechnik verknüpft und könne sie im Falle einer Evakuierung stummschalten.

Charlie Hecht beherrscht die Technik.

(Foto: Stephan Görlich)

Der Umbau sei schon vor dem Lockdown geplant gewesen. Innerhalb von sechs Wochen im Juli und August hätten die Arbeiten stattgefunden. "Da steckte viel Arbeitsaufwand und Planung hinter", so hätten gar Böden durchgebrochen werden müssen, um neue Kabel und Leitungen zu verlegen.

Entstanden ist ein vollständig digitalisiertes Soundsystem, das aus zahlreichen fest installierten, gesondert anpassbaren Lautsprechern und Boxen sowie einem brandneuen Mischpult besteht. Man müsse beinahe IT-Experte sein, um die Steuerung des gesamten Systems zu verstehen, sagt Hecht. Das Herzstück des durch zahllose Kabel verbundenen Netzwerks liegt im Keller, in dem sich auch die Verstärker der Boxen befinden. Der "Master", wie er sagt, steuere und synchronisiere die gesamte Soundverteilung. "Wenn der ausfällt, dann ist Schicht im Schacht." Das gelte aber auch für andere Elemente, weil alles mit allem verbunden sei.

Die Kosten des kernsanierten Equipments kann Hecht nicht verraten, "aber der Preis war auf jeden Fall gerechtfertigt" für ein System, "das alle glücklich macht". Jutta Kistner, Geschäftsführerin der Stadthalle, beziffert die Gesamtkosten inklusive Planung auf rund 300 000 Euro, eine Summe "voll im Plan", wie sie anmerkt. Es sei das beste existierende Soundsystem, schwärmt Hecht. "An dieser Anlage kommt man einfach nicht mehr vorbei." Sie eigne sich für alles - für Sprache und Musik, für Theatervorstellungen oder Rockkonzerte. Wenn ein Künstler ein eigenes Mischpult mitbringe, sei das problemlos mit dem System kompatibel.

Ein vollständig digitalisiertes Soundsystem, das aus zahlreichen fest installierten, gesondert anpassbaren Lautsprechern und Boxen sowie einem brandneuen Mischpult besteht.

(Foto: Stephan Görlich)

Charlie Hecht, seit rund 35 Jahren auch international als Tontechniker aktiv, arbeitet seit März 2019 in der Stadthalle. Die Planungen um die erneuerte Tonanlage hätten eine Rolle gespielt, ihn vom Job zu überzeugen. Er hofft auf baldige Normalität bei den Veranstaltungen, damit die neue Akustik ein breites Publikum erreicht und eine stimmungsvolle Atmosphäre erzeugt. Tatsächlich weist der Veranstaltungskalender ein Corona-bedingt recht ausgedünntes Programm für diese Saison aus, zahlreiche Verlegungen und Absagen hat es gegeben. Und bei Events, die stattfinden, darf der große Saal nur teilweise gefüllt werden. Jutta Kistner zufolge sind - je nach Konstellation - zwischen 150 und 200 Personen gestattet. Normalerweise fasst der große Saal 791 Besucher in Reihenbestuhlung.

© SZ vom 17.10.2020
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema